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Lena - Unser Grand-Prix-Star Lena startet mit Panne – und gewinnt Journalisten-Herzen
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21:23 22.05.2010
Lena Meyer-Landrut
Lena Meyer-Landrut Quelle: dpa (Archivbild)
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Sonnabend, 17.30 Uhr, Oslo: Lena Meyer-Landrut betritt das erste Mal die Bühne der Telenor Arena in der norwegischen Hauptstadt. Aus den Boxen dröhnen schon die ersten Takte des deutschen Beitrags zum diesjährigen Eurovision Song Contest „Satellite“, und die 18-Jährige greift mit einem verschmitzten Lächeln zum Mikrofon und singt hinein – nur zu hören ist nichts. Die vier Backround-Sängerinnen lassen sich nicht irritieren, singen weiter, sind zu hören. Auch die Musik dröhnt weiter. Probt Lena Playback? Basiert der deutsche Beitrag auf guter, deutscher Studiotechnik? Ist das überhaupt erlaubt? Sekunden vergehen, als plötzlich Lenas Stimme endlich einsetzt. Nur eine Technikpanne. Fans, die als Journalisten gekommen sind und Journalisten, die sich als Fans outen, schwenken im Zuschauerraum erleichtert deutsche Fahnen, jubeln laut, rufen „Lena, Lena!“. Endlich ist sie da. Lena in Oslo. Live und lebendig. Es hat begonnen.

Die Hannoveranerin sieht aus, wie man sie vom ersten Auftritt in der TV-Castingshow „Unser Star für Oslo“ kennt. Schwarze Strumpfhose, schwarzes Kleid, schwarze Haare, schwarze Fingernägel. Sie wippt wieder mehr, als sie tanzt, legt ihre Hände auf die Oberschenkel, macht eine Art Knicks, tritt dann mit ihren langen Absatzschuhen kräftig in die Luft. Kick it, like Lena. Ein wenig Hip-Hop, ein wenig Ententanz, ein wenig Eurythmie, pure Energie schafft sich einen eigenen Bewegungsablauf. Am Ende gibt es frenetischen Applaus von etwa 300 Leuten in der Telenor Arena, die sonst 23.000 Menschen fasst. Lena winkt den Fans, macht Pause und setzt sich auf den Bühnenboden. Sie bespricht sich kurz mit ihrem Mentor und Entdecker Stefan Raab, reckt den Daumen gen Produktionsleitung und fängt von vorn an. Fünf Mal probt sie den Song insgesamt. Fans und Journalisten sind begeistert. „Das ist das erste Mal, dass ich voll hinter einem deutschen Beitrag stehe“, sagt Contest-Experte und Dozent der Hochschule für Musik und Theater in Hannover, Dr.Irving Wolther. „Lena nimmt einen gefangen, hat Charme und vermittelt einfach ganz viel positive Energie“, lobt der 24-Jährige Dmitry Buiskikh aus der Nähe von Sankt Petersburg. Er mag den russischen Beitrag nicht besonders. Lena sei viel spannender.

Diese eilt von der Probe direkt zur Pressekonferenz, eine Pressekonferenz die unterhaltsamer ausfällt, als manch musikalischer Beitrag an diesem ersten Lena-Tag. Sie fühle sich gut, es mache ihr Spaß, den Song auf der Bühne zu singen, und sei „sehr, sehr, sehr aufgeregt“. Wie es sich anfühle, so nervös zu sein, möchte ein Medienvertreter wissen. „Wie soll es sich anfühlen, nervös zu sein?“, fragt Lena zurück und schüttelt sich mit dem ganzen Körper. Eine typische Lena-Antwort. Auf die Frage, was sie denn bei der zweiten Probe gedenkt, besser zu machen, sagt sie nur: „Nichts.“ Und als ein Raunen durch das Pressezentrum zieht, fragt sie schnell zurück: „Was würden sie denn besser machen?“ Der Journalist lächelt und sagt: „Nichts, es war perfekt.“

Es war ein launig-lustiger Austausch zwischen Raab und Lena und den Medienvertretern. Als die 18-Jährige gebeten wird, die Fragen auf Englisch zu beantworten, wird sie von Raab unterbrochen. Der TV-Moderator: „Wir können leider nicht übersetzen, weil RTL-Zuschauer kein Englisch sprechen.“ Lena tut es trotzdem, aber Raab scheint der Privatsender nicht loszulassen. Als eine RTL-Reporterin fragt, ob denn auch die Familie Lena in Oslo unterstützt, weigert sich Lena die private Frage zu beantworten. Raab: „Da muss Frauke Ludowig mal ohne den Käse auskommen, und ihr müsst euch etwas Anderes aus der Nase ziehen“. Statt Details aus Lenas Privatleben, singt diese lieber Wencke Myhres „Knallrotes Gummiboot“ an, erklärt, dass „Satellite“ mittlerweile ihr Lieblingssong sei, weil sie ganz viele gefühlvolle Momente damit verbindet, und neckt einen jungen Reporter, der sie mit einer Frage nach ihrem Männergeschmack nervt. „Was für eine doofe Frage“, sagt sie. „Ich steh' auf Zwölfjährige – nein tue ich nicht.“ Und Raab schickt hinterher: „Bist du auf der Suche nach einer Freundin?“

Lena verbindet die Pressekonfenrenz auch mit Grüßen an die hannoverschen Fans. „Ich danke euch 530.000-Milliarden-mal, dass ihr so unterstützermäßig geil seid“, lobt Lena auf Lena-Art. Die Hannoveraner sollen wie alle Zuschauer einfach am 29. Mai kräftig feiern. Das hat Lena auch in der Nacht zum Sonntag vor. Schießlich wird sie dann 19 Jahre alt. Wer mitfeiern möchte, sei herzlich eingeladen und könne ganz einfach mitmachen. Am Sonntag, 17.15 Uhr, Telenor Arena. Da steht die zweite Probe an.

Jan Sedelies