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Panorama Bettencourt-Erbstreit bringt Pariser Minister in Not
Nachrichten Panorama Bettencourt-Erbstreit bringt Pariser Minister in Not
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19:11 22.06.2010
L’Oréal-Milliardenerbin Liliane Bettencourt Quelle: ap
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Der erbitterte Erbstreit zwischen der L’Oréal- Milliardenerbin Liliane Bettencourt (87) und ihrer Tochter bringt immer mehr auch die französische Regierung in Not. Der als künftiger Premierminister gehandelte Arbeitsminister Eric Woerth steht unter Rücktrittsdruck, weil seine Frau von Steuerbetrügereien der reichsten Frau Europas gewusst haben könnte. Florence Woerth arbeitete in der Vergangenheit als Vermögensberaterin für die Großaktionärin des Kosmetikkonzerns. Sie hat bereits angekündigt, den Job bei Bettencourt aufzugeben.

Woerth verteidigte am Dienstag seine Frau. „Sie hat sich nichts vorzuwerfen, und ich mir auch nicht“, versicherte er im Rundfunk (RMC). „Ich habe ausreichend gegen Steuerbetrug gekämpft, um unter keinerlei Verdacht zu stehen.“ Rückendeckung bekam er wenig später von Premierminister François Fillon. Sein Minister habe keinen Fehler gemacht und genieße sein vollstes Vertrauen, sagte Fillon. Er denke nicht an Rücktritt, bekräftigte Woerth.

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Der 54-jährige Woerth war bis vor kurzem Haushaltsminister von Präsident Nicolas Sarkozy und zudem Schatzmeister von Sarkozys Partei UMP. Seine Frau Florence Woerth arbeitet als Direktorin Research and Investment in Bettencourts „Home Office“ (privater Vermögensverwaltung) Clymène. Die reichste Frau Europas mit einem geschätzten Vermögen von rund 16 Milliarden Euro spendete legal für UMP-Politiker, darunter Woerth und Sarkozy. Woerth werden daher Interessenkonflikte unterstellt. Der unbewiesene Verdacht beruht auf illegalen Aufnahmen von Gesprächen im Hause Bettencourt durch den Chefbutler.

Am Montag gab Liliane Bettencourt überraschend indirekt Steuerhinterziehung zu. Die Milliardärin ließ mitteilen, dass sie ihre Auslandsguthaben steuerlich in Ordnung bringen wolle. Woerth erklärte, seine Frau werde in den nächsten Tagen ihre Arbeit für Clymène einstellen. „Sie versteht sich schlecht mit ihrem Chef. Er wollte sie entlassen“, sagte Woerth. Clymène-Chef Patrice de Maistre hatte erklärt, Woerth habe auf die Anstellung seiner Frau gedrängt.

Bettencourts Tochter Françoise Bettencourt-Meyers wirft ihrer Mutter vor, nicht immer Herr ihrer Sinne zu sein und einem Freund fast eine Milliarde Euro geschenkt zu haben. Die abgehörten Gespräche sollten offenbar beweisen, dass Bettencourt senil sei und ausgenutzt werde. Die Geschichte bekam mit der Veröffentlichung der Aufnahmen durch die Internetsite mediapart eine politische Wende, weil Woerth in den Fokus geriet. Außerdem kam der Verdacht auf, Sarkozy wolle über einen ihm nahe stehenden Staatsanwalt im Rechtsstreit der beiden Frauen zugunsten der Mutter eingreifen.

Woerth kündigte Klagen seiner Frau gegen den sozialistischen Politiker Arnaud Montebourg an, der ihr „Organisation des Steuerbetrugs von Frau Bettencourt“ vorgeworfen hatte. Außerdem will Florence Woerth gegen die frühere Star-Untersuchungsrichterin Eva Joly wegen Verleumdung vorgehen. Die Grünen-Politikerin hatte Woerths Rücktritt wegen „unglaublicher Interessenkonflikte in Bezug auf seinen angeblichen Kampf gegen Steuerparadiese“ verlangt.

dpa