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20:29 08.08.2013
Personalmangel führt am Hauptbahnhof in Mainz zu massiven Zugausfällen. Quelle: dpa
Mainz

„Wir werden uns auch in den nächsten Wochen und Monaten auf dünnem Eis befinden“, sagte der Chef der Bahntochter DB Netz, Frank Sennhenn, am Donnerstag in Mainz. Der Fern- und der Regionalverkehr blieben zunächst bis Ende August eingeschränkt. Der Personalmangel könne nicht kurzfristig behoben werden. Die Zugausfälle werden sich nächste Woche sogar zunächst verschärfen: Die Einschränkungen gelten dann auch tagsüber. „Zurzeit sehen wir uns nicht in der Lage, eine stabile Aussage darüber zu machen, wie es jenseits des August weitergeht“, räumte der Manager ein.

Der DB Netz-Chef bat für das Chaos um Entschuldigung. „Ich möchte mich ausdrücklich bei den Fahrgästen entschuldigen“, sagte Sennhenn. „Ja, es ist mir peinlich.“ Die Einschränkungen seien nicht absehbar gewesen. „Wir gehen davon aus, dass wir schon einen Imageschaden erleiden werden.“ Kurzfristig kann die Bahn die Probleme nach eigenen Angaben nicht verhindern. Von 15 Fahrdienstleitern seien wegen Urlaubs und Krankheit derzeit nur acht im Dienst. Nur acht von zehn Prozent der Schichten könnten deshalb besetzt werden.

Die Zugausfälle in Mainz sind nach Ansicht der Bahn ein Sonderfall, aber anderswo gibt es auch Probleme: „Es gibt punktuell eine angespannte Situation auch an anderen Bahnhöfen“, sagte der DB Netz-Chef. „Wir setzen dort die gleichen Maßnahmen wie in Mainz ein.“

Die Bahn will mehrgleisig fahren, um eine solche Situation künftig zu vermeiden. Die Kunden könnten eine Kulanzregelung nutzen. So werden Tickets und Reservierungen auf Wunsch kostenfrei erstattet, zuggebundene Fahrkarten können umgeschrieben werden. Personalvorstand Ute Plambeck von DB Netz kündigte außerdem an, dass künftig mehr Fahrdienstleiter ausgebildet und auch eingestellt werden sollen. Die Zahl der neuen Fahrdienstleiter sei schon für dieses Jahr um 340 auf 600 erhöht worden.

Bei der Deutschen Bahn fehlen nach Ansicht der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) mindestens 1000 Fahrdienstleiter. So viele neue Kollegen seien allein nötig, um die rund eine Million Überstunden abzubauen, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt hätten, sagte EVG-Sprecher Uwe Reitz.

Ursprünglich sollte das Chaos in Mainz am Sonntag zu Ende sein. Nun wird es noch schlimmer. „Was ab Montag kommt, ist eine Verschlechterung“, sagte Sennhenn. Nur wenige Fernzüge fahren tagsüber und nachts. Beim Regionalverkehr wie Mainz-Alzey gilt Stunden- statt Halbstundentakt. Mit Verspätungen sei im ganzen Rhein-Main-Gebiet zu rechnen. In den letzten beiden Augustwochen soll es von 6 bis 20 Uhr Einschränkungen geben.

Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte Entschädigungen für Pendler. „Das kann man als Fahrgast nicht einfach hinnehmen“, sagte Sprecher Gerd Aschoff.

dpa/sag

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