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Panorama 2,3-Meter-Tsunami durch die Stadt Talcahuano gerollt
Nachrichten Panorama 2,3-Meter-Tsunami durch die Stadt Talcahuano gerollt
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21:31 27.02.2010
Das Erdbeben hatte eine Stärke von 8,8. Quelle: dpa
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Nach einem schweren Seebeben der Stärke 8,8 sind an der chilenischen Küste mindestens elf Städte von einem Tsunami überrollt worden. Die 2,3 Meter hohe Flutwelle traf am Samstagmorgen wenige Minuten nach dem Erdstoß unter anderem die Stadt Talcuhuano nördlich von Concepción, wie das US-Tsunami-Warnzentrum für den Pazifik (NOAA) bekanntgab. Bei dem Beben kamen mindestens 122 Menschen ums Leben.

Der schwere Erdstoß ereignete sich nach Angaben der US-Erdbebenwarte (USGS) um 03.34 Ortszeit (07.34 Uhr MEZ) vor der chilenischen Küste im Pazifik. Das Epizentrum lag demnach in 35 Kilometern Tiefe etwa 115 Kilometer nordöstlich der 400. 000-Einwohner-Stadt Concepción. Laut der US-Erdbebenwarte wurden das Zentrum und der Süden Chiles durch mindestens 20 Nachbeben mit einer Stärke von bis zu 6,9 erschüttert. Mindestens 122 Menschen seien gestorben, teilte der im Januar gewählte Präsident Sebastián Piñera mit, der am 11. März sein Amt antritt.

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Die durch das Beben ausgelöste Flutwelle überquert nach Angaben des US-Meteorologen Eric Lau den gesamten Pazifischen Ozean. Vermutlich werde der Tsunami an der japanischen Küste mit etwa 30 Zentimeter hohen Wellen auslaufen. Das US-Tsunami-Warnzentrum löste Alarm für weite Teile der Pazifikregion aus, darunter dutzende Länder wie Japan, Australien, Neuseeland und die Philippinen. Ein Erdbeben dieser Stärke habe das „Potenzial eines zerstörerischen Tsunamis“, teilte das Zentrum mit. Auf Hawaii ertönten am frühen Morgen die Sirenen, um die Bewohner vor einem Tsunami zu warnen.

Das Erdbeben war noch in der 400 Kilometer nördlich von Concepción gelegenen Hauptstadt Santiago de Chile deutlich zu spüren. Häuser schwankten, die Stromversorgung brach zusammen, Telefon und Internet funktionierten nicht. Im Fernsehen waren Bilder von eingestürzten Mauern, beschädigten Gebäuden, mit Trümmern übersäten Straßen und einem abgesackten Autobahnzubringer zu sehen. Alte Kirchen und der Flughafen von Santiago wurden zum Teil schwer beschädigt. Die Erde bebte, als sich noch viele Menschen in Diskotheken oder anderen Lokalen aufhielten. Die meisten wurden im Schlaf überrascht, viele rannten in Panik in ihren Schlafanzügen ins Freie.

Staatspräsidentin Michelle Bachelet kündigte sofortige Hilfe für die überschwemmte Robinson-Crusoe-Insel an. Zwei Schiffe, zwei Hubschrauber und ein Flugzeug seien unterwegs zu dem 700 Kilometer vor der chilenischen Pazifikküste gelegenen Eiland, erklärte Bachelet. Auf der Robinson-Crusoe-Insel wohnen rund 600 Menschen. Die Marine begann zugleich, Teile der rund 3000 Kilometer vom chilenischen Festland entfernten Osterinsel zu evakuieren.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die US-Regierung drückten ihr Bedauern über die Naturkatastrophe aus. Die EU gab drei Millionen Euro an Soforthilfen frei. Nach Angaben von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sollte am Abend ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks nach Chile aufbrechen.

Die jetzt betroffene Region wurde bereits früher von Erdbeben heimgesucht. 1939 wurde der etwa hundert Kilometer von Concepción entfernte Ort Chillan zerstört. Etwa 28.000 Menschen kamen damals ums Leben. In Südostasien kamen bei einem Tsunami am zweiten Weihnachtstag 2004 mehr als 220.000 Menschen ums Leben. Bei einem verheerenden Erdbeben in Haiti starben im Januar mehr als 200.000 Menschen.

dpa