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Panorama Bestürzung im Heimatdorf des Opfers der S-Bahn-Attacke
Nachrichten Panorama Bestürzung im Heimatdorf des Opfers der S-Bahn-Attacke
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19:58 14.09.2009
Dank am S-Bahnhof Solln in München für die Zivilcourage des Opfers.
Dank am S-Bahnhof Solln in München für die Zivilcourage des Opfers. Quelle: ddp
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Der 50-Jährige starb für seinen Einsatz und seine Zivilcourage. Ein 17 und ein 18 Jahre alter Jugendlicher sitzen wegen Mordes in Untersuchungshaft. Ein weiterer 17-jähriger wurde als Mitinitiator festgenommen.

„Das besonders Bestürzende an dem Fall ist, dass der Mann alles richtig gemacht hat“, sagte Staatsanwalt Laurent Lafleur. Bestürzung auch in Ergoldsbach, dem niederbayerischen Heimatort des Opfers. Der Manager der mittelständischen Firma in der Region sei sympathisch, umgänglich und sozial engagiert gewesen, sagt der Bürgermeister des 7500-Einwohner-Ortes, Ludwig Robold. Zu seinem 50. Geburtstag habe der Jurist anstelle von Geschenken um Spenden für soziale Einrichtungen gebeten. Im Ort herrsche Fassungslosigkeit. „Man fragt sich natürlich: Wo liegen die Ursachen dafür, dass es so eine Verrohung gibt, dass es bis zum Mord geht.“

Der Überfall am Sonnabendnachmittag dauert nur Minuten, die Polizei kann nicht mehr helfen. Die Beamten treffen ein, als der 50-Jährige bewusstlos auf dem Boden liegt. Die Ärzte können sein Leben nicht mehr retten. Er stirbt im Krankenhaus. Dabei ging es praktisch um nichts: Die Jugendlichen hatten 15 Euro von den Kindern verlangt, denen der 50-Jährige zu helfen versuchte. An dem S-Bahnhof erinnern nun Blumen und Kerzen an die Schreckenstat. Ob Passaten die Chance gehabt hätten, Schlimmeres zu verhindern, sollen die Ermittlungen klären. Bisher gebe es dafür keine Hinweise, sagt der Chef der Mordkommission Markus Kraus. Die vier Kinder, vor die sich der Manager gestellt hatte, hätten die Schläger zu stoppen versucht und zum Aufhören aufgefordert.

Die beiden Haupttäter wie auch der dritte Beschuldigte waren bereits mehrmals straffällig geworden. Sie hatten gestohlen, erpresst oder geschlagen, auch Drogenbesitz gehörte bei einem von ihnen zu den Delikten. Der 18-Jährige hat sich entschuldigt. Er bedauere seine Tat zutiefst und könne sich nicht erklären, wie es zu diesem Blackout kommen konnte, sagte sein Anwalt der Münchener „tz“. „Ich wollte nicht, dass der Mann stirbt“, zitiert der Anwalt seinen Mandanten.

Seine beiden 17-jährigen Begleiter waren seit einigen Monaten in einem Haus der Suchthilfeeinrichtung Condrobs untergebracht. „Es geht um sehr schwierige Jugendliche“, sagte Condrobs-Vize und SPD-Landtagsabgeordnete Hans-Ulrich Pfaffmann. „Diese Eskalation von Gewalt war nicht vorhersehbar“, sagte er. „Wir verurteilen solche Gewalttaten.“ Dennoch befürchtet er: „Es ist nicht das erste Mal - und es wird auch nicht das letzte Mal bleiben.“

von Sabine Dobel

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