Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Acht inhaftierte US-Baptisten kehren aus Haiti zurück
Nachrichten Panorama Acht inhaftierte US-Baptisten kehren aus Haiti zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:05 18.02.2010
Drew Culberth, Mitglied der US-Baptistengruppe, verlässt das Gefängnis in Port au Prince, Haiti. Quelle: dpa
Anzeige

Acht der zehn unter dem Verdacht der Kindesentführung stehenden US-Baptisten wieder frei. Sie waren drei Wochen lang in Haiti in haftiert. Als die acht Baptisten nach 19 Tagen Haft im Kleinbus zum Flughafen von Port-au-Prince gefahren wurden, wirkten sie müde und niedergeschlagen. Ihre erste Nacht in Freiheit verbrachten sie dann in einem Flughafenhotel von Miami.

Richter Bernard Saint-Vil in Port-au-Prince hatte zuvor die vorläufige Freilassung der acht Männer und Frauen angeordnet. Nach Angaben eines ihrer Anwälte mussten sie keine Kaution hinterlassen. Dies bedeute jedoch nicht, dass sie unschuldig seien, erklärte der haitianische Sicherheitsminister Claudy Gassant. Sie müssten damit rechnen, im weiteren Verlauf des Verfahrens nach Haiti zurückzukehren. Der frühere haitianische Justizminister Louis Gary Lissade, der ebenfalls die Baptisten vertritt, geht nach eigenen Worten allerdings davon aus, dass die Vorwürfe bald fallengelassen werden.

Anzeige

Die Leiterin der Gruppe, Laura Silsby, sowie ihre Vertraute Charisa Coulter blieben zur weiteren Befragung in Haft. Nach Angaben ihres Anwalts will der Richter von ihnen wissen, warum sie schon vor dem Erdbeben vom 12. Januar nach Haiti gereist und dort ein Waisenhaus besucht hatten. Silsby betreibt demnach selbst ein Waisenhaus in der Dominikanischen Republik. Sie ist nach Angaben ihres Anwalts im Gefängnis erkrankt und wird medizinisch behandelt - offenbar leidet sie unter Diabetes.

Die zehn Baptisten waren Ende Januar bei dem Versuch festgenommen worden, 33 Kindern im Alter zwischen zwei Monaten und 14 Jahren über die Grenze in die Dominikanische Republik zu bringen. Die christlichen Missionare gaben an, bei ihren Schützlingen handle es sich um Waisen, doch stellte sich rasch heraus, dass etliche Kinder noch Angehörige hatten. Einige Eltern sagten später vor Gericht aus, sie hätten ihre Kinder freiwillig weggegeben, weil sie sich nach der Katastrophe nicht mehr um sie kümmern konnten und auf eine bessere Zukunft für sie hofften. Vor Journalisten versicherten Angehörige, ihnen sei gesagt worden, dass die Kinder im Nachbarland eine Schulde besuchen würden. Kurz vor Bekanntwerden des Falls hatten Hilfsorganisationen noch vor Menschenhandel gewarnt.

Angehörige der Baptisten reagierten erleichtert auf die Freilassung. „Es war schrecklich, aber wir haben Gott vertraut“, sagte Phyllis Allison, die Mutter von Baptisten-Mitglied Jim Allen, dem Nachrichtensender CNN. Ihr Sohn habe nach dem Erdbeben beim Wiederaufbau Haitis mitwirken wollen. „Er wollte einfach nur helfen“, sagte sie.

Bei dem schweren Erdbeben am 12. Januar wurden die Hauptstadt Port-au-Prince und weitere Gebiet weitgehend zerstört. Mindestens 217.000 Menschen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben, mehr als eine Millionen Menschen wurden obdachlos.

afp