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Panorama 16 Verdächtige nach Loveparade-Drama in Duisburg
Nachrichten Panorama 16 Verdächtige nach Loveparade-Drama in Duisburg
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19:30 18.01.2011
Von Gunnar Menkens
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach der Loveparade-Katastrophe gegen 16 Personen. Quelle: dpa
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Das gab die Behörde am Dienstag bekannt, ohne aber Namen zu nennen. Nach Informationen dieser Zeitung soll es sich unter anderem um die beiden Dezernenten für Stadtentwicklung sowie Recht und Ordnung handeln. Alle 16 Personen stehen im Verdacht der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung. Gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und „Lopavent“-Chef Rainer Schaller werde nicht ermittelt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Bei der Loveparade sind im vergangenen Juli 21 meist junge Menschen ums Leben gekommen, als am Aufgang des Veranstaltungsgeländes eine Massenpanik ausbrach. Mehrere Hundert Partygäste wurden zum Teil schwer verletzt.

Seither sind vier Staatsanwälte und 90 Polizeibeamte beschäftigt, ein Bild der Ereignisse nachzuzeichnen und mögliche Verantwortliche herauszufiltern. Die Ermittler befragten insgesamt rund 2200 Zeugen, sie sprachen mit Rathausbediensteten und Polizisten, Besuchern der Technofeier und Mitarbeitern von „Lopavent“, Feuerwehrleuten und Rettungskräften. Tausende Fotos wurden gesichtet und einige Hundert Stunden Videomaterial rund um das Veranstaltungsgelände ausgewertet.

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Elf der 16 im Verdacht stehenden Personen arbeiten im Duisburger Rathaus. Der Stadtentwicklungsdezernent war während der Planung zuständig für Flächen und Zugänge zum Partygelände, einem ehemaligen Güterbahnhof. Ins Ressort des Rechts-, Ordnungs- und Feuerwehrdezernenten fielen unter anderem Genehmigungen für zahlreiche Sondernutzungen öffentlicher Flächen. Im Fokus der Staatsanwaltschaft stehen deshalb auch führende Mitarbeiter im Ordnungsamt. Ob gegen die 16 Beschuldigten Anklage erhoben wird, ist offen. „Die Feststellung eines Anfangsverdachtes bedeutet nicht zwingend, dass sich die Beschuldigten auch vor Gericht verantworten müssen“, erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft mit der bei Ermittlungen üblichen Zurückhaltung. Auch sei es möglich, dass sich der Kreis verdächtigter Personen noch vergrößern könne.

Nach der Katastrophe in Duisburg hatten sich Stadt, Veranstalter sowie das für den Polizeieinsatz zuständige nordrhein-westfälische Innenministerium gegenseitig die Schuld in die Schuhe geschoben. Oberbürgermeister Sauerland lehnte seinen vielfach geforderten Rücktritt auch mit der Begründung ab, er habe nichts unterschrieben. Einen Amtsverzicht aus politischer Verantwortung, wie ihn Bundespräsident Christian Wulff nahegelegt hatte, wies er von sich. Noch beim offiziellen Neujahrsempfang der Stadt Duisburg erwähnte er die Toten mit keinem Wort und begründete dies anschließend damit, dass er seine Rede nicht selbst geschrieben habe.

Am Dienstag erklärte Adolf Sauerland, er stehe „voll und ganz“ hinter seinen Mitarbeitern und sei überzeugt, alle im Rathaus hätten „nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und keine Amtspflichten verletzt“.

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