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Panorama Blitzer-Attrappe soll Raser bremsen
Nachrichten Panorama Blitzer-Attrappe soll Raser bremsen
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10:29 12.11.2018
Rüdiger Koschke (56) hat eine Blitzer-Attrappe gebaut. Quelle: Holger Kröger
Travemünde

Ein Campingplatz mit einer Pizzeria, ein Hotel, ein Bauernhof mit Hofladen, ein paar Ferienwohnungen, vor allem aber Einfamilienhäuser mit großen Gärten: Das ist der Travemünder Ortsteil Ivendorf. Ein Dorf, wie auch Ann-Christin Hexel (39) es bezeichnet, die hier aufgewachsen ist und deren Töchter Karla (3) und Leonie (11) ebenfalls hier aufwachsen. Doch seit die Travemünder Landstraße Richtung Travemünde als Hafen-Sicherheitsgebiet gesperrt wurde, ist in Ivendorf nichts mehr, wie es war.

„Die reinste Rennstrecke“

„Eine Katastrophe“, sagt Christel Boy, die mit ihrem Mann Helmut eines der Einfamilienhäuser an der Ivendorfer Landstraße bewohnt und eine Ferienwohnung vermietet. „Es ist die Hauptverkehrsstraße geworden, die reinste Rennstrecke. Baustellen-Fahrzeuge, Lkw, Pkw, alle fahren hier vorbei, das fängt morgens um 5 Uhr an“, ereifert sich die 84-Jährige. „Meine Gäste kriegen gar keine Ruhe mehr.“ Selbst an Engpässen, also den Schikanen, die im Tempo-30-Bereich der Straße installiert sind, werde überholt, „viele bepöbeln sich gegenseitig.“

Schilder und Schikanen bringen nichts

„Wir machen die Stadt regelmäßig auf das Problem aufmerksam“, sagt Rüdiger Koschke. Zwar seien irgendwann die „Schikanen“ gebaut und Tempo-30-Schilder aufgestellt worden, „aber das hält keinen davon ab, zu schnell zu fahren“, sagt der 56-Jährige. Also griff er zur Selbsthilfe und bastelte eine Blitzer-Attrappe, die er zunächst gelegentlich in seinem Vorgarten aufstellte, seit Kurzem dauerhaft. „Es wurde bei Facebook wild darüber diskutiert, ob ich das darf.“ Er darf – auf eigenem Grundstück und das auch nur, wenn die Anlage nicht blitzt oder blendet. Dennoch könnte die Attrappe Folgen für Koschke haben: dann nämlich, wenn es zu Auffahrunfällen durch die Blitzer-Attrappe kommt.

Wenn es nach Koschkes Nachbarin Christel Boy ginge, „könnte in jedem Garten so eine Attrappe stehen.“ Oder, was sie natürlich bevorzugen würde: „Man müsste an der Straße einen festen Blitzer installieren.“

Alle fahren durchs Dorf

Übrigens empfinden nicht nur die älteren Ivendorfer die Verkehrsmenge und die Raserei in ihrer Hauptstraße als schlimm. Auch Ann-Christin Hexel, die zwar am Frankenkrogweg in Ivendorf wohnt, aber mit ihren Töchtern und Hund häufig ihre Eltern in der Ivendorfer Landstraße besucht, teilt die Einschätzung. „Alle fahren durchs Dorf, die nach Travemünde wollen.“ Das sei die eigentliche Dramatik. Dass dabei auch noch extrem gerast werde, komme noch hinzu. „Teilweise fahren sie sogar gnadenlos über die Mittelinsel.“ Ihr Fazit: „Man ist froh, wenn man wieder heil von der Straße weg ist.“

Regelmäßige Tempo-Messungen

Stadtsprecherin Nicole Dorel weiß um die Problematik und verweist auf eine Statistik der Messeinsätze in diesem Jahr. Deren Anzahl zeige, „dass wir die Beschwerden der Anwohner ernst nehmen und regelmäßig vor Ort sind.“ Sie zeigt aber auch, dass objektiv keine dramatisch hohe Zahl an Tempo-Überschreitungen zu verzeichnen ist (siehe Grafik). Eine andere Erhebung zeigt, dass im Jahr 2004 – also ein Jahr vor der Sperrung der Travemünder Landstraße – binnen 24 Stunden insgesamt 2000 Fahrzeuge die Ivendorfer Landstraße nutzten, im Jahr darauf nur 1800. Bei der letzten Erhebung an einem Tag des Jahres 2015 waren es allerdings 2900, also deutlich mehr als vor der Sperrung.

Bodenschwellen & Co. wären kontraproduktiv

Im Rahmen des Mobilitätskonzeptes Travemünde habe die Verkehrsplanung bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung diskutiert – wie zum Beispiel Bodenschwellen. Allerdings habe man das letztlich als kontraproduktiv verworfen, weil eine Anordnung solcher Schwellen mit der Aufhebung von Tempo 30 einhergehen würde, „da in Ivendorf keine Rechtsgrundlage für die bestehende Geschwindigkeitsreduzierung besteht“, so Dorel. Im Klartext: Vorerst bleibt alles, wie es ist.

Zweite Haupterschließung in weiter Ferne

Helfen würde den Ivendorfern eine zweite Zufahrtsstraße nach Travemünde, weiß auch die Stadtsprecherin. Doch diese werde es vor 2025 nicht geben, weil diverse weitere Lösungs-Varianten für eine zweite Haupterschließung Travemündes gründlich geprüft werden müssten.

Von RND/Sabine Risch

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