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Panorama 15 Flüchtlinge nach Glatteisunfall auf Laster entdeckt
Nachrichten Panorama 15 Flüchtlinge nach Glatteisunfall auf Laster entdeckt
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20:17 17.12.2010
In diesem VW-Sprinter wurden 15 Männer nach Deutschland geschleust. Quelle: Kaiser
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Es schien ein weiterer gewöhnlicher Autobahneinsatz wegen Schnee und Glätte zu werden, zu dem die Polizeibeamten aus Vechta am Freitagmorgen gegen fünf Uhr ausrückten. Auf der A 1 Richtung Bremen, Höhe Ahlhorn, hatte es einen Unfall gegeben, ein Lastwagen war auf spiegelglatter Fahrbahn ins Schleudern geraten und gegen die Mittelschutzplanke geprallt. Hinter ihm fuhr ein Transporter, der Fahrer verriss das Lenkrad, der Wagen stürzte in den Straßengraben.

Die Fahrertür des VW-Sprinters vom Typ LT 35 stand offen, als die Polizeibeamten wenig später eintrafen. Das Führerhaus stand leer. „Die Kollegen wunderten sich“, sagt Hubert Kröger, Sprecher der Polizeidirektion Cloppenburg/Vechta. Noch größer war ihre Verwunderung, als die Beamten die Tür zur kleinen Ladefläche öffneten: Dort kauerten 15 erschrockene Flüchtlinge.

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Bei den eingeschleusten Männern, deren Alter die Polizei zwischen 18 und 30 schätzt, handelt es sich vermutlich um Flüchtlinge aus Afghanistan. Nach dem Fahrer des Wagens fahndet die Polizei noch. Sie schließt allerdings nicht aus, dass er sich unter die Flüchtlinge in den Transporter gemischt hat.

Die Bedingungen im Laderaum des türkisfarbenen Sprinters mit französischem Kennzeichen beschreibt Kröger als äußerst widrig: „Die Menschen haben auf dünnen Matratzen und Kartons gelegen. Mindestens zehn Stunden haben sie nach eigenen Angaben ohne Essen im eiskalten Transporter ausgeharrt“, sagt Kröger. Als Toilette habe ihnen nur ein Plastikeimer zur Verfügung gestanden. Die Männer hätten nur das Wenige bei sich, was sie am Leibe trugen.

Papiere, die Aufschluss über die Identität der Männer geben könnten, waren nicht darunter. „Nur zwei der Männer sprechen Englisch, und das sehr gebrochen“, sagt Kröger. Im Laufe des Tages nahm die Polizei die Personalien der Männer auf. Anschließend sollten die Flüchtlinge in der Asylbewerberunterkunft Blankenburg in Oldenburg untergebracht werden. Die Polizei rechnet damit, dass sie Asyl in Deutschland beantragen werden. Ob Deutschland auch ihr Zielland war oder sie weiter nach Skandinavien reisen wollten, war am Freitag noch unklar. Ihren Schleusern haben sie eigenen Angaben zufolge jeweils 15 000 Euro gezahlt.

Angaben des niedersächsischen Flüchtlingsrats zufolge sind die Chancen auf positive Asylbescheide bei afghanischen Flüchtlingen derzeit groß. „Die humanitäre Situation in Afghanistan verschlechtert sich zusehends“, sagt Kai Weber vom Flüchtlingsrat. „Die Zahl der Afghanen, die in Deutschland Asyl beantragen, ist zuletzt stark gestiegen.“

Marina Kormbaki