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Panorama Braunbärin von Polizist in Kassel erschossen
Nachrichten Panorama Braunbärin von Polizist in Kassel erschossen
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17:56 19.04.2009
Zirkusdirektor Daniel Renz und dessen Sohn Dany (links) mit ihrer von der Polizei erschossenen Braunbärin Nena.
Zirkusdirektor Daniel Renz und dessen Sohn Dany (links) mit ihrer von der Polizei erschossenen Braunbärin Nena. Quelle: Andreas Fischer/ddp
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Beim Versuch, die Raubtiere zurückzudrängen, habe die Braunbärin „Nena“ unvermittelt einen 38 Jahre alten Polizisten angegriffen. In Notwehr habe der Beamte die 25-jährige Braunbärin mit seiner Pistole erschossen. Der Zirkus übte scharfe Kritik am Vorgehen der Polizei. Unklar ist, ob der Zirkus die notwendige Erlaubnis hatte, um die Raubtiere zur Schau zu stellen.

Das 180 Kilogramm schwere Weibchen „Nena“ war kurz nach 10 Uhr mit einem weiteren Bären aus dem Gehege des Zirkus ausgebrochen. Eine Autofahrerin entdeckte die Tiere und verständigte daraufhin die Polizei. Nach Angaben der Polizei bewegten sich die Tiere in Richtung der Bundesstraße 83 und einer Straßenbahnhaltestelle. Um die Tiere aufzuhalten, stellte einer der Beamten den Streifenwagen quer, der 38-Jährige versuchte, die Bären wieder in Richtung Zirkus zurückzudrängen.

Während die andere Bärin wieder eingefangen werden konnte, griff „Nena“ den 38-jährigen Polizisten an und biss ihm zweimal in die Wade. Daraufhin gaben die Polizisten nach ddp-Informationen zwischen fünf und sechs Schüsse auf das Tier ab, zwei verwundeten den Bären tödlich. Der verletzte Polizeibeamte wurde nach dem Angriff des Bären mit einer stark blutenden Verletzung in ein Kasseler Krankenhaus eingeliefert.

Der Zirkusbesitzer äußerte völliges Unverständnis über die Polizeiaktion. Das Braunbärenweibchen sei alt gewesen und habe kaum noch Zähne gehabt, sagte er auf ddp-Anfrage. Die Polizisten hätten die Zirkusverantwortlichen verständigen müssen, so dass diese den Braunbären hätten eingefangen können, fügte er hinzu.

Noch ist nach Angaben der Polizei völlig unklar, wie die Bären das Zirkusgelände verlassen konnten. In Zusammenarbeit mit dem Kasseler Ordnungsamt und dem Veterinäramt leiteten die Beamten deshalb Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung ein.

Ersten Erkenntnissen des Veterinäramtes zufolge hatte der Zirkus von der zuständigen Behörde keine Erlaubnis dafür erhalten, die insgesamt drei Braunbären gewerblich zur Schau zu stellen. Zur Begründung hieß es, dass den Verantwortlichen die Sachkunde über diese Tiere fehle. In einem Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk (HR) bestätigte der Zoodirektor die Verfügung. „Unser Experte ist sechs Wochen in Dänemark“, sagte er.

Wie die Bären überhaupt aus ihrem Gehege gelangten, konnte er sich nicht genau erklären, räumte aber gegenüber dem HR ein: „Na ja, die Tür war vielleicht nicht ordnungsgemäß gesichert.“

ddp