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Panorama Bayernprofi Breno hat möglicherweise selbst seine Villa angezündet
Nachrichten Panorama Bayernprofi Breno hat möglicherweise selbst seine Villa angezündet
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20:09 25.09.2011
Der 21-jährige Fußballprofi Breno kam 2008 zu Bayern München – doch richtig Fuß gefasst hat er nie. Quelle: dpa
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München

Es riecht noch immer verkohlt. Vor dem Hauseingang liegen Wasser- und Bierflaschen, in der weitgehend unbeschädigten Garage nebenan stehen die Kinderfahrräder, im Garten ein Trampolin, daneben ein Gartenstuhl. Gespenstisch sieht es aus, hier in der Portenlängerstraße im Münchener Nobelvorort Grünwald. Hier hat der Brasilianer Breno, mit bürgerlichem Namen Breno Vinicius Rodrigues Borges, gewohnt. Bis zur Nacht von Montag auf Dienstag. Dann ging seine angemietete Villa in Flammen auf und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Auf 1,5 Millionen Euro wird der Sachschaden geschätzt.

Fast nichts ist geblieben, außer ein paar Indizien. Gegen den 21 Jahre alten Fußballprofi des FC Bayern München wird wegen des Verdachts der „schweren Brandstiftung“ ermittelt. Diese juristische Bezeichnung bedeutet nichts anderes als Brandstiftung, bei der Menschen zu Schaden kommen können. Mindestens ein Jahr Freiheitsstrafe und bis zu 15 Jahre sind vorgesehen bei so einem „massiven Delikt“, wie Rechtsexperten das nennen.

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Bewährungsstrafen gelten in so einem Fall als unwahrscheinlich. Breno sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Es bestehe Flucht- und Verdunklungsgefahr, heißt es zur Begründung von der Staatsanwaltschaft München I.
Mit einem rotweißem Band hat die Polizei die Ruine abgesperrt und wacht dort nun täglich 24 Stunden. Davor steht ein Einsatzwagen, darin sitzt eine Beamtin der Dienststelle Grünwald. In ihrem Autoradio läuft die Bundesligakonferenz. Kurz zuvor ist der Fußballer in die JVA Stadelheim gebracht worden. „Brenos Brand wird Kriminalstück“ („Münchner Merkur“), ist zu lesen. Von „1,5 Promille“ („Abendzeitung“), die bei einer Atemkontrolle bei Breno in der Brandnacht festgestellt worden sein sollen. Und schließlich in der „tz“: „Bayern-Star beim Psychiater. Wie krank ist Breno?“ Vieles ist Spekulation.

Am Abend spielen auch die Bayern. Sie gewinnen 3:0 gegen Bayer Leverkusen, doch der Fall Breno ist omnipräsent. Empört reagiert die Vereinsführung auf das Vorgehen der Staatsanwaltschaft. „Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, den Jungen jetzt ins Gefängnis zu stecken. Wir sind vollkommen vor den Kopf gestoßen“, sagt Präsident Uli Hoeneß: „Wie sich die Münchener Staatsanwaltschaft aufspielt, steht in keinem Verhältnis.“ Breno habe durch den Brand auch seinen Pass verloren, könne zudem kaum Deutsch. „Was soll er da verdunkeln? Wenn das unser Land ist, dann gute Nacht, Deutschland“, schimpft Hoeneß. Er verteidigt seinen Verein. Und er versucht den Spieler zu stützen, der „am Boden ist, der völlig fertig ist“. Wenn möglich, kündigt der Präsident an, werde man Breno gegen Kaution freikaufen. „Wir wundern uns über die Staatsanwaltschaft“, sagt auch Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende: „Normalerweise spricht man von einem Promi-Bonus, ich möchte aber auch keinen Promi-Malus haben.“ Die Staatsanwaltschaft wies die Kritik am Sonntag entschieden zurück – wegen des mittlerweile dringenden Tatverdachts.

Sollte sich bestätigen, dass Breno die Villa in Brand gesteckt hat, wäre er aber wohl nicht nur Täter. Nach allem, was man hört, erzählt seine Geschichte auch von einem jungen Mann, der den Halt verloren hat. Vielleicht sogar den Lebensmut. Bereits vor einem Jahr sagte Breno in einem Interview: „In Brasilien hatte ich weniger Geld und weniger Luxus, aber war ein glücklicher Mensch. Hier habe ich Geld, aber mir fehlt alles andere.“ Nun ist auch von finanziellen Problemen die Rede, von Beratern, die ihm nicht immer wohlwollend zur Seite standen, von tief sitzendem Frust über seine sportliche Situation, von Einsamkeit. Und von Eheproblemen mit seiner Frau Renata, die zwei Kinder mit in die Beziehung brachte und mit der er ein gemeinsames Kind hat. Er wurde Vater, als er gerade volljährig war. Was von all den Spekulationen stimmt, ist offen. Der Verein hält sich bedeckt. Seine Frau twitterte, es werde alles wieder gut, „ich liebe dich“. In der Brandnacht war Breno allein im Haus.

Im Januar 2008 war er aus São Paulo nach München gekommen. Das Talent werde einmal der beste Verteidiger der Welt, hatte Hoeneß prophezeit. Doch Breno konnte nie richtig Fuß fassen in München. Noch vor seiner Verpflichtung für zwölf Millionen Euro gab es Zweifel an seinem Alter, der ebenfalls interessierte Verein Real Madrid hatte gar eine Knochenanalyse angefordert. Nachdem Breno in der Vorsaison mit einem Fehler beim 2:3 gegen Inter Mailand maßgeblich zum vorzeitigen Aus in der Champions League beigetragen hatte, schrieb er nachts um vier Uhr bei Twitter, es werde Zeit, nach São Paulo zurückzukehren. Von einer letzten Chance war zuletzt die Rede, Brenos Vertrag läuft im Sommer 2012 aus. 33 Spiele hat er für die Bayern absolviert, sieben zudem für den 1. FC Nürnberg, an den er zwischenzeitlich ausgeliehen war, ehe ihn ein Kreuzbandriss samt Menikusschaden wieder zurückwarf. Immer wieder hatte er danach mit Knieproblemen zu kämpfen.

Am vergangenen Montag, unmittelbar vor der Brandnacht, bekam er die Diagnose, dass er nochmals operiert werden müsse. „Ich kann mir vorstellen, dass das der Auslöser war“, sagt sein Trainer Jupp Heynckes und spricht von „persönlichen Problemen, die auch unbemerkt blieben, weil er seine normale Reha gemacht hat“.

Vielleicht war es der nagende Schmerz, die Angst vor der Zukunft und vor dem Karrierende, die Breno in tiefe Verzweifelung stürzten. Auf Anraten des Vereins hatte er sich nach der Brandnacht im Max-Planck-Institut für Psychiatrie behandeln lassen. Er wurde allerdings für haftfähig erklärt.

Maik Rosner