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Panorama „Abwrackprämie“ zum Wort des Jahres gewählt
Nachrichten Panorama „Abwrackprämie“ zum Wort des Jahres gewählt
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22:15 18.12.2009
2009 in aller Munde: Die Abwrackprämie für alte Fahrzeuge.
2009 in aller Munde: Die Abwrackprämie für alte Fahrzeuge. Quelle: afp
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Das Wort des Jahres hat acht Konsonanten und – je nach Zählweise – fünf oder sechs Vokale. Die Konsonanten kommen meist in Gruppen vor: „bwr“ und „ckpr“ das „m“ steht allein. Es ist ein hässliches Wort. Aber es bezeichnet auch einen hässlichen Umstand. „Abwrackprämie“ heißt das Wort des Jahres. Schön ist das Wort nicht, und auch die anderen Worte, die es in die Endauswahl geschafft haben, sind nicht so schön wie etwa Rhabarbermarmelade, Libelle oder Kantilene.

Die Gesellschaft für deutsche Sprache, die seit 1978 jährlich ein Wort zum Wort des Jahres ausruft, hat in diesem Jahr eine Liste von zehn Favoriten zusammengestellt. Alle Worte sollen typisch für das Jahr sein – und wenn man sich die Worte anschaut, weiß man, dass 2009 kein gutes Jahr war: „Kriegsähnliche Zustände“ (so die Bezeichnung für die Situation in Afghanistan, die Krieg zu nennen man sich scheute) stehen auf dem zweiten Platz. Ihnen folgen „Schweinegrippe“, „Bad Bank“, „Weltklimagipfel“ und „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Ein Verb befindet sich auch unter den ausgesuchten Wörtern; „twittern“ hat es auf Platz sieben geschafft. Im gleichnamigen Onlinedienst war die Wortwahl denn auch gleich ein viel diskutiertes Thema. Die Meinungen zu „Abwrackprämie“ reichten von „Mein Wort des Jahres 2009 ist Schnuffelpuffel“ bis: „Es gab mal eine Zeit, da wäre „Abwrackprämie“ nicht das WORT, sondern das UNWORT des Jahres geworden!“

Unwort des Jahres kann „Abwrackprämie“ nicht mehr werden, denn das wird erst Ende Januar verkündet.

Ein Fachmann für Wörter als auch für Unwörter ist der Künstler Tim Ulrichs aus Hannover. In einem Gymnasium in Berlin steht seine Lichtinstallation „,Wörter und Unwörter des Jahres‘ – Ein Sprach- und Lichtspiel“. Ulrichs, dem aufgefallen ist, dass Worte und Unworte kaum noch zu unterscheiden sind, kann mit „Abwrackprämie“ wenig anfangen: „Ich habe kein Auto und keinen Führerschein, daher habe ich vom Wort und von der Einrichtung noch keinen Gebrauch gemacht.“ Das Jahrwort hat auf ihn eine eher unangenehme Wirkung: „Das ist doch typisch deutsch, immer so aufs Geld zu gucken, kaum gibt es Rabatte oder Prämien, schon wird’s genommen – egal, ob es am Ende teurer ist.“

Von Ronald Meyer-Arlt