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Panorama Amokläuferin von Lörrach erschießt ihre Familie
Nachrichten Panorama Amokläuferin von Lörrach erschießt ihre Familie
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15:52 20.09.2010
Amoklauf in Lörrach: Ein Sorgerechtsstreit könnte nach neuesten Erkenntnissen Auslöser für die Bluttat gewesen sein. Quelle: ap

Die Amokläuferin von Lörrach war eine 41-jährige Rechtsanwältin. Das teilte die Polizei am Montag mit. Das Motiv für die Bluttat lag zunächst weiter im Dunklen. Eine Regionalzeitung berichtete, es habe möglicherweise einen Sorgerechtsstreit gegeben.

Die Amokläuferin war Sportschützin und besaß legal mehrere Waffen. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa am Montag aus Polizeikreisen. Das erklärt auch, woher die 41-jährige Rechtsanwältin die Sportwaffe Kaliber 22 und die Munition für die Bluttat hatte.

Die Frau hatte am Sonntagabend in einem Mehrfamilienhaus in der Innenstadt ihren Mann und ihren fünfjährigen Sohn getötet und in der Wohnung eine Explosion ausgelöst. Als Einsatzkräfte eintrafen, flüchtete sie in eine benachbarte Klinik. Auf dem Weg schoss sie zwei Menschen an, im Krankenhaus tötete sie einen Krankenpfleger und verletzte einen Polizisten. Dann erschossen Beamte die Frau. Weitere Erkenntnisse sollten am Nachmittag auf einer Pressekonferenz (16.00 Uhr) in Lörrach bekanntgegeben werden.

Die 41-Jährige soll mit einer kleinkalibrigen Faustfeuerwaffe und einem Messer bewaffnet gewesen sein. In der Wohnung des getrennt von ihr lebenden Mannes habe es eine heftige Explosion gegeben, hieß es weiter. Diese sei von der Frau mit Hilfe eines Brandbeschleunigers ausgelöst worden. Die Wohnung wurde komplett verwüstet. Die Wucht der Detonation sei gewaltig gewesen, sagte der Einsatzleiter.

Der Mann und der Junge lebten gemeinsam in der Wohnung, die Frau nicht. Die Anwältin habe dort aber ihre Kanzlei gehabt. Der Fünfjährige sei am Sonntag bei der Mutter zu Besuch gewesen. Die „Badische Zeitung“ berichtete unter Berufung auf Nachbarn, die Frau habe mit dem Vater des Kindes offenbar einen Sorgerechtsstreit gehabt. Die Frau sei als schwierig und verbittert wahrgenommen worden.

Der Pfleger im Elisabethen-Krankenhaus erlitt Stichverletzungen und Kopfschüsse. Die Amokläuferin habe ihn ersten Ermittlungen zufolge nicht gezielt ausgewählt, sagte ein Polizeisprecher. „Wir gehen eher davon aus, dass es eine zufällige Begegnung war.“ Die Analyse dauere aber noch an. Der verletzte Polizist hat einen Kniedurchschuss. Die beiden ebenfalls schwer verletzten Passanten erlitten einen Rückendurchschuss sowie einen Streifschuss am Kopf. Lebensgefahr bestand bei keinem der Verletzten mehr.

Die Polizei erschoss die Amokläuferin im Flur des ersten Obergeschosses, in der gynäkologischen Abteilung. Zuvor hatte sie dort wild um sich gefeuert. „Durch ihr beherztes Eingreifen haben die eingesetzten Beamten Schlimmeres verhindert“, erklärte der baden- württembergische Landespolizeipräsident Wolf Hammann. Von der Explosion bis zum letzten Schuss seien nicht einmal 40 Minuten vergangen.

Aus dem brennenden Haus rettete die Feuerwehr sechs Erwachsene und ein Kind. 15 Bewohner mussten mit Rauchgasvergiftungen in Krankenhäuser gebracht werden. Insgesamt waren rund 300 Polizisten und Rettungskräfte im Einsatz. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, äußerte sich tief erschüttert über den Amoklauf: „Wir beten für die Opfer. Wir sind in Gedanken und unseren Gebeten bei den Verstorbenen, den Verletzten, den trauernden Angehörigen und Freunden sowie den Einsatzkräften von Polizei und Rettungsdiensten“, sagte der Freiburger Erzbischof. Die Oberbürgermeisterin von Lörrach, Gudrun Heute-Bluhm, äußerte sich ebenfalls geschockt über die Bluttat.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, zeigte sich erfreut, dass das Einsatzkonzept für Amokläufe sich in Lörrach bewährt habe. „Das schnelle und beherzte Eingreifen der baden-württembergischen Polizei in einer unübersichtlichen und chaotischen Situation hat möglicherweise weitere Opfer verhindert.“ Er forderte Personal für Kontrollen bei privaten Waffenbesitzern.

dpa

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