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Panorama Anne-Frank-Beschützerin Miep Gies gestorben
Nachrichten Panorama Anne-Frank-Beschützerin Miep Gies gestorben
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12:32 12.01.2010
Miep Gies half das jüdische Mädchen Anne Frank und ihre  Familie vor den Nazis zu beschützen.
Miep Gies half das jüdische Mädchen Anne Frank und ihre Familie vor den Nazis zu beschützen. Quelle: AP
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Anne-Frank-Beschützerin Miep Gies gestorben: Die alte Dame war die letzte Überlebende einer Gruppe von Menschen, die Anne Frank und ihrer Familie von 1942 bis 1944 halfen, sich in Amsterdam vor den Nazis zu verstecken.

Nach der Deportation der Familie Frank nahm Gies das Tagebuch des Mädchens an sich, das später in 70 Sprachen übersetzt und von Millionen Menschen gelesen wurde. Es gilt als eines der bewegendsten Zeitdokumente zur Judenverfolgung durch die Nazis. Anne Frank und ihre Schwester starben im Konzentrationslager Bergen-Belsen, ihr Vater Otto Frank kehrte nach dem Krieg aus dem Lager Auschwitz zurück. Ihm gab Miep Gies das Tagebuch, das sie sorgfältig aufbewahrt und vor den Nazis versteckt hatte.

Ihre Rolle als Helferin der verfolgten Juden wollte Gies nicht überschätzt wissen. „Ich bin keine Heldin“, sagte sie an ihrem 100. Geburtstag. „Ich hatte das nicht geplant, ich habe einfach getan, was ich konnte, um zu helfen.“

Gies wurde am 15. Februar 1909 in Wien geboren und kam als Elfjährige in die Niederlande. Seit 1933 arbeitete sie in der Handelsfirma von Otto Frank. Ab 1942 kümmerte sie sich um die vier versteckten Mitglieder der Frank-Familie und vier weitere Untergetauchte. Sie waren in einem geheimen Anbau an Franks Firma an der Prinsengracht untergebracht. Otto Frank war der einzige Überlebende dieser acht Verfolgten.

Unter dem Titel „Das Tagebuch der Anne Frank“ wurden die Aufzeichnungen des Mädchens 1947 zum ersten Mal veröffentlicht. Gies reiste durch die Welt und hielt Vorträge über die Folgen von Intoleranz und Antisemitismus. „Anne Frank hatte den Wunsch geäußert, nach dem Tode weiterzuleben. Miep Gies sah es als ihre Pflicht an, dies wahr werden zu lassen“, erklärte das Museum.

Vor zehn Jahren musste Gies ihre Aktivitäten nach einem Schlaganfall einstellen. Ihren Lebensabend verbrachte sie in ihrem Haus in Hoorn im Westen des Landes. Sie habe jeden Tag Briefe aus aller Welt bekommen, die nach ihrer Rolle im Leben von Anne Frank fragten, teilte das Museum mit. Für ihre Hilfe wurde Gies zu Lebzeiten von zahlreichen Ländern ausgezeichnet, darunter von den Niederlanden, Deutschland und dem Holocaust-Mahnmal Jad Vaschem in Israel. „Natürlich ist es schön, Anerkennung zu erfahren“, sagte Gies. „Aber ich habe nur meine Pflicht gegenüber Mitmenschen getan. Ich half bedürftigen Menschen. Das kann doch jeder, oder?“

AFP