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Lena - Unser Grand-Prix-Star Lenas Programm steht - die Platte kommt im Februar
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22:08 09.01.2011
Von Imre Grimm
Konkurrenzloser Einzug in das Finale in Düsseldorf: Lena Meyer-Landrut singt auch 2011 für Deutschland. Quelle: dpa (Archiv)
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Drei Wochen sind es noch bis zum Beginn der Lena-Festspiele 2011, drei Wochen, bis sich zeigen wird, ob auch eine Lena, die nicht aus dem Nichts kommt, das Zeug zu großen Taten hat. Inzwischen steht der Fahrplan für die neue Song-Contest-Saison – und so sieht Lenas Frühjahr aus: drei Liveshows, ein neues Album, Tournee, Düsseldorf, Pause. Lenamania reloaded. Es wird ein heißer Ritt.

In drei großen Shows im Januar und Februar, moderiert vom bewährten Duo Matthias Opdenhövel und Sabine Heinrich, suchen PRO7 und die ARD zunächst „Unseren Song für Deutschland“: Im ersten Halbfinale (31. Januar, 20.15 Uhr, PRO7) präsentiert Lena sechs Lieder, sechs weitere dann im zweiten Halbfinale (7. Februar, 20.15 Uhr, PRO7). Eine Jury aus wechselnden Popkünstlern unter Vorsitz von „Präsident“ Stefan Raab bewertet das Geschehen, bevor das Publikum jeweils drei Songs per SMS oder Telefon ins Finale wählt (18. Februar, 20.15 Uhr, ARD). Aus den verbliebenen sechs Titeln küren die Zuschauer dann ihren Favoriten zum offiziellen Grand-Prix-Beitrag 2011.

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Lenas zweites, noch namenloses Album soll Mitte Februar erscheinen – zwischen den beiden PRO7-Halbfinals und der ARD-Sendung. Darauf werden sämtliche zwölf Titel zu hören sein, die Lena bei „Unser Song für Deutschland“ singt. Es handelt sich beim Nachfolger des fix produzierten Debüts „My Cassette Player“ also quasi um den kompletten Soundtrack zur großen Lena-Show. Mindestens einen Titel hat Guy Chambers beigesteuert, der britische Songwriter, der unter anderem für Robbie Williams frühe Hits verantwortlich war („Angels“, „Rock DJ“, „Feel“, „Let Me Entertain You“) sowie Songs für Kylie Minogue („Your Disco Needs You“), Katie Melua („A Moment Of Madness“) und Tokio Hotel („A World Behind My Wall“) schrieb. Chambers ins Boot zu holen war ein feiner Kniff, um dem ganzen Unterfangen Internationalität zu verleihen. Mindestens zwei weitere Titel stammen aus der Feder von Raab.

Mit dann 26 eigenen Liedern im Gepäck geht Lena am 13. April auf ihre erste Tournee. Es folgen: prall gefüllte Grand-Prix-Tage in Düsseldorf samt Interviews in Endlosschleife, Proben, Pressekonferenzen, Drehs für „tv total“ sowie eine tägliche „ESC Show“ aus der Arena, die ab dem 9. Mai um 18.50 Uhr im ARD-Vorabendprogramm zu sehen ist. Das erste Halbfinale am 10. Mai zeigt PRO7, das zweite am 12. Mai sowie das Finale am Sonnabend, 14. Mai um 21 Uhr, dann die ARD.

Was für ein Empfang! Als Lena am Sonntag wieder nach Deutschland kam, wurde sie in Hannover wie ein Superstar begrüßt. Tausende Fans jubelten ihr zu. Viele hatten Plakate gebastelt und Bilder gemalt.

Dann erst wird die Frage beantwortet sein, ob Lenas Lenahaftigkeit allein genügt, um dem stringent durchkalkulierten „Unternehmen Titelverteidigung“ den Charakter des Maschinellen zu nehmen. Es wird nicht leicht sein für die 19-Jährige, inmitten des enorm gefüllten Terminkalenders gelassen zu bleiben.

Und dennoch: Selbst Lena-Fans fragen sich, ob die Magie von „Unser Star für Oslo“ überhaupt reproduzierbar ist, ob schiere Penetranz über die Unwucht der Planung hinwegtäuschen kann. So kommt es zu der schrägen Situation, dass Raab als Jurypräsident in drei Liveshows ein Album zu bewerten hat, an dessen Produktion er maßgeblich selbst beteiligt war. Das birgt die Gefahr, dass die drei großen Lena-Shows im Januar und Februar vor allem als PR-Feuerwerk für eine Platte dienen, die unbedingt ein Hit werden soll. Ob auch für das Spielerische der „Unser Star für Oslo“-Wochen im vergangenen Winter Raum ist, den eigentlichen Lena-Faktor also, muss sich erst noch zeigen. Eines jedenfalls macht die Agenda deutlich: dass es beim Grand Prix eben nicht nur um lustiges Seifenblasenpusten geht, sondern auch ums Geldverdienen.

Für die ARD ist der Eurovision Song Contest im Jahr 2011 das wichtigste TV-Ereignis – kaum bedrängt von der Königshochzeit in England am 29. April (dem Tag von Lenas letztem Tourkonzert in Köln) und der Fußball-WM der Frauen. Dringend will man den bösen Verdacht im Keim ersticken, dass man im öffentlich-rechtlich-privaten Joint Venture mit PRO7 nur der Juniorpartner ist, dass in Sachen Lena quasi der Schwanz mit dem Hund wedelt. Raab selbst bereitet es stets diebische Freude, die ARD-Verantwortlichen entsprechend zu piesacken. Schon im März 2010, kurz nach der Kür von Lena zur deutschen Grand-Prix-Vertreterin, sagte Raab in einer denkwürdigen Pressekonferenz zur Kooperation zwischen ARD und PRO7: „Seit wir gesagt haben, wir machen das, haben wir das Ding hier in Köln durchgezogen. Wir haben gar nix von der ARD mitbekommen.“ Lachen im Publikum. ARD-Programmdirektor Volker Herres, mit auf dem Podium sitzend, guckt sparsam, gibt sich aber entspannt. Raab sieht herüber und beschwichtigt feixend: „Nein, nein, Sie waren ja auch da.“

Lenas erneutes Antreten übrigens ist keine deutsche Premiere: 1970/1971 vertrat Katja Ebstein Deutschland ebenfalls zweimal hintereinander. Geradezu unheimlich sind die Parallelen zwischen beiden Karrieren. 1970 war Ebstein – praktisch aus dem Nichts kommend wie Lena – mit „Wunder gibt es immer wieder“ in Amsterdam Dritte geworden. Es war die bis dahin beste deutsche Platzierung. 1971 entschied der Hessische Rundfunk, dass sie erneut antreten solle. Im Vorentscheid bestimmte eine Jury nur noch ihren Titel. Mit dem Lied „Diese Welt“ wiederholte Ebstein in Dublin dann exakt ihre Platzierung aus dem Vorjahr: Platz drei.

Das Finale des Eurovision Song Contest, am 14. Mai sowie die Generalprobe am Vorabend sind ausverkauft – die 64.000 verkauften Karten sind ESC-Rekord. Tickets für die Halbfinals am 10. und 12. Mai (ohne Lena) können sich Fans unter www.dticket.de reservieren lassen. Sie kosten 29 Euro und 119 Euro.