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Panorama 14-Jähriger trank drei Flaschen Wodka und Korn
Nachrichten Panorama 14-Jähriger trank drei Flaschen Wodka und Korn
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22:44 26.05.2009
Archivbild Quelle: Kris Finn
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Die Polizei Hannover appelliert an Eltern, dem Alkoholmissbrauch von Minderjährigen und Jugendlichen entschlossen entgegenzuwirken. Hintergrund ist die Nachricht über einen 14-Jährigen aus Wietze (Landkreis Celle), der am Sonntag mit 4,9 Promille im Blut an einer Bushaltestelle gefunden wurde. Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover retteten dem Jungen mit einer Blutwäsche das Leben.

„So einen drastischen Fall haben wir in Hannover noch nicht gehabt“, sagte am Dienstag Polizeisprecher Stefan Wittke. Dennoch schreibe die Polizei Hannover dem Thema einen „ausgesprochen hohen Stellenwert“ zu. „Wir können aber nur die Symptome bekämpfen. Für die Behebung der Ursachen sind alle gesellschaftlichen Kräfte gefordert“, sagte Wittke. Erst am Himmelfahrtstag habe es auch in der Region Hannover wieder erschreckende Beispiele für exzessiven Alkoholkonsum unter Minderjährigen gegeben. So betrank sich eine 14-Jährige am Blauen See in Lehrte bis zur Besinnungslosigkeit. Sie kam zur ärztlichen Behandlung in das Kinderkrankenhaus auf der Bult.

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Dort behandelten die Spezialisten im vergangenen Jahr knapp 250 mit Alkohol vergiftete Jugendliche aus der Region. Ein Teil der Patienten wurde zusätzlich von den Drogenberatern des Projekts „Halt - Hart am Limit“ betreut. Das Angebot wird vom Team Jugendarbeit der Region Hannover koordiniert. Ziel ist die schnelle Intervention nach Alkoholexzessen von Jugendlichen, um deren Abrutschen in die Sucht zu verhindern. „Die meisten Jugendlichen, die wegen Alkohol im Krankenhaus landen, haben die Wirkung unter- und sich selbst überschätzt“, sagte am Dienstag Drogenberaterin Carola Bau. Dass ein Jugendlicher wiederholt mit einer Alkoholvergiftung eingeliefert werde, sei glücklicherweise nicht der Regelfall.

Bei der Prävention will die Region Hannover unter anderem weiterhin auf Testkäufe setzen. So soll verhindert werden, dass der Einzelhandel Alkohol an Minderjährige verkauft. Auch die Polizei Hannover will in Kooperation mit der Stadt die Testkäufe fortsetzen. „Für die nahe Zukunft sind außerdem erneute Großkontrollen unter Jugendlichen mit dem Schwerpunkt Alkoholmissbrauch geplant“, sagte Polizeisprecher Wittke. Ein weiterer Schritt könnten Alkoholverbote auf öffentlichen Plätzen sein. „Das gibt es bereits in anderen Städten, ist aber rechtlich sehr schwierig durchzusetzen“, sagte Wittke. Dennoch sei ein solches Verbot langfristig nicht ausgeschlossen. Wittke weist darauf hin, dass junge Menschen durch zu viel Alkohol nicht nur gesundheitliche Schäden riskieren. „Im betrunkenen Zustand werden Menschen schneller zu Tätern - oder zu leichten Opfern“.

von Susann Reichert und Vivien-Marie Drews