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Panorama Auch 13-Jährige starb bei Busunfall am Schönefelder Kreuz
Nachrichten Panorama Auch 13-Jährige starb bei Busunfall am Schönefelder Kreuz
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20:20 27.09.2010
Auch eine 13-Jährige starb in dem Reisebus.
Auch eine 13-Jährige starb in dem Reisebus. Quelle: dpa
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„Einige sind so schwer verletzt, dass sich eine Identifizierung schwierig gestaltet“, sagte ein Polizeisprecher in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) am Montag. Bislang sind erst einige wenige Todesopfer identifiziert – darunter ist laut Polizei auch ein 13-jähriges Mädchen. Seine Großmutter liege schwer verletzt auf der Intensivstation einer Klinik. In dem Unglücksbus saßen Mitarbeiter des Forstamtes in Zlocieniec (Falkenburg) und ihre Familien. Acht von ihnen schweben noch in Lebensgefahr.

Ewa Tur gehört zu denjenigen, die das Unglück am Schönefelder Kreuz überlebten. Sie wird derzeit in einem Berliner Krankenhaus behandelt. Das, was sie und die weiteren 48 Insassen auf ihrer Heimfahrt von einer Urlaubsreise erlebt haben, schildert sie dem polnischen Fernsehsender TVN24. „Wir fuhren geradeaus auf der Autobahn, als plötzlich aus einem Parkplatz oder einer Einfahrt ein roter Pkw auf uns zukam und uns rammte. Der Fahrer versuchte auszuweichen, brachte den Bus nach links und prallte gegen die Brücke.“

Die Frau ergänzt: „Es kam zum großen Knall, ich hörte Schreie der Menschen. Alle riefen nach Hilfe. Eine Frau, mit der ich mich angefreundet habe, bat mich, zu schauen, ob ihr Mann noch lebt.“ So ähnlich beschreibt auch die Polizei den Unfall, der am Sonntagvormittag südlich von Berlin passierte. Ein weinrotes Auto mit Berliner Kennzeichen wollte am Schönefelder Kreuz von der A 113 auf die A 10 auffahren. Die Frau, die am Steuer saß und zwei Mitfahrer bei sich hatte, verlor nach ersten Erkenntnissen die Kontrolle und prallte gegen den vorbeifahrenden Reisebus.

Dessen Fahrer wiederum konnte sein Fahrzeug ebenfalls nicht in der Spur halten und raste gegen einen Brückenpfeiler. Wie genau es aber zu dem folgenschweren Unglück kam, ist weiterhin unklar. War die mutmaßliche Unfallverursacherin unaufmerksam oder müde? Spielte die regennasse Fahrbahn eine Rolle?

Deutsche und polnische Beamte ermitteln gemeinsam. Die brandenburgische Landesregierung setzte eine Arbeitsgruppe ein, die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt – vorerst wegen fahrlässiger Tötung. Die Frage, ob die Insassen des Busses angeschnallt waren und so vielleicht weniger Todesopfer zu beklagen gewesen wären, beschäftigt die Ermittler sowie die polnische und deutsche Öffentlichkeit.

Bisher gibt es widersprüchliche Angaben: „Die Bilder vom Katastrophenort lassen die Vermutung zu, dass nicht alle Insassen angeschnallt waren“, sagte der Sprecher der polnischen Feuerwehr, Pawel Fratczak, dem Fernsehsender TVPInfo am Montag. Viele Menschen seien nach dem Aufprall durch die Fenster des Busses nach außen geschleudert worden. Offen bleibt aber, ob der Unglücksbus der Firma POL-BUS aus Suchan in Westpommern überhaupt Sicherheitsgurte hatte. Auf Anfrage wollte sich das Unternehmen dazu nicht äußern.

dpa