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Panorama Benedikt XVI. kritisiert Gastgeber im Gebet
Nachrichten Panorama Benedikt XVI. kritisiert Gastgeber im Gebet
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10:17 28.03.2012
Papst Benedikt XVI. besucht derzeit Kuba. Quelle: Osservatore Romano
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Havanna

Am frühen Dienstagmorgen besuchte der Papst, begleitet von vielen Journalisten und Gläubigen, den Schrein der „Virgen de la Caridad del Cobre“, der Barmherzigen Jungfrau von Cobre, in der kleinen Stadt El Cobre. Er legte das Schicksal Kubas in ihre Hände: „Möge Kuba den Weg der Erneuerung und Hoffnung finden, zum Wohle aller Kubaner.“

Kurz darauf reiste Benedikt XVI. in die Hauptstadt Havanna weiter – und die, die ihn beobachtet hatten, rätselten, ob er beim für den Nachmittag (Ortszeit) geplanten Treffen mit Präsident Raúl Castro wohl ähnlich deutliche Worte finden würde wie bei der Begegnung mit der Jungfrau. Und ob er vielleicht sogar mit dem Revolutionsführer Fidel Castro über das Freiheitsrecht der Entrechteten würde sprechen können.

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Am Montagabend hatte das Oberhaupt der Katholischen Kirche eine erste Messe in Santiago de Cuba zelebriert. Die Partei hatte dazu gerufen, und die Kubaner kamen. Rund 200. 000 Menschen feierten mit dem Papst eine große Messe unter freiem Himmel in der zweitgrößten Stadt des kommunistischen Landes. Wie viele davon waren Gläubige, wie viele waren aus freien Stücken gekommen? In den Tagen und Wochen vor der Ankunft des Papstes auf der Insel hatte die Regierung die Losung „Niemand darf fehlen“ ausgegeben und in allen Staatsbetrieben, Schulen und Universitäten den Menschen eingeschärft, an der Messe am Montag und der am heutigen Mittwoch in Havanna auf dem Platz der Revolution teilzunehmen.

So war die Plaza Antonio Maceo in Santiago, ganz im Osten der Insel, vollständig gefüllt. Fast alle Teilnehmer der 90-minütigen Messe trugen weiße T-Shirts mit dem Spruch „Willkommen Benedikt“ oder weiße Kappen. In Kuba ist ungefähr die Hälfte der Bevölkerung katholisch. Die Kubaner, sagte der Papst bei dem Gottesdienst, sollten „mit den Waffen des Friedens, der Vergebung und des Verständnisses“ kämpfen.

Eine 76-jährige Kubanerin, die vor einem knappen halben Jahrhundert in die USA geflohen war und nun erstmals zu einem Besuch zurückkehren durfte, war zu Tränen gerührt: „Dies ist das erste Wunder der Papstreise, dass ich dabei sein darf.“ Wie sie hatten viele Auswanderer dank der im vergangenen Jahr zwischen Havanna und Washington vereinbartenReiseerleichterungen Spezialvisa für den Papstbesuch bekommen.

Wenige Stunden zuvor war Benedikt auf der Karibikinsel mit Marschmusik und Kanonensalven von kirchlichen Würdenträgern und Präsident Raúl Castro empfangen worden. Es ist der erste Besuch eines Oberhauptes der katholischen Kirche in Kuba seit 1998. Damals war Benedikts Vorgänger Johannes Paul II. fünf Tage auf der Insel.

Kühle Begegnung mit dem Präsidenten

Deutlicher als Johannes Paul II. benannte Benedikt XVI. schon bei der Begrüßung Forderungen nach Freiheit und Veränderung. So sprach er von einem „unverzichtbaren öffentlichen Beitrag“ der Religion in der Gesellschaft. Die erste Begegnung zwischen Pontifex und Präsident war trotz der tropischen Hitze entsprechend kühl. Castro verwandelte seine Begrüßungsworte in eine revolutionäre Rede, in der er die Errungenschaften seines Landes lobte und das „wirtschaftliche, politische und mediale“ Embargo des Rests der Welt gegen Kuba geißelte. „Wir wollen unseren eigenen Weg gehen“, sagte er. Es wirkte wie eine Antwort auf eine Aussage des Papstes, mit der dieser schon auf der Hinreise die Führung in Havanna verprellt hatte: „Die Realität zeigt, dass der Marxismus nicht viel taugt.“

Bei seinen ersten Worten auf der Insel war der Papst deutlich vorsichtiger. „Ich trage in meinem Herzen die gerechten Erwartungen und gerechtfertigten Wünsche aller Kubaner, wo auch immer sie sind“, sagte Benedikt XVI. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger hob er die politischen Gefangenen dabei nicht besonders hervor. Die bekannte Oppositionsgruppe „Damas de Blanco“, Ehefrauen von politischen Häftlingen, hat beim Vatikan ein kurzes Treffen mit dem Papst erbeten. Dass es dazu kommt, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Ein hoher Kirchenvertreter im Vatikan sagte schon vor Beginn der Reise der spanischen Zeitung „El País“, der Papst müsse sehr vorsichtig sein, um den Besuch in Kuba nicht zu einer einseitigen Angelegenheit zu machen, aus der nur die Regierung Vorteile ziehe.

Nach Angaben von Oppositionellen sind die Behörden in den Tagen vor der Ankunft des Papstes verstärkt gegen Dissidenten vorgegangen. Die Bloggerin Yoani Sánchez schrieb von einer „ideologischen Säuberung“ im ganzen Land. Dabei seien Oppositionelle in ihren Wohnungen festgesetzt und eingeschüchtert, ihre Telefone seien abgeschaltet worden. Angeblich sollen auch Obdachlose und Bettler, die es nach offizieller Lesart in Kuba nicht gibt, in Gewahrsam genommen worden sein. Erst nach Ende des Besuches sollten sie wieder freikommen.

Doch bislang nur einmal, zu Beginn der Messe vom Montag, kam es zu einem Zwischenfall, als ein unbekannter Mann lautstark gegen die Regierung protestierte: „Nieder mit der Revolution“, rief er, bevor er von Sicherheitskräften abtransportiert wurde.

Klaus Ehringfeld/afp

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