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Panorama Amokfahrer rast absichtlich in Maifeier
Nachrichten Panorama Amokfahrer rast absichtlich in Maifeier
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20:06 02.05.2010
Von Karl Doeleke
Großeinsatz: Sechs Notärzte und die Besatzungen von 14 Rettungs- und acht Feuerwehrwagen kümmerten sich am Sonnabend um die Verletzten.
Großeinsatz: Sechs Notärzte und die Besatzungen von 14 Rettungs- und acht Feuerwehrwagen kümmerten sich am Sonnabend um die Verletzten. Quelle: dpa
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Die 19-Jährige liegt weiter auf der Intensivstation einer neurologischen Spezialklinik in Oldenburg, wird nach Angaben der Ärzte vom Sonntag aber überleben. Sie war im Rettungshubschrauber mit schweren Schädelverletzungen in das Krankenhaus geflogen worden.

Der Litauer und sein Beifahrer waren zunächst geflüchtet, konnten von der Polizei aber bald gestellt werden. Nach Angaben einer Polizeisprecherin in Cloppenburg wurden bei dem 19-Jährigen 2,1 Promille Alkohol gemessen. Er sitzt seit Sonntagmittag in Untersuchungshaft, wie die Polizei gestern mitteilte. Die Staatsanwaltschaft hatte Haftbefehl wegen versuchten Totschlags beantragt.

Laut Polizeibericht waren die Fußgänger am Sonnabendvormittag auf einer Gemeindestraße unterwegs zu einer Maifeier in einem beliebten Ausflugslokal an der Thülsfelder Talsperre gewesen. Zum traditionellen „Frühtanz“ in dem Lokal in Thüle pilgern am Tag der Arbeit regelmäßig Hunderte vor allem junge Menschen aus der Umgebung. Auf der engen Straße befanden sich laut Polizei zum Unfallzeitpunkt etliche Fußgänger und Fahrradfahrer, zum Teil mit Bierkästen und weiteren Getränken, die sie in Bollerwagen verstaut hatten. Die feuchtfröhliche Tour wurde jäh unterbrochen, als der 19-jährige Autofahrer die Gruppen auf dem Weg von Thüle nach Markhausen passieren wollte und von den Feiernden zunächst nicht vorbeigelassen wurde.

Daraufhin muss der Mann Gas gegeben haben. Nach Zeugenangaben kam es gegen zehn Uhr zu einem ersten Zusammenstoß mit einer Fußgängergruppe, bei dem einige Menschen verletzt wurden. Laut Polizeibericht hielt der Fahrer kurz, fuhr dann aber weiter. „Passanten versuchten noch, ihn zu stoppen“, sagte eine Sprecherin. Der 19-Jährige aber lenkte den BMW der 5er-Baureihe mit hohem Tempo in die zweite Gruppe. Dabei wurde unter anderem die junge Frau schwer am Kopf verletzt. Auch dieser Unfall konnte den Fahrer nicht stoppen, obwohl einige Zeugen die Fahrzeugtür aufgerissen und versucht hatten, den Zündschlüssel zu ziehen. „Der Fahrer konnte die Tür wieder schließen und gab erneut Gas“, schilderte die Polizeisprecherin den weiteren Verlauf. Er raste dann in die dritte Menschengruppe, wobei wiederum Passanten verletzt wurden.

Die drei Schwerverletzten zwischen 19 und 25 Jahren befinden sich ebenfalls im Krankenhaus. Zu der Art der Verletzungen konnte die Polizei gestern keine Angaben machen. Gegen den 19-jährigen Fahrer wird nun von der Staatsanwaltschaft Oldenburg unter anderem wegen versuchten Totschlags ermittelt.

Der BMW gehörte nicht dem 19-Jährigen. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg mitteilte, handelt es sich um ein Fahrzeug der Firma, in der der Mann angestellt ist. „Von Diebstahl ist aber keine Rede“, sagte der Sprecher.