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Panorama 2,7 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner kommen aus Peine
Nachrichten Panorama 2,7 Millionen Schoko-Weihnachtsmänner kommen aus Peine
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07:38 30.11.2010
Jürgen Rausch, Unternehmenschef der Firma Rausch, im Verkaufsraum seines Unternehmens in Peine. Quelle: dpa
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In den Verkaufsregalen der Supermärkte stehen die süßen Männer mit den langen Bärten schon längst in Reih und Glied. Doch wird in den Schokoladenfabriken noch immer Nachschub produziert. Zumindest die Firma Rausch in Peine produziert Schoko-Weihnachtsmännern noch bis kurz vor dem Fest. Erst im neuen Jahr laufen entgegen landläufiger Meinung dann die Osterhasen vom Fließband. In Peine werden in diesem Jahr rund 2,7 Millionen Weihnachtsmänner produziert, berichtet Unternehmenschef Jürgen Rausch.

Das ist allerdings nur ein kleiner Marktanteil. In Deutschland werden in diesem Jahr insgesamt 147 Millionen Weihnachtsmänner und Nikoläuse hergestellt, schätzt der Bundesverband der Süßwarenindustrie. Ein Viertel davon wird exportiert.

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Die Rausch-Männer sind nicht nur klein, sondern auch fein: Sie bestehen aus Edelkakao und sind innen nie hohl. „Wir verwenden für unsere Schokoladen nur Edelkakao, wir sind der größte Verarbeiter von Edelkakao in Europa“, stellt Jürgen Rausch fest, der das traditionsreiche Familienunternehmen in der vierten Generation führt.

Eine hohe Produktqualität und ein konsequentes Marketing haben Rausch in den vergangenen Jahren ein kräftiges Wachstum gebracht. Seit 2005 hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt. In diesem Jahr erwartet Jürgen Rausch ein Umsatzplus von zehn Prozent auf rund 110 Millionen Euro. Das ist weit mehr als die Branche, die nach Verbands-Angaben eher stagniert. Rausch beschäftigt in saisonalen Spitzenzeiten an den beiden Standorten Peine und Berlin bis zu 650 Mitarbeiter. In Berlin betreibt Rausch das nach eigenen Angaben größte Schokoladenkaufhaus der Welt.

Vor elf Jahren hat sich der Unternehmer die Marke Plantagenschokolade europaweit schützen lassen. Dahinter steckt eine richtige Schokoladenphilosophie. Nach vielen Reisen und vielen Tests wählte Rausch damals acht Kakaoplantangen in acht Ländern als künftige Lieferanten aus - alle liegen dicht am Äquator (dort gedeiht Kakao am besten), aber abseits der westafrikanischen Kakao-Hauptproduzenten. Rauschs Edelkakao kommt etwa aus Papua-Neuguinea, aus Madagaskar oder aus Tobago. Jede Sorte und jede Anbauregion habe - wie beim Wein - ihren eigenen Geschmack, erläutert Rausch. Es gebe beim Edelkakao allein 700 verschiedene Aromen.

Rausch macht den Kakaobauern vor Ort klare Vorschriften, was Bodenbeschaffenheit und Anbau betrifft, und kontrolliert das auch. Rausch: „Beide Seiten profitieren davon. Die Bauern bekommen von mir viermal höhere Preise als über den üblichen Handelsweg. Wir können mit einer sicheren Versorgung und relativ stabilen Preisen kalkulieren.“ So sei man völlig unabhängig von den spekulationsbedingten hektischen Preisschwankungen am internationalen Kakaomarkt.

Rausch bietet nur noch acht Schokoladensorten an - für jede Plantage eine, gestaffelt nach prozentualen Kakaoanteilen und durchweg ohne Füllungen. Dazu gibt es für jede Sorte nur drei Verpackungsformate: eingewickelte kleine Stückchen, Sticks („die habe ich erfunden“) und Tafeln. Es gebe einen deutlichen Trend zur Bitterschokolade, berichtet Rausch. Die mache bereits die Hälfte des Absatzes aus. Dieser Trend werde von Frauen gesetzt, die deutlich mehr Schokolade essen als Männer. Mit Blick auf die weiblichen Kunden hat Rausch nun auch sein Tafelformat umgestellt: Es gibt keine dicken Tafeln mehr, sondern nur noch flache 100-Gramm-Tafeln. Im übrigen verteile sich der Umsatz gleichmäßig auf alle Sorten und Formate - was Rausch als Bestätigung seiner Marketingstrategie betrachtet.

Rauschs Plantagenschokolade wird inzwischen in 29 Ländern verkauft, von Österreich bis in die USA oder Japan. China sei für ihn noch kein Thema, meint Rausch: „Die Chinesen müssen erst einmal auf den Schokoladengeschmack kommen.“

dpa