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Panorama Berliner Katholiken gedenken Missbrauchsopfer
Nachrichten Panorama Berliner Katholiken gedenken Missbrauchsopfer
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16:35 07.02.2010
Dom-Kapitular Ulrich Bonin (Mitte) gedachte bei einem Gottesdienst unter anderem der Missbrauchsopfer am Berliner Canisius-Kolleg. Quelle: dpa
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Es sei wichtig, auch an die zu erinnern, „die Schaden genommen haben“. Bonin sagte: „Wir sollten zu Beginn unseres Gottesdienstes an unsere Dunkelheit denken und sie heller werden lassen.“

Das katholische Canisius-Kolleg in Berlin-Tiergarten steht im Mittelpunkt der Missbrauchs-Vorwürfe beim Jesuitenorden. Zwei frühere Pater des Elitegymnasiums werden beschuldigt, in den 70er und 80er Jahren mehrere Schüler sexuell missbraucht zu haben. Ein dritter Pater, der Anfang der 70er Jahre auch in Berlin unterrichtet hat, gestand sexuelle Übergriffe auf Jugendliche in Hannover. Schulleiter Klaus Mertes sprach von der „Spitze des Eisberges“.

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Die Anwältin Ursula Raue, die von den Jesuiten mit der Untersuchung der Fälle beauftragt wurde, sagte in der „Berliner Morgenpost“, die Zahl der Betroffenen steige von Tag zu Tag. „Insgesamt dürften es jetzt um die 30 Opfer sein.“ Bislang war lediglich der Missbrauch von 22 Kindern am Canisius-Kolleg bekannt.

Auch bundesweit weitet sich die Affäre aus. Fast 100 Mitarbeiter der katholischen Kirche sind nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ in den vergangenen 15 Jahren unter Missbrauchsverdacht geraten.

Der Berliner Domprobst Stefan Dybowski räumte Versäumnisse ein. „Ganz sicher kann man davon ausgehen, dass es früher eine Kultur des Wegschauens gab“, sagte er der „Berliner Morgenpost“. Dieses Phänomen beschränke sich aber nicht allein auf die Kirche. Gleichzeitig bekräftigte Dybowski das Vorhaben, im Berliner Erzbistum eine Kommission für Fälle von sexuellem Missbrauch einzurichten.

Berlins Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) hat sich unterdessen gegen einen Missbrauchs-Beauftragten auf Landesebene ausgesprochen. „Dieser Bereich ist so sensibel, dass er nicht durch Formalien oder die Einsetzung eines Beauftragten regelbar ist“, sagte Zöllner dem „Tagesspiegel“. Er neige eher zu Ansprechpartnern an den einzelnen Schulen, „weil das persönliche Vertrauensverhältnis in diesem Kontext eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt“.

Die Bildungsverwaltung hat nach Zöllners Worten bereits seit zwei Wochen Kenntnis von den Missbrauchsfällen an der Berliner Jesuiten- Schule. Die Schulaufsicht sei am 22. Januar zum ersten Mal durch die Leitung des Canisius-Kollegs informiert worden, berichtete der Senator. Öffentlich bekannt wurde der Skandal erst sechs Tage später durch einen Brief der Schulleitung an etwa 600 ehemalige Schüler. Inzwischen sind Fälle von allen drei deutschen Jesuiten-Gymnasien und einer ehemaligen Ordensschule bekannt.

Mit Manfred von Richthofen, dem langjährigen Präsidenten des Deutschen Sportbunds, hat sich jetzt auch ein ehemaliger Lehrer des Canisius-Kollegs geäußert. Viele Patres seien durch ihre kirchliche Ausbildung „ein wenig verklemmt“ gewesen, sagte er der Tageszeitung „B.Z.“. In den 60er Jahren, als er dort arbeitete, habe er aber von Missbrauchsfällen nichts mitbekommen. Eine mögliche „Pestbeule“ seien aber die freiwilligen Nachmittags-Aktivitäten der Marianischen Congregation gewesen. „Das war eine abgeschlossene Gruppe, zu denen auch die Patres gehörten, von denen wir jetzt die schlimmen Geschichten hören.“

dpa

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