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Panorama ARD-Wetterexperte Jörg Kachelmann will kämpfen
Nachrichten Panorama ARD-Wetterexperte Jörg Kachelmann will kämpfen
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20:00 23.03.2010
Von Imre Grimm
ARD-Wetterexperte Jörg Kachelmann Quelle: dpa
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Er war am Sonnabend auf dem Flughafen Frankfurt festgenommen worden. Am heutigen Mittwoch um 10.30 Uhr hat er einen Termin beim Haftrichter – und will erstmals selbst Stellung nehmen.

Über seinen Medienanwalt Ralf Höcker und seinen Strafverteidiger Reinhard Birkenstock ließ Kachelmann die Anschuldigungen gestern erneut als „frei erfunden“ zurückweisen. „Jörg Kachelmann ist unschuldig. Er hat die ihm vorgeworfene Tat nicht begangen“, schrieben die Kölner Anwälte auf ihrer Webseite. „Insbesondere wird er nicht der Unsitte folgen, nun eine mediale Schlammschlacht zu beginnen, denn hierunter würden alle Beteiligten nur noch zusätzlich zu leiden haben.“ Kachelmann werde sich heute gegenüber Staatsanwaltschaft und Gericht „umfassend“ zu den Vorwürfen äußern.

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Der Anwalt des angeblichen Opfers dagegen, Thomas Franz, erneuerte die Vorwürfe seiner Mandantin. „Die Verletzungen und die Vergewaltigung wurden bei einer Untersuchung in der Gerichtsmedizin festgestellt“, sagte er. Die Frau leide stark unter den „Vorkommnissen – schließlich war sie acht Jahre lang Kachelmanns feste Lebenspartnerin“.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft besteht dringender Tatverdacht gegen den prominenten ARD-Mann. Es lägen genügend Indizien vor, um die Untersuchungshaft rechtfertigen zu können, sagte gestern ein Sprecher. „Wir warten jetzt ab, was von seiner Seite vorgetragen wird.“ Der Richter muss prüfen, ob Kachelmann beispielsweise gegen Kaution oder Auflagen auf freien Fuß gesetzt werden kann.

Kachelmanns Anwalt Höcker gilt als äußerst „medienerfahren“. Der 38-jährige Jurist trat mehrfach in „Akte“ und bei „Kerner“ in SAT.1 auf, moderiert bei RTL mit Andrea Kiewel gelegentlich „Einspruch! Die Show der Rechtsirrtümer“ und vertrat neben Kachelmann bereits den argentinischen Fußballstar Lionel Messi, Heidi Klum und die RTL-Moderatorin Tine Wittler.

Auf allen Kanälen war Kachelmanns Inhaftierung am Montag ein wichtiges Thema – nur sein Muttersender selbst, die ARD, schwieg zu den Vorwürfen gegen eines ihrer populärsten Gesichter. In der „Tagesschau“ am Montag wurde der Fall Kachelmann mit keinem Wort erwähnt. Der Chefredakteur von „ARD aktuell“, Kai Gniffke, verteidigte die Entscheidung: „Diese Promi-Krimi-Vorwurf-Mixtur hat in der ,Tagesschau‘ im jetzigen Stadium nichts verloren“, schrieb er im „Tagesschau“-Blog. „Über die Schwere des in Rede stehenden Delikts dürfte es ja wohl auch keine Diskussion geben. Aber was, wenn sich Kachelmanns Unschuld herausstellt?“ Dabei könne der Wettermann nach der bisherigen Berichterstattung „doch jetzt schon einpacken“. Viele Zuschauer kritisierten das Schweigen der „Tagesschau“ als „verlogen“ und „selbstherrlich“. Die ARD-Hörfunksender und -Boulevardmagazine wie „Brisant“ hätten schließlich umfangreich berichtet.

Die Frage, ob das Informationsinteresse der Öffentlichkeit im Fall Kachelmann schwerer wiegt als das Persönlichkeitsrecht des Tatverdächtigen, beschäftigt inzwischen die deutschen Medienrechtler. Udo Branahl, Professor für Medienrecht an der Universität Dortmund, hält es nach derzeitigem Kenntnisstand für gerechtfertigt, dass die Medien mit Nennung von Kachelmanns Namen über den Fall berichten: „Die Öffentlichkeit erwartet Antworten.“ Entscheidend sei, dass offenbar ein Haftbefehl vorliege und damit „ein hinreichender“ Tatverdacht bestehe. Anders sei der Fall bei seiner nicht prominenten angeblichen Exfreundin. Ihren Namen zu nennen hielte Branahl für unzulässig.

Bis Sonntag vertritt Claudia Kleinert (40) ihren Chef beim Wetter nach den „Tagesthemen“ in der ARD. Über den Moderationsplan der kommenden Woche sei noch nicht entschieden, hieß es bei der ARD. Darüber hinaus wollte man die Vorgänge rund um Kachelmann mit keinem Wort kommentieren.

23.03.2010
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