Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Auch Missbrauchsfälle an katholischer Schule in Hamburg
Nachrichten Panorama Auch Missbrauchsfälle an katholischer Schule in Hamburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 01.02.2010
An dieser Jesutienschule in Hamburg sollen Schüler von einem Pater missbraucht worden sein. Quelle: dpa
Anzeige

Auch an einer katholische Schule in Hamburg ist es offenbar zu mehreren Fällen von Missbrauch gekommen: „Das, was viele befürchtet haben, hat sich bewahrheitet“, sagte Bistums-Sprecher Manfred Nielen am Montag. Es hätten sich zwei ehemalige Schüler der Sankt-Ansgar-Schule gemeldet, die Opfer eines Jesuitenpaters wurden. Der 65-Jährige hat bereits eingeräumt, Schüler des katholischen Canisius-Kollegs in Berlin missbraucht zu haben. Der Pater hatte laut Bistum von 1979 bis 1982 an der ehemaligen Jesuiten-Schule in Hamburg unterrichtet. Er trat 1991 aus dem Orden aus und lebt jetzt in Südamerika.

Die ehemaligen Schüler hätten sich aufgrund der Medienberichte bei der Schulleitung gemeldet. „Was für Hamburg angemessen ist, werden wir nun zusammen mit der Schulleitung beraten“, sagte Nielen. Der Jesuitenorden, zu dem auch die Sankt-Ansgar-Schule bis vor einigen Jahren gehörte, habe sich für die Missbrauchsfälle zuständig erklärt. Der Orden beauftragte Ursula Raue, lange Jahre Vorsitzende der Kinderschutzorganisation „Innocence in Danger“ (Unschuld in Gefahr), mit Ermittlungen. „Eine Möglichkeit der Betroffenen wäre es, dort Hilfe zu bekommen“, sagte Nielen. Zunächst müsse in Gesprächen geklärt werden, was für die Opfer am besten sei.

Anzeige

Der Jesuitenpater, der seine Taten in Berlin gestanden hat und sich in einem Brief bei seinen Opfern entschuldigte, war von 1979 bis 1982 Sportlehrer an der damals von Jesuiten geleiteten Schule. Der nun in Chile lebende 65-Jährige wandte sich nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ im Januar in einem Brief an die Opfer und zeigte Reue. Es sei „eine traurige Tatsache, dass ich jahrelang Kinder und Jugendliche unter pseudopädagogischen Vorwänden missbraucht und misshandelt habe“, heißt es in dem Brief.

Der Hamburger Staatsanwaltschaft lagen am Montag zunächst keine Strafanzeigen vor, wie Sprecher Wilhelm Möllers berichtete. „Taten aus den 70er Jahren könnten jedoch verjährt sein.“

Nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in Berlin gibt es immer mehr Vorwürfe gegen die damalige Schulleitung. In verschiedenen Medien berichteten frühere Opfer und weitere ehemalige Schüler von Gerüchten und Berichten in den 70er und 80er Jahren, die auch damaligen Lehrern und dem Jesuiten-Orden bekanntgewesen seien. Schon 1981 schrieben frühere Schüler nach eigenen Angaben gemeinsam einen Brief an die Schule und die katholische Kirche. Der jetzige Rektor Klaus Mertes sprach in einer persönlichen Erklärung vom „tiefen Entsetzen über die Untaten“, dem „Versagen der Ordensleitung“ und dem „Wegschauen der Verantwortlichen“.

dpa

Panorama Winterwetter in Niedersachsen und Bremen - 19-Jähriger stirbt bei Schleuderunfall
01.02.2010