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Panorama Brennpunkt Hamburg: Polizei rätselt über Anschläge
Nachrichten Panorama Brennpunkt Hamburg: Polizei rätselt über Anschläge
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23:06 06.04.2010
Von Dirk Schmaler
Heißes Pflaster: Ausgebrannte Autowracks im Hamburger Stadtteil Groß Flottbek. Quelle: dpa
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Groß Flottbek, nahe der Elbe gelegen, ist ein beliebter Hamburger Stadtteil mit viel Grün. Der Espellohweg indessen gehört nicht eben zu den allerteuersten Adressen in Groß Flottbek. Die Autos am Straßenrand zeugen davon: Mittelklassemodelle, die zum Gutteil ihre besten Jahre schon hinter sich haben. Wie der 18 Jahre alte Audi 80, der in der Nacht zu Dienstag dort geparkt war. Vor einem Brandanschlag schützte das abwrackprämienfähige Alter jedoch nicht. Als der Besitzer gestern Morgen von Nachbarn herausgeklingelt wurde, stand der Wagen in Flammen – wie neun weitere Autos in der Straße.

In Hamburg werden Autos so häufig angezündet wie sonst nur in Berlin. Erst am Tag vor der Tat in Groß Flottbek hatten Unbekannte in Harvestehude sechs Oberklassemodelle abgefackelt. Allein seit Ende vergangenen Jahres brannten rund 200 Wagen in der Hansestadt.

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Die Behörden sind ratlos. Die Taten passieren nachts; bis das Feuer sichtbar wird, sind die Täter meist längst über alle Berge. Anders als in Berlin, wo vor allem von Zugezogenen „eroberte“ Szenestadtteile betroffen sind, seien in Hamburg alle Stadtteile im Visier, sagt Polizeisprecher Holger Vehren. „Die Ermittlungen sind sehr schwierig.“

Alarmiert von so viel Zündelei hat sich jetzt Bundesinnenminister Thomas de Maizière für ein härteres Vorgehen in Hamburg und Berlin gegen die Brandstifter ausgesprochen. Er will das Problem im Mai auf die Tagesordnung der Innenministerkonferenz von Bund und Ländern in Hamburg setzen. Der CDU-Mann vermutet einen politischen Hintergrund. In der autonomen Szene werde allein die Anschaffung eines großen Autos schon als Provokation gesehen.

Dabei haben die Hamburger Ermittler über die Motive und Täter bisher kaum gesicherte Erkenntnisse. Von politisch motivierten Taten geht Hamburgs CDU-Innensenator Christoph Ahlhaus zurzeit nicht aus. „Anders als vielleicht in Berlin handelt es sich in Hamburg in den meisten Fällen um Vandalismus“, sagt sein Sprecher. In der Hamburger Bürgerschaft steht die unaufgeregte Haltung des Innensenators jedoch in der Kritik – auch weil der keine Zahlen zu den Anschlägen nennt. „Brandanschläge bekämpft man nicht, indem man ihr Ausmaß verharmlost“, sagte Hamburgs SPD-Innenexperte Andreas Dressel am Dienstag.

Gegen einen Aufstand gegen die Reichen spricht nicht nur der alte, ausgebrannte Audi 80 von Groß Flottbek. Am Ostermontag zündete in Hamburg-Osdorf offenbar ein Junge zwei Autos an. Eine Streifenwagenbesatzung hatte zwei qualmende Fahrzeuge entdeckt, löschte das Feuer und bekam Hinweise auf ein Kind, das von den brennenden Autos weggelaufen war. Die Mutter meldete sich kurz darauf mit ihrem Sohn bei den Beamten. Der Verdächtige ist acht Jahre alt.