Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Assistenzarzt soll Kinder an Uni-Klinik sexuell missbraucht haben – Akten werden neu überprüft
Nachrichten Panorama

Assistenzarzt soll Kinder an Uni-Klinik sexuell missbraucht haben – Akten werden neu überprüft

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:22 24.06.2019
Blick in einen Flur des Universitätsklinikums in Homburg. Quelle: picture-alliance/dpa
Homburg

Ein inzwischen gestorbener Assistenzarzt soll am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg bis 2014 mehrere Kinder sexuell missbraucht haben. Es bestehe der Verdacht, dass er in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie „nicht medizinisch notwendige Untersuchungen“ im intimen Bereich an Kindern vorgenommen habe, „die als Routinemaßnahmen dargestellt wurden“, sagte ein Kliniksprecher am Montag im Homburg. Der Mediziner wurde 2014 entlassen. Es gibt 34 Verdachtsfälle. Ermittlungen gegen ihn wurden nach seinem Tod im Jahr 2016 eingestellt.

Die möglichen Opfer seien im Schnitt zwischen fünf und acht Jahre alt gewesen sein, hieß es. Es habe sich überwiegend um Jungen gehandelt. Der Arzt sei auch Judotrainer eines örtlichen Vereins gewesen. Dieser sei damals über die Ermittlungen informiert worden und habe ihn daraufhin als Trainer entlassen.

Nun sollen mehr als 300 Patientenakten noch einmal überprüft werden. Sie seien bereits einmal nach möglichen Missbrauchsopfern durchsucht worden, dabei hätten sich aber keine Anhaltspunkte ergeben, teilte die Klinikleitung am Montag in Homburg mit. Es sei aber nicht auszuschließen, dass sich weitere Verdachtsfälle ergeben.

Arzt war vier Jahre an der Uni-Klinik beschäftigt

Zuvor hatte das ARD-Magazin „Monitor“ über den Fall berichtet. Demnach war der Arzt von 2010 bis 2014 an der Uni-Klinik beschäftigt.

Wie viele Patienten betroffen sind, sei bis heute unklar, hieß es. Der Assistenzarzt hatte den Angaben zufolge an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Hunderte von Kindern behandelt. Nach Recherchen von „Monitor“ ergab eine stichprobenartige Überprüfung der Behandlungsakten durch den Klinikdirektor, dass 95 Prozent der Behandlungen des Assistenzarztes medizinisch nicht indiziert waren.

Ministerpräsident Tobias Hans zeigt sich erschüttert

Ein von „Monitor“ befragter Experte kritisiert die Klinik, dass sie Betroffene nicht informierte, selbst in den Fällen nicht, in denen die Patientenakten der Staatsanwaltschaft als Beweismittel zur Verfügung gestellt wurden. „In dem Moment, wo man sich entschieden hat, dass die Verdachtsmomente so weit ausreichen, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten, hätte auch unter therapeutischen Aspekten die Kontaktaufnahme mit den Eltern beziehungsweise den älteren Kindern erfolgen müssen, um auch insoweit Schaden von ihnen abzuwenden“, sagte der Medizinrechtler Peter Wolfgang Gaidzik von der Universität Witten/Herdecke.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) teilte am Montag mit: „Die Nachrichten aus dem Universitätsklinikum des Saarlandes erschüttern mich zutiefst. Wenn ein solcher Verdacht im Raum steht, muss umgehend eine lückenlose Aufklärung erfolgen.“

Das Klinikum wollte am Nachmittag in Homburg in einer Pressekonferenz über den Fall informieren.

Von RND/dpa/epd