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Panorama 1300 Fahnder in 180 China-Restaurants
Nachrichten Panorama 1300 Fahnder in 180 China-Restaurants
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21:13 17.08.2009
Von Tobias Morchner
Quelle: Tim Schaarschmidt (Archiv)
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Der Schwerpunkt der Aktion, an der am Montag 1300 Polizei- und Zollbeamte beteiligt waren, lag in Nordrhein-Westfalen.

Zwei 46 und 38 Jahre alte Chinesen und ihre 35-jährige Komplizin stehen im Verdacht, zehn Jahre lang mehr als 1000 Köche aus China nach Deutschland geschleust zu haben, um sie als billige Arbeitskräfte ausbeuten zu lassen. Der Menschenhändlerring hatte seine Aktivitäten gut getarnt. Offiziell war die Eusino Business GmbH als Handelsvermittlung von Eisen-, Metall- und Kunststoffwaren eingetragen. Doch in Wirklichkeit besorgte die Firma nach bisherigen Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Hannover und des Landeskriminalamts (LKA) Niedersachsen Köche, die bereit waren, für einen Stundenlohn von knapp zwei Euro 80 bis 90 Stunden die Woche in den Restaurants zu schuften. „Den Arbeitgebern wurden DVDs zugesandt, die Bilder und Leistungen der Köche beschrieben“, sagte ein LKA-Ermittler. Die Restaurantbetreiber konnten dann aus diesem Katalog ihre neuen Mitarbeiter bestellen – den Rest erledigten die drei Verdächtigen aus Isernhagen und ihre Hintermänner in China.

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Gegen Zahlung von 6000 bis 12.000 Euro besorgten die Verdächtigen den Köchen gültige Papiere. Sie bekamen einen Arbeitsvertrag und ein Visum. „Außerdem unterschrieben die Köche einen zweiten Vertrag, auf dem die wahren Bedingungen ihres Beschäftigungsverhältnisses aufgelistet waren“, sagte LKA-Sprecher Frank Federau. In der Regel behielten die Betreiber der Restaurants die Pässe ihrer Mitarbeiter ein.

In einigen Fällen mussten die aus China Eingeschleusten zu dritt in einem zehn Quadratmeter großen Raum schlafen und wurden, wie Ermittler sagten, „fast wie Sklaven gehalten“. Einer der betroffenen Köche fasste in seiner Vernehmung sein Schicksal mit den Worten zusammen: „Die haben uns verkauft wie Schweine.“
Wie erst am Montag bekannt wurde, sitzten die mutmaßlichen Köpfe der Schleuserbande schon seit März in Untersuchungshaft. Gegen sie wird wegen Verdachts des Menschenhandels ermittelt. Mindestens zwei Millionen Euro sollen sie nach Angaben der hannoverschen Staatsanwaltschaft mit den Schleusungen verdient haben. Die Razzia vom Montag sollte dazu beitragen, weitere Beweismittel gegen die drei Festgenommenen sicherzustellen.

Die Betreiber der China-Restaurants müssen sich wegen Lohnwuchers und Beteiligung an den Schleusungen verantworten. Ob sie Sozialabgaben für ihre Köche bezahlt haben, ist derzeit noch unklar.