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Panorama 50Tote nach Orkantief - Bahnverkehr lahmgelegt
Nachrichten Panorama 50Tote nach Orkantief - Bahnverkehr lahmgelegt
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19:46 28.02.2010
Das Sturmtief „Xynthia“ hat in großen Teilen Süd- und Westdeutschlands den Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt. Quelle: dpa
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Das Sturmtief „Xynthia“ sorgt für Chaos in Europa und in Westdeutschland, wo der Bahnverkehr lahmgelegt wurde. In Frankreich, wo es viele Tote gab, brachte „Xynthia“ das schwerste Unwetter seit mehr als zehn Jahren. Für eine Million Menschen fiel der Strom aus.Unter den Toten waren zwei Deutsche, die am Sonntag von umstürzenden Bäumen erschlagen wurden. Nahe der baden-württembergischen Gemeinde Feldberg wurde ein Mann in seinem Auto durch einen umstürzenden Baum erschlagen, wie die Polizei mitteilte. Seine Frau wurde schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht. Im nordrhein-westfälischen Bergheim wurde nach Polizeiangaben eine Joggerin von einem Baum erschlagen.

Viele Straßen Baden-Württembergs waren von entwurzelten Bäumen blockiert, auch die Autobahn 5 war betroffen. Auf dem Frankfurter Flughafen wurden bereits am frühen Nachmittag 22 Starts und Landungen gestrichen. Es gab zahlreiche Verspätungen. Wegen zerborstener Glasscheiben musste auch der Fernbahnhof am Flughafen vorrübergehend gesperrt werden. In Rheinland-Pfalz und im Saarland richtete das Sturmtief ebenfalls erhebliche Schäden an.In Landau wurde eine Frau sehr schwer verletzt, als der Sturm ein Eisentor aus der Verankerung riss, das sie gerade schließen wollte. Am stärksten wütete der Sturm in der Eifel und im Hunsrück. Auch dort waren zahlreiche Straßen wegen entwurzelter Bäume gesperrt. „Die Bäume knicken um wie die Streichhölzer“, hieß es beim Lagezentrum in Mainz. Mancherorts fiel der Strom aus.

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Wegen des Sturms ist am Sonntag bei Frankfurt/Main die A3, eine der zentralen Autobahnverbindungen in Deutschland, komplett gesperrt worden. Von einer Baustelle am Flughafen seien Fassadenteile, Werbeplakate und Baumaterial auf die Autobahn geweht worden, sagte eine Polizeisprecherin in Frankfurt. Die Autobahn, die von Köln nach Würzburg führt, sei deshalb um 14.30 Uhr bei Kelsterbach bis auf weiteres ganz gesperrt worden. Der Verkehr wird weiträumig umgeleitet. „Die Sperrung wird wieder aufgehoben, wenn der Sturm vorbei ist“, sagte die Polizeisprecherin. In Frankfurt selbst sei die Polizei bereits zu mehr als 100 Einsätzen ausgerückt. „Ich habe noch nie so viele umgeknickte Bäume in Frankfurt gesehen.“

In Portugal und Nordspanien hatte sich „Xynthia“ zuerst ausgetobt. Dort hatten die Orkanböen in der Nacht Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern erreicht. In Spanien starben zwei Männer, als ihr Auto gegen einen umgestürzten Baum prallte. Eine 82-jährige Frau wurde von einer umstürzenden Mauer erschlagen. Im Norden Portugals tötete ein abbrechender Ast einen zehnjährigen Jungen.

Nach Angaben des französischen Zivilschutzes kamen allein in Frankreich 45 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen im westlichen Département Vendée, wo es starke Überschwemmungen gab. Viele der Opfer ertranken oder wurden von herumfliegenden Gegenständen erschlagen, zahlreiche Bäume stürzten um. Im ganzen Land rückte die Feuerwehr zu rund 25.000 Einsätzen aus. Regierungschef François Fillon sprach von einer „nationalen Katastrophe. Ein junger Mann wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen. An der Atlantikküste ertranken mehrere Menschen. In zahlreichen Orten in der Nähe von La Rochelle stand das Wasser bis zu 1,50 Meter hoch in den Straßen, Menschen retteten sich auf die Häuserdächer. Air France strich etwa 70 von insgesamt 700 Flügen, die am Sonntag auf dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle starten oder landen sollten. In den Pyrenäen stürzten Felsbrocken auf die Straßen. Die Grenze zu Spanien wurde zeitweise geschlossen.

Ein schwerer Sturm hat am Wochenende über Südwesteuropa gewütet.

Sturmtief „Xynthia“ legt Bahnverkehr lahm

Das Sturmtief „Xynthia“ hat in großen Teilen Süd- und Westdeutschlands den Bahnverkehr weitgehend lahmgelegt. Bundesweit komme es zu Verspätungen, Zugausfällen und Streckensperrungen durch Äste in den Oberleitungen und umgefallene Bäume, teilte die Deutsche Bahn AG am Sonntag auf ihrer Internetseite mit. Der Regionalverkehr im Saarland wurde komplett und in Rheinland- Pfalz vorsorglich fast ganz eingestellt. Vorübergehend wurden der Hauptbahnhof Frankfurt/Main und der Bahnhof Frankfurt-Flughafen gesperrt. Die ICE-Züge werden weiträumig um Frankfurt herumgeleitet. Die Sperrung sollte bis etwa 18.00 Uhr gelten.

Auch im Raum Stuttgart gab es Behinderungen. Dort war vor allem der Fernverkehr betroffen. Ein Ersatzverkehr könne aufgrund des Sturmes und der Straßenverhältnisse nicht eingerichtet werden, teilte die Bahn am Nachmittag weiter mit. Sie empfahl, geplante Reisen zu verschieben.

Wetterdienst warnt

Orkantief „Xynthia“ kann noch bis Montagmorgen in Hessen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland sowie einigen anderen Bundesländern erhebliche Schäden anrichten. Der Deutsche Wetterdienst in Offenbach (DWD) warnte die Menschen davor, in den Wald zu gehen. Dies könne bei kräftigem Sturm wegen der zahlreichen abknickenden Äste lebensgefährlich sein. Entwurzelte Bäume, herabstürzende Dachziegel und umherfliegende Gegenstände könnten verbreitet schwere Schäden an Gebäuden verursachen, warnte der DWD. Bewegliche Sachen sollten nicht draußen liegen gelassen werden.

„Einen Teil Westdeutschlands erwischt es in der gleichen Stärke wie Frankreich“, sagte DWD-Meteorologe Peter Hartmann. Dies gelte insbesondere für das Saarland, den Westen von Rheinland-Pfalz und den Süden von Nordrhein-Westfalen und Hessen. „Wer nicht Auto fahren muss, sollte es besser vermeiden.“ Die Orkanstärke werde sich zwar über der Mitte Deutschlands abschwächen, dennoch sei „Xyntiha“ ein Sturmtief, „wie man es nicht jedes Jahr hat“.

In den Alpen sowie in den Mittelgebirgen West- und Süddeutschlands sind teils orkanartige Böen und Orkanböen von 110 bis 130 Kilometern pro Stunde zu erwarten, ebenso in den Höhenlagen des Harz. Westlich des Rheins muss mit orkanartigen Böen mit Tempo 115 bis in tiefe Lagen gerechnet werden.

dpa/afp