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Panorama Brüsseler Nahverkehr steht nach Gewalttat still
Nachrichten Panorama Brüsseler Nahverkehr steht nach Gewalttat still
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18:06 08.04.2012
Foto: Eine U-Bahnstation im Zentrum von Brüssel ist am Sonntag mit Flatterband abgesperrt. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs standen am Ostersonntag Busse und Bahnen still.
Eine U-Bahnstation im Zentrum von Brüssel ist am Sonntag mit Flatterband abgesperrt. Nach einem tödlichen Angriff auf einen Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs standen am Ostersonntag Busse und Bahnen still. Quelle: dpa
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Brüssel

Die Brüsseler Innenstadt sieht am Sonntag fast so aus wie an jedem anderen Wochenende – vielleicht ein wenig leerer. Das tödliche Drama, das sich nur einen Tag vorher in der Stadt abgespielt hat, ist ihr nicht ins Straßenbild geschrieben. Die Metrostationen jedoch sind mit Flatterband und Rolltoren verschlossen, hier und da läuft eine Rolltreppe ins Leere, weder Busse noch Bahnen fahren. Ein 56-jähriger Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs STIB war nach einem Unfall zwischen einem Auto und einem Bus von einem jungen Mann tödlich verletzt worden. Seine Kollegen lassen die Arbeit nun vorerst ruhen und verlangen mehr Sicherheit.

Die Touristen, die an diesem frischen, klaren Frühlingstag durch die Gassen um den historischen Markt und das Manneken Pis streifen, sind meist zu Fuß unterwegs. Die Tourbusse rollen unverdrossen. Einzelne Touristen stehen ratlos an öffentlichen Bushaltestellen. Denn nichts weist auf die Gewalttat gegen den Familienvater hin – kein Schild, kein Plakat, nicht einmal am Unglücksort selbst liegen Blumen.

Die STIB-Mitarbeiter wollen indes keinesfalls zum Alltag übergehen. Sie wollen erst wieder arbeiten, wenn sie am späten Montagnachmittag Belgiens Innenministerin Joëlle Milquet und weitere Politiker getroffen haben. Milquet versprach Vorschläge für mehr Sicherheit in Bussen und Bahnen – und die Mitarbeiter fordern sie auch ein.

Das Unternehmen übernehme viel zu häufig Aufgaben der Polizei, sagte ein STIB-Sprecher der Online-Ausgabe des öffentlichen Rundfunksenders RTBF. „Wir nehmen eine Rolle ein, die nicht unbedingt unsere ist.“

Die Sorge um die Sicherheit ist nicht neu. Bereits im Dezember forderten vier Brüsseler Stadtteil-Bürgermeister Innenministerin Milquet und ihre Justizkollegin Annemie Turtelboom in einem gemeinsamen Schreiben zum Handeln auf, wie die belgische Nachrichtenagentur Belga berichtet. Die Übergriffe im öffentlichen Nahverkehr seien dramatisch angestiegen: 2010 habe es insgesamt 3155 kriminelle Zwischenfälle im Brüsseler Nahverkehr gegeben, ein Zuwachs von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Überrascht vom Angriff auf den STIB-Mitarbeiter sei sie nicht, sagt eine Brüsselerin. „Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein Mitarbeiter der STIB angegriffen wird.“ Grundsätzlich unsicher fühle sie sich nicht. “Überall sind Kameras. Aber auch die werden im Einzelfall nicht verhindern, dass ein Kerl auf einen anderen losgeht.“

Auch Alkohol war wohl bei dem Angriff vom Samstagmorgen im Spiel. Der 28-jährige mutmaßliche Täter war laut Belga alkoholisiert. Er hatte sich am frühen Nachmittag der Polizei gestellt. Er habe nur einmal mit der Faust ins Gesicht des STIB-Mitarbeiters geschlagen, teilten seine Anwälte laut Belga mit. Er habe den Mann nicht töten wollen und sei zutiefst schockiert.

dpa

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