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Panorama 27-Jährige gesteht Mordversuche mit Insulinspritzen
Nachrichten Panorama 27-Jährige gesteht Mordversuche mit Insulinspritzen
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10:28 15.03.2011
Für die Mordversuche mit Insulinspritzen muss sich eine 27-Jährige Frau vor Gericht verantworten.
Für die Mordversuche mit Insulinspritzen muss sich eine 27-Jährige Frau vor Gericht verantworten. Quelle: Michael Thomas (Archiv)

Der Fall klingt wie aus einem schlechten Krimi. Eine Frau will ihren 44 Jahre älteren Ehemann töten. Weil das seit einem Schlaganfall pflegedürftige Opfer zuckerkrank ist, verabreicht ihm die 27-Jährige überdosierte Insulininjektionen. Und auch der Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht Braunschweig war filmreif. Nachdem die Angeklagte die Vorwürfe zunächst zugegeben hatte, widerrief sie ihr Geständnis später überraschend.

Noch am Morgen hatte sie in aufgekratztem Plauderton erklärt: „Das Zusammenleben mit meinem Mann war wegen seiner Launen unerträglich geworden. Deshalb wollte ich ihn umbringen.“ Ihr Mann habe sich wegen der Folgen seines Schlaganfalls vorübergehend in eine Pflegeeinrichtung begeben.

Nach seiner Rückkehr sei er „einfach unausstehlich“ gewesen. Zweimal habe sie ihm viel zu hohe Insulindosen verabreicht, „damit er in ein Koma fällt und stirbt“. Beide Male bemerkte der 71-Jährige die Unterzuckerung und milderte sie mit Cola und Marmeladenbroten. Da habe sie sich selbst angezeigt, „um die Strafe für mein Tun zu erhalten“.

Bei ihren Ausführungen hatte sich die 27-Jährige allerdings in Widersprüche verstrickt. Von Oberstaatsanwältin Kisten Stang darauf angesprochen, erklärte die Beschuldigte plötzlich, es habe gar kein Tötungsversuch stattgefunden. Sie habe sich die Geschichte „nur ausgedacht, um von meinem Mann loszukommen“.

Sicher scheinen so bisher lediglich einige Fakten über die Ehe des ungleichen Paares. Die 27-Jährige hatte den Rentner kennengelernt, als dessen schwerkranke Ehefrau noch lebte. Sie hatte bei der Versorgung des Paares geholfen.

Als die Frau des 71-Jährigen starb, zog die Angeklagte mit ihm zusammen. „Erst war das eine Wohngemeinschaft, dann haben wir geheiratet“, erklärte die gelernte Hauswirtschafterin. Sexualität habe keine Rolle gespielt. „War es etwa so, dass er nicht konnte und Sie nicht wollten?“, hakte der Vorsitzende Richter Wilfried Knieriem nach. „Genau“, antwortete die Beschuldigte.

Im September hatte sich die Angeklagte angezeigt. Seither sitzt sie in Untersuchungshaft. Dort gehe es ihr gut, versicherte sie: „Ich habe Arbeit und kann mit der Psychologin reden. Mein Leben ist stabil geworden.“ Die Verhandlung wird am morgigen Mittwoch fortgesetzt.

Jens Krone