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Panorama Ausbrecher Michalski über Handy geortet und festgenommen
Nachrichten Panorama Ausbrecher Michalski über Handy geortet und festgenommen
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20:38 01.12.2009
Von Heinrich Thies
Michalskis letztes Fluchtfahrzeug: ein silberfarbenes Damenfahrrad. Polizisten sichern es am Dienstag auf einer Landstraße in Schermbeck in Nordrhein-Westfalen. Quelle: ddp
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Am Ende ging alles ganz schnell. Peter Paul Michalski war auf einem silberfarbenen Damenfahrrad unterwegs, als ihn gegen 9.50 Uhr plötzlich zwei Polizeiwagen einkeilten und zur Aufgabe zwangen. Der Schwerverbrecher legte sich wie gefordert auf den Boden und verriet, wo sich die durchgeladene Waffe befand, die er am Körper trug – bestückt mit acht Schuss Munition.

So endete am Dienstag knapp sechs Tage nach dem Ausbruch aus der Justizvollzugsanstalt Aachen die Flucht des zweiten Ausbrechers. Michalskis Komplize Michael Heckhoff war bereits am Sonntag in Mülheim an der Ruhr festgenommen worden. Michalski wurde nun sein Handy zum Verhängnis. Nachdem die Polizei die Nummer ermittelt hatte, war es kein Problem mehr, das Mobiltelefon zu orten. Hinzu kam, dass der 46-Jährige einen Schlafsack mit sich führte. „Es ist etwas unüblich, dass man mit einem Schlafsack Fahrrad fährt“, teilte Einsatzleiter Dieter Klinger am Dienstag bei einer Pressekonferenz mit.

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Anders als zunächst vermutet, war Michalski nicht in seine ostwestfälische Heimat im Bereich Bielefeld geflüchtet, sondern an den Niederrhein nahe der holländischen Grenze. Gefasst wurde der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder etwa 150 Kilometer von Bielefeld entfernt in der Nähe des Dorfes Schermbeck im Kreis Wesel. Was ihn bewogen hat, diese Richtung einzuschlagen, wusste die Polizei noch nicht zu sagen. „Wahrscheinlich wollte er nur weit von Mülheim weg“, sagt Einsatzleiter Klinger. „Vielleicht über die holländische Grenze.“

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ingo Wolf (FDP) lobte am Dienstag den Fahndungserfolg in den höchsten Tönen: „Die Polizei hat den Fahndungsdruck permanent hoch gehalten und so eine schwierige Aufgabe gemeistert.“ Die Polizeigewerkschaft spricht von einem „Musterbeispiel“ für zentral gesteuerte Fahndungsarbeit.

Folgt man dagegen der in der „Bild“-Zeitung veröffentlichten Darstellung Heckhoffs, stellt sich der Polizeieinsatz nicht im besten Licht dar. So habe er die erste Nacht in Freiheit mit seinem Kumpel unbehelligt unter einer Kölner Brücke verbracht. Zuvor habe er mit Michalski den Kölner Weihnachtsmarkt besucht. „Wir haben uns in einer Pommesbude Pommes und Sprudel gekauft. Während wir gegessen haben, kreiste ein Polizeihubschrauber über uns.“ In Essen, wo die beiden ihre zweite Nacht in einem Schrebergarten verbrachten, hätten sie sich hinter Schubkarren vor einem Suchtrupp der Polizei versteckt. „Irgendwann kamen SEK-Beamte vorbei. Einer meinte: ,Da hör ich was!‘ Aber zum Glück hat der uns nicht gesehen.“

Fast spöttisch erzählt Heckhoff, wie leicht es war, aus dem Gefängnis herauszukommen. Ein „Mitarbeiter im Knast“ habe ihnen Pistolen verkauft, mit deren Hilfe sie einen Kollegen überwältigt hätten. „Auf einmal waren wir frei“, sagt Heckhoff. „Wir haben gedacht, dass jetzt der Alarm losgeht, aber das passierte nicht.“ Dutzende von Kameras seien auf sie gerichtet gewesen. „Ich sagte zu Paul: ,Wink mal, damit die sehen, dass wir weg sind.‘“

Er habe sich zur Flucht entschlossen, weil er sich in einer „ausweglosen Situation ohne Hoffnung und Perspektive“ gesehen habe, sagt Heckhoff laut „Bild“. „Der Ausbruch war eigentlich eine Trotzreaktion auf die Vollzugsumstände im Knast. Die Direktorin hat mich voll schlecht behandelt.“

Derzeit sitzt Heckhoff in einem Hochsicherheitstrakt in Bochum. Michalski ist andernorts untergebracht. Auf beide kommt ein Verfahren wegen Geiselnahme und räuberischer Erpressung zu. Die Strafe dürfte die beiden nicht sonderlich schrecken. Michalski und Heckhoff waren schon vor ihrem Ausbruch zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden.

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