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11:01 21.03.2014
Hauptsache Bart: Junge Städter folgen dem neuen Trend –  zur Not mithilfe eines Arztes. Quelle: Hannibal Hanschke
New York

Vorbei sind die Zeiten, in denen Vollbärte allenfalls die Gesichter alternder Studienräte und bärbeißiger Seeleute zierten. Eine üppige Gesichtsbehaarung gehört heute zu den Erkennungszeichen der Hipster-Szene, jener urbanen Subkultur, in der sich junge Menschen im beginnenden 21. Jahrhundert mit leicht ranziger Retro-Kleidung als Gegenpol zum Mainstream feiern.

Doch nicht bei jedem männlichen Hipster wollen die Stoppeln bis zur gewünschten Form sprießen. In New York, der Hipster-Hauptstadt der Welt, eröffnet sich dadurch ein ganz neuer Markt für die Schönheitschirurgie. Die Praxis von Dr. Jeffrey Epstein liegt in Manhattan, er gilt als Experte für Haartransplantationen. Seine Hauptkundschaft sind eigentlich gesetztere Herren, die dem fortschreitenden Rückzug ihres Haupthaares den Kampf ansagen wollen. Neuerdings aber hat er ungewohnten Zulauf. „30 bis 35 Prozent sind diese Jungs im Alter von 26 bis 40 Jahren, die in die Kategorie des Hipsters passen“, sagt Epstein. Statt drohender Glatze plagt diese Patienten ihr dünner Flaum im Gesicht.

Rund 8000 Dollar (umgerechnet etwa 5800 Euro) hat Danny Higuera für seinen Traum vom Vollbart ausgegeben. Der 26-jährige New Yorker, der sein eigenes Bauunternehmen führt, legte sich bei Dr. Epstein unters Messer. „Einige Leute mögen lange Haare, andere mögen kurze Haare, ich wollte einfach nur einen schönen Bart“, sagt er. Außerdem sei der Vollbart derzeit angesagt.

Über Jahrhunderte galt Gesichtsbehaarung in vielen Kulturen auf der ganzen Welt als Zeichen der Männlichkeit. Mit der Zeit kam der Vollbart aber aus der Mode, das Idealbild des metrosexuellen Mannes beinhaltete vor einigen Jahren sogar die Ganzkörperenthaarung. Mittlerweile hat sich der Trend gedreht. Einige Männer aber haben genetisch bedingt nur wenig oder gar kein Bartwachstum. Andere Patienten bei Epstein ließen sich unter dem metrosexuellen Modediktat das Gesichtshaar weglasern – und bereuen diesen Entschluss nun.
Die Kunden der New Yorker Schönheitschirurgen kommen nicht nur aus der Ostküstenmetropole oder den USA. Auch aus Großbritannien oder sogar Australien fliegen sie ein, um Wangen und Kinn aufzuforsten. „Diese Jungs strömen nur so herein. Sie beklagen sich, dass sie entweder so gut wie keinen Bart oder bartfreie Stellen haben“, sagt Dr. Yael Halaas, deren Praxis direkt an der edlen Park Avenue liegt.

Vier bis fünf Patienten für eine Gesichtshaartransplantation sieht Halaas pro Woche. „Vor einem Jahrzehnt waren es vielleicht zehn pro Jahr“, sagt die Ärztin. „Viele meiner neuen Patienten sind zwischen 20 und 40 Jahre alt, sie sind eher hippe New Yorker mit einem Auge für das ästhetische Detail.“

Jennie Matthew

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