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Panorama Ausgelaufener Giftschlamm erreicht die Donau
Nachrichten Panorama Ausgelaufener Giftschlamm erreicht die Donau
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11:50 07.10.2010
Am Montag war aus einem Auffangbecken in einer Aluminiumfabrik in Ajka, 165 Kilometer westlich der ungarischen Hauptstadt Budapest, hochgiftiger roter Schlamm ausgelaufen. Quelle: dpa
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Trotz Schutzmaßnahmen hat der bei einem Unfall in einer ungarischen Aluminiumfabrik ausgelaufene Giftschlamm am Donnerstagmorgen einen Seitenarm der Donau erreicht. Die Wasserbehörde habe bei Messungen am Zusammenfluss von Raab und Donau einen leicht erhöhten Laugenhalt festgestellt, sagte ein Vertreter der Wasserbehörde der Nachrichtenagentur AFP. Das Ökosystem des zweitlängsten Flusses Europas sei gefährdet.

Jozsef Toth von der Wasserbehörde sagte, bei den Messungen seien pH-Werte zwischen 8,96 und 9,07 festgestellt worden. Normalerweise habe das Wasser einen pH-Wert von acht. Der örtliche Katastrophenschutz bestätigte, dass sich das Gift auf dem Wasserweg ausbreitete. „Der rote Schlamm hat am Morgen den sogenannten Mosoni-Arm der Donau erreicht, rund zehn Kilometer vom Hauptarm des Flusses entfernt“, sagte der örtliche Leiter des Katastrophenschutzes, Tibor Dobson.

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Auf einer bis zu 14 gehenden Skala sind pH-Werte bis sechs sauer und ab acht alkalisch. Werte zwischen sechs und acht sind neutral. In dem von dem Unglück stark betroffenen Bach Torna, der in die Raab fließt, hatte der pH-Wert am Montag kurz nach dem Unglück bei 13,5 gelegen. Nach Angaben von Dobson sank der Wert bis Donnerstagmorgen auf 10. Der pH-Wert des Grundwassers in der betroffenen Region lag den Angaben zufolge bei neutralen 7,5.

Im dem Donau-Nebenfluss Raab löste sich nach Beobachtungen eines AFP-Reporters der hochgiftige rote Schlamm so weit auf, dass er mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen war. Dennoch trieben im Wasser tote Fische. Am Ufer der Donau dagegen waren noch einige Angler zu sehen.

Nach dem Unfall am Montag waren Schutzmaßnahmen eingeleitet worden, um die Verbreitung des Gifts in den Bächen und Flüssen zu verhindern. Insbesondere brachten Arbeiter und Feuerwehrleute mehrere Tonnen Gips zur Neutralisierung des Gifts aus.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban sagte bei einem Besuch in dem von dem Unglück stark betroffenen Dorf Kolontar am Donnerstagmorgen, der Wiederaufbau der am stärksten verwüsteten Teile der Siedlung werde vermutlich schwierig sein. Er habe den Eindruck, dass jede Bemühung zum Wiederaufbau umsonst sein werde, sagte Orban. „Wahrscheinlich muss ein neuer Ort für die Bewohner gefunden werden, denn hier zu leben ist unmöglich.“

Finanzielle Hilfe aus dem Ausland braucht Ungarn nach den Worten des Ministerpräsidenten nicht: „Ungarn ist stark genug, um die Folgen so einer Katastrophe allein zu bewältigen“, sagte Orban. „Daher brauchen wir keine finanzielle Hilfe aus dem Ausland.“ Das Land sei aber offen für Ratschläge von Experten, wie mit den Folgen der Umweltkatastrophe umgegangen werden könne.

Am Montag war aus einem Auffangbecken in einer Aluminiumfabrik in Ajka, 165 Kilometer westlich der ungarischen Hauptstadt Budapest, hochgiftiger roter Schlamm ausgelaufen, ein Abfallprodukt der Aluminiumproduktion. Etwa 1,1 Millionen Kubikmeter Giftschlamm breiteten sich in den umliegenden Dörfern aus. Vier Menschen kamen ums Leben, darunter ein Kleinkind, mehr als 120 weitere wurden verletzt. Drei Menschen werden noch immer vermisst. Die ungarische Regierung hatte am Mittwoch gesagt, die Reinigungsarbeiten könnten bis zu einem Jahr dauern.

afp

Ralf Volke 06.10.2010
06.10.2010