Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Arzt von Michael Jackson soll in Haft
Nachrichten Panorama Arzt von Michael Jackson soll in Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:35 05.02.2010
Michael Jackson Quelle: dpa
Anzeige

Der 56-jährige Kardiologe muss nun vor Gericht. „Er wird sich heute stellen“, sagte Murrays Anwalt, Michael Flanagan, am Freitag der US-Zeitschrift „People“. „Ich rechne mit einer Anklage wegen fahrlässiger Tötung, worauf wir auf ,nicht schuldig‘ plädieren werden.“

Nach Informationen des Senders CNN sollte es für Murray am Nachmittag (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) vor Gericht in Los Angeles ernst werden. Murray hat stets seine Unschuld beteuert. Im vergangenen August, als die Ermittlungen wegen eines Tötungsdelikts gegen ihn bereits voll im Gang waren, meldete er sich erstmals öffentlich zu Wort. In einer einminütigen Videobotschaft versicherte der Arzt, er habe alles getan, was er konnte. „Ich habe die Wahrheit gesagt, und ich vertraue darauf, dass die Wahrheit siegen wird“, fuhr der Mediziner fort. Auf die Vorwürfe der Ermittler, dass er dem Sänger gefährliche Medikamente verabreicht und ihn dann alleine gelassen habe, ging er aber nicht näher ein.

Anzeige

Nach dem amtlichen Ergebnis der Gerichtsmedizin wurde Jackson Opfer eines Tötungsdelikts. Eine „akute Vergiftung“ mit dem Narkosemittel Propofol sei die Ursache für das Herzversagen des 50-Jährigen gewesen, lautete der im August veröffentlichte Befund. Murray hatte im Polizeiverhör zugegeben, Jackson auf dessen Verlangen Propofol verabreicht zu haben. Der Sänger litt an schweren Schlafstörungen und hatte in der Nacht vor seinem Tod trotz der vielen Beruhigungspillen keine Ruhe finden können.

Propofol wird normalerweise nur vor Operationen oder auf der Intensivstation im Krankenhaus gespritzt und erfordert die ständige Überwachung des Patienten. Dennoch ging Murray nach der Injektion von Propofol eigenen Angaben zufolge kurz zur Toilette und ließ Jackson allein. Bei seiner Rückkehr habe der Popstar nicht mehr geatmet. Seine Wiederbelebungsversuche scheiterten, erklärte der Kardiologe der Polizei. Statt umgehend Hilfe anzufordern, ließ er nach den Angaben des Polizeiberichts 82 Minuten verstreichen. Nachforschungen ergaben, dass er in dieser Zeit drei Gespräche von insgesamt 47 Minuten Dauer über sein Mobiltelefon führte.

Nach Murrays Aussage war er nicht der erste Mediziner, von dem Jackson Propofol erhielt. Andere Ärzte, darunter auch Kollegen in Deutschland, hätten ihm ebenfalls das Narkosemittel gespritzt. Jacksons Familie dringt seit Langem auf eine harte Bestrafung Murrays. „Ich denke, dass er Schuld hat“, sagte Michal Jacksons Schwester, die Sängerin Janet Jackson, im November. Der Leibarzt habe derart leichtfertig gehandelt, dass eine Anklage wegen Totschlags angebracht sei, sagte Familienanwalt Brian Oxman. Mit einem Vorwurf von „fahrlässiger Tötung“ käme Murray viel zu leicht weg. Im Falle eines Schuldspruchs drohten dem Mediziner dann maximal vier Jahre Haft.

Murray praktizierte in Texas, Nevada und Kalifornien, bevor er im Mai 2009 von Jackson als Leibarzt eingestellt wurde. Der Sänger soll selbst darauf gepocht haben, dass der Mediziner ihn vor und während seiner Konzertreihe von Juli an in London betreuen würde. Der Veranstalter AEG Live habe Murray dafür 150.000 Dollar pro Monat gezahlt, hieß es. Murray konnte das Geld gut gebrauchen. Er hatte nach Angaben von US-Medien Hunderttausende Dollar Schulden.

dpa