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Lena - Unser Grand-Prix-Star Sieg für Lena und Stefan Raab beim Deutschen Fernsehpreis
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23:58 10.10.2010
Mentor Stefan Raab und Lena während der Gala in Köln. Quelle: dpa
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Sie würden ihn wohl allmählich heiligsprechen bei PRO7, wenn das nicht dem Papst vorbehalten wäre: Der Sieger des Abends beim Deutschen Fernsehpreis 2010 hieß Stefan Raab. Jahrelang hatten ihn die Jurys ignoriert – im Moment seines Triumphes aber blieb er im Rahmen seiner Möglichkeiten bescheiden: „Hinge der Erfolg vom Aussehen ab, stünde ich wohl nicht hier.“ Applaus, offen­sives Metzgergrinsen. Raab wurde bei der Gala, die am Sonnabend in seiner Heimatstadt Köln über die Bühne ging und erst am späten Sonntagabend in der ARD zu sehen war, als Entertainer des Jahres und für seine Show „Unser Star für Oslo“ („USFO“) in der Kategorie „Beste Unterhaltungssendung“ ausgezeichnet.

Mit dem ARD/NDR/PRO7-Joint-Ven­ture „USFO“, bei dem Lena Meyer-Landrut im Februar und März einen Start-Ziel-Sieg hinlegte, sei „der eiserne Vorhang zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zerrissen“ worden, sagte Raab, der sich allmählich zum Paten der deutschen Fernsehunterhaltung entwickelt. Damit kleben nun also zwei neue Sternchen im Fleißheft von Raab, den Lena selbst in einem schwarzbunten Blümchenkleid auf der Bühne herzte, bevor sie mit einer Swing-Version ihres ­Oslo-Siegertitels „Satellite“ auftrat. Neben Lena und Raab wurden unter anderem auch Produzent Jörg Grabosch und die Moderatoren Sabine Heinrich und Matthias Opdenhövel geehrt.

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Sieben Preise für die ARD, vier fürs ZDF, zwei für RTL und PRO7 sowie jeweils einer für SAT.1, rbb, arte und KI.KA – die Jury unter Bettina Böttinger hatte ihr Bestes gegeben, ihren Proporzverpflichtungen nachzukommen. Zwei Preise gingen an die ARD-Produktion „Im Angesicht des Verbrechens“. Der „Tatort: Weil sie böse sind“ (Jörg Schüttauf/Andrea Sawatzki) wurde zum besten Fernsehfilm des Jahres gekürt. Christoph Bach wurde für die Titelrolle in „Dutschke“ als bester Schauspieler prämiert, beste Schauspielerin wurde Ulrike Kriener für „Klimawechsel“. Freuen durften sich auch die Macher der ZDF-„heute-show“ mit Oliver Welke, ein perfekter Nachbau der „Daily Show“ mit Jon Stewart im US-Fernsehen. Durch die doch eher müde Gala führten Sandra Maischberger und Kurt Krömer.

Überschattet wurde die Verleihung vom seit Tagen gärenden Streit um die Neuausrichtung des Fernsehpreises. Erstmals hatten die Veranstalter keine Einzeltrophäen mehr für die beste Kamera, die besten Nebendarsteller, das beste Drehbuch und die besten Tonmeister, Cutter, Komponisten und Kostümbildner vergeben. Sie alle würden durch die Auszeichnung für ein komplettes TV-Werk („Bester TV-Film“, „Beste Comedy“) mit gewürdigt: „Falsch!“ – murrten die Kellerkinder der Branche, die sich im Schatten der Stars um ihre raren Glücksmomente betrogen fühlen. Vor allem die Auszeichnung der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, für die Manager Oliver Bierhoff den Preis entgegennahm, hatte die Fernsehkreativen im Vorfeld auf die Palme gebracht: Nach Rudi Carrell und Götz George nun also die Nationalmannschaft als Preisträger für „besondere Leistungen“? Was haben Mesut Özil, Lukas Podolski & Co. mit dem Fernsehschaffen zu tun? Von angedrohten Boykottaktionen aber war am Sonnabend wenig zu spüren. Immerhin wurden am Eingang zum Kölner Coloneum Flugblätter und silberne Pins verteilt. Aufschrift: „Ich bin preiswert.“

Ist die Angst der Kreativen um ihr kleines bisschen Ruhm berechtigt? In der Tat besteht die Gefahr, dass der Fernsehpreis zu einem weiteren x-beliebigen Medienpreis für Leute wird, die öfter mal im Fernsehen sind. Seit seiner Gründung 1999 schlingert die Veranstaltung unsicher durch die Jahre, zuletzt kurz aufgeschreckt von Marcel Reich-Ranickis berühmter Wutrede vor zwei Jahren. Problem eins: Der Preis wird – anders als der Adolf-Grimme-Preis – nicht von einem unabhängigen Institut vergeben, sondern von ARD, ZDF, ProSiebenSAT.1 und RTL selbst. Das belastet die Glaubwürdigkeit. Es geht Jahr für Jahr vor allem um: Proporz. Problem zwei: Das Publikum wünscht Stars zu sehen, keine unbekannten Cutter. Die Folge: Die Gala könnte wie der „Bambi“ und die „Goldene Kamera“ in der künstlerischen Irrelevanz versacken, wenn wieder nur Heidi Klum und Mario Adorf geehrt würden statt derjenigen, die vielleicht keine großen Namen, aber eine große Idee in sich tragen. Problem drei: mangelndes Renommee. Anzeichen dafür: Stars wie Veronica Ferres, Thomas Gottschalk oder Günther Jauch fehlten am Sonnabend. Nicht wichtig genug. Und Laudator Götz George wurde bloß per Video eingeblendet.

Der Konflikt gärt weiter. Mancher sprach in branchenüblicher Übertreibung gar vom „Stuttgart 21 des Fernsehens“. Von einem runden Tisch ist die Rede. „Es ist problematisch, wenn diejenigen, die Produktionen beauftragen, sie anschließend mit Preisen versehen“, sagte Schauspieler Michael Brandner, Vorsitzender des Bundesverbandes der Film- und Fernsehschauspieler. Er hält gar einen „Gegenpreis“ für denkbar, der von einer von den Anstalten unabhängigen Deutschen Fernsehakademie vergeben werden soll. Vorbild: der US-Emmy. Schauspielerin Annette Frier, ausgezeichnet für die SAT.1-Serie „Danni Lowinski“, sagte in ihrer Dankesrede, sie solle von ihrer Serienheldin ausrichten, alle Beteiligten sollten ihre „beleidigten Ärsche an einen Tisch setzen“ und den Streit beilegen, „damit wir uns im nächsten Jahr wieder gemeinsam besaufen können“.

Raab und Lena wird’s kaum jucken. Nach der Gala wurde gefeiert. Aber nicht zu heftig, denn die Arbeit an einer tragfähigen Karriere geht weiter. Im November erscheint Lenas dritte Single.

Imre Grimm