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Panorama Barbie – ein Moppel in Rosa
Nachrichten Panorama Barbie – ein Moppel in Rosa
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00:15 04.01.2014
42.000 Menschen gefällt auf Facebook die dicke Barbie: Ob Hersteller Mattel darauf reagiert? Quelle: plus-size-modeling.com
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Für eine 65-Jährige hat sich Barbie ziemlich gut gehalten: Die Haut ist faltenfrei, die Figur perfekt. Doch so recht mag die Puppe trotzdem keiner mehr. Beim US-Spielwarenhersteller Mattel haben ihr längst andere Figuren den Rang abgelaufen und erzielen bessere Umsätze. Feministen geißeln schon lange Barbies Proportionen, in denen sie den Hang zum Magerwahn erkennen. Und die Eröffnung eines „Barbie Dreamhouse“ in Berlin im Mai 2013 führte gar zu wütenden Protesten – Puppenverbrennungen inklusive.

„2014 – das Jahr der Kurven“

Doch jetzt müssen Fans der 1959 erstmals hergestellten Spielzeugfigur ganz tapfer sein. Die Betreiber der Internetseite „Plus Size Modelling“, ein US-Netzwerk für mollige Frauen, haben die Version einer stark übergewichtigen Barbie-Puppe ins Internet gestellt – mit breiter Hüfte und Dreifachkinn. Auf ihrer Facebookseite stellten sie der Netzgemeinde die Frage: „Sollten Spielzeugfirmen anfangen, Plus-Size-Barbies herzustellen?“ Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. Fast 40 000 stimmten für die dicke Blondine; nur 4600 User stimmten für die perfekt proportionierte Traditionsversion.

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Die Kritiker des Moppels in Rosa indes überzogen die Aktion mit beißendem Spott. „Yeah, lasst uns Krankheit und schlechte Essgewohnheiten propagieren: genau das, was Amerika braucht“, lautete ein Kommentar. „Ich hoffe, es gibt auch ein Blutdruck-Messgerät dazu“, höhnte ein anderer. „Lächerlich“ fanden viele der Internetsurfer vor allem das auffällige Dreifachkinn.

Dabei wäre das Ende der mageren Barbie durchaus ein Beitrag zum Realismus. Wissenschaftliche Studien – ja, die gibt es zur Puppe tatsächlich – haben nämlich herausgefunden, dass Barbie als Mensch nicht lebensfähig wäre. Die Forscher belegen, dass ihre Wespentaille nicht genügend Platz für menschliche Organe böte und der Mangel an Fettgewebe die Produktion weiblicher Sexualhormone hemmen würde. Und: Die Original-Barbie wäre zwischen 1,88 und 2,26 Meter groß; ernsthafte Knorpelschäden wären die Folge.

Auch der US-Künstler Nickolay Lamm hat sich vor einigen Monaten der umstrittenen Puppe angenommen. Am Computer entwarf der 25-Jährige eine normalgewichtige Version der Puppenikone – nicht dürr, aber auch nicht dick. „Wenn wir dünne Models in der Modewelt kritisieren, sollten wir zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass Barbie junge Mädchen negativ beeinflusst“, erklärte er gegenüber der „Huffington Post“.
Hersteller Mattel hat übrigens bisher nicht auf die Aufregung reagiert. Vielleicht wissen die Designer dort längst: Wer Barbie liebt, der erwirbt nicht bloß ein Spielzeug, er kauft auch den Traum von Schönheit. Ein Märchen in Plastik eben.

Von Jan Sternberg 

01.01.2014
31.12.2013