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Panorama Ausbrecherkönig Thomas Wolf vor Gericht
Nachrichten Panorama Ausbrecherkönig Thomas Wolf vor Gericht
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17:02 22.03.2011
Der Schwerverbrecher Thomas Wolf zum Prozessauftakt im Hochsicherheitssaal des Landgerichts in Wiesbaden.
Der Schwerverbrecher Thomas Wolf zum Prozessauftakt im Hochsicherheitssaal des Landgerichts in Wiesbaden. Quelle: dpa
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Ausbrecherkönig vor Gericht: Wegen Entführung und zweifachen Bankraubs muss sich der einst international gesuchte Schwerverbrecher Thomas Wolf seit Dienstag in Wiesbaden verantworten. Vor zwei Jahren soll der heute 58-Jährige die Frau eines Wiesbadener Bankmanagers in seine Gewalt gebracht und von ihrem Mann 1,8 Millionen Euro erpresst haben. Insgesamt viermal gelang Wolf nach Angaben der Staatsanwaltschaft in der Vergangenheit die Flucht vor der Justiz. Für den Prozess vor dem Wiesbadener Landgericht gelten deshalb scharfe Sicherheitsbestimmungen.

Der Auftakt verlief schleppend, mehrfach musste das Verfahren wegen Anträgen der Verteidigung unterbrochen und schließlich nach nur drei Stunden vertagt werden. So kritisierte Wolfs Anwalt Joachim Bremer, dass sein Mandant wegen der Sicherheitsauflagen nicht neben ihm, sondern an einem Tisch hinter ihm sitzen muss, flankiert von Polizisten in Zivil und Justizbeamten. Dies mache eine direkte und ungestörte Kommunikation unmöglich. Der Vorsitzende Richter Jürgen Bonk hielt eine „aktenkundige Fluchtgefahr“ Wolfs entgegen.

Bremer stellte schließlich einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht und warf Bonk vor, „irgendwelchen Latrinenparolen“ aus dem Untersuchungsgefängnis zu folgen, wonach Wolf angeblich eine Geiselnahme im Gerichtssaal angekündigt habe. Dies sei absurd, sagte der Anwalt und verwies auf den „sehr schlechten Gesundheitszustand“ seines an Borreliose leidenden Mandanten. Wolf ist wegen der Krankheit, die er sich durch einen Zeckenbiss zugezogen hat, nur für drei bis vier Stunden pro Tag verhandlungsfähig. Am Dienstag folgte der 58-Jährige dem Verfahren meist mit geschlossenen Augen und machte einen erschöpften Eindruck.

Über den Befangenheitsantrag soll bis Freitag entschieden werden, dann könnte auch die noch ausstehende Anklageschrift verlesen werden. Die Verteidigung hat zudem eine umfassende Aussage angekündigt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat Wolf die Entführung aus dem Jahr 2009 sowie zwei Banküberfälle in den Jahren 2003 und 2000 in den Niederlanden und Hamburg gestanden. Im Mittelpunkt des Prozesses steht deshalb vor allem die Frage, ob Wolf jemals wieder auf freien Fuß gesetzt werden kann. Er habe eine hohe Strafe und möglicherweise Sicherungsverwahrung zu erwarten, ließ die Staatsanwaltschaft am Dienstag erkennen. Auch die Anklagevertreter sehen deshalb eine Fluchtgefahr bei Wolf.

Zum ersten Mal verurteilt wurde der gebürtige Düsseldorfer nach Justiz-Angaben im Alter von 15 Jahren wegen Diebstahls, es folgten weitere Verbrechen. Immer wieder entkam Wolf, zuletzt kehrte er im Jahr 2000 nicht aus einem Hafturlaub zurück. Acht Jahre soll er unbehelligt im noblen Frankfurter Westend gelebt und nebenbei weitere Straftaten geplant und begangen haben, darunter einen der nun verhandelten Banküberfälle.

Sein Wiesbadener Entführungsopfer tritt als Nebenklägerin auf. Der Anwalt der heute 44-Jährigen, Marcus Traut, kritisierte am Rande der Verhandlung den schleppenden Prozessbeginn. Seine Mandantin, die knapp zwölf Stunden in der Gewalt Wolfs gewesen sei, habe lange auf den Beginn des Verfahrens warten müssen. Für sie sei es wichtig, dass es nun auch beginne. „Thomas Wolf gaukelt der Öffentlichkeit vor, schlimm krank zu sein“, sagte der Anwalt. Tatsächlich sei er verhandlungsfähig und bis heute „ein gefährlicher Mann“.

dpa