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Panorama Amoklauf löst neue Diskussion über Waffenrecht aus
Nachrichten Panorama Amoklauf löst neue Diskussion über Waffenrecht aus
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14:04 21.09.2010
Die Amokläuferin von Lörrach benutzte für ihre Tat eine Sportpistole. Das Bild der Polizei zeigt nicht die Tatwaffe, sondern eine Vergleichswaffe gleichen Typs. Quelle: dpa
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Nach dem Amoklauf von Lörrach fordern die Hinterbliebenen der Bluttat von Winnenden eine weitere Verschärfung des Waffenrechts. „Man muss die Waffen aus den Privathaushalten verbannen“, sagte Hardy Schober, Mitbegründer des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, am Dienstag am Rande des Stuttgarter Prozesses gegen den Vater des Amokläufers von Winnenden. Schober hatte damals seine Tochter verloren. „Die Amokläuferin in Lörrach war eine Sportschützin und war aus dem Schützenverein ausgetreten. Warum musste sie die Waffen nicht abgeben? Zumal sie psychisch labil war.“ Nichts spreche dagegen „Waffen zentral und gut gesichert aufzubewahren.“

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag erklärt, dass die Täterin in den 90er Jahren Mitglied in einem Schützenverein im nordbadischen Mosbach war. Dort sei sie aber nicht mehr Mitglied. Sie hatte zum Tatzeitpunkt Besitzkarten für vier Waffen. Der Deutsche Schützenbund bestätigte, dass die Täterin bereits 1996 aus dem Schützenverein ausgetreten sei, hat ihre Waffe aber behalten habe. „Dies wäre heute so nicht mehr möglich“, sagte Verbandssprecher Birger Tiemann am Dienstag.

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Seit 2003 müsse ein Schützenverein jeden Austritt der kommunalen Behörde melden. Diese prüfe dann, ob der Ausgetretene weiterhin ein berechtigtes „Bedürfnis“ habe, eine Waffe zu besitzen. Wenn ein Sportschütze nicht mehr regelmäßig im Verein schieße, müsse ihm die Waffe jetzt in der Regel abgenommen werden. Der Deutsche Schützenbund e.V. (DSB) ist nach eigenen Angaben der viertgrößte deutsche Spitzensportverband. Nahezu 1,5 Millionen Schützen sind Mitglieder in rund 15 000 Vereinen.

Auch der CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach wandte sich gegen Forderungen, die Aufbewahrung von Schusswaffen in Privatwohungen zu verbieten. Solch ein Verbot würde die innere Sicherheit nicht erhöhen, „sondern völlig neue Gefahrenquellen schaffen“, sagte Bosbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Dienstag. Wenn rund zehn Millionen legale Waffen in Deutschland in privaten Waffenarsenalen lagerten, müssten diese mit riesigem Aufwand bewacht werden. Ansonsten könne mit den Waffen nach einem gelungenen Überfall eine „Privatarmee“ ausgerüstet werden, warnte Bosbach.

dpa/afp

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