Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Brutales Handyvideo überführt Täter
Nachrichten Panorama Brutales Handyvideo überführt Täter
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:53 23.02.2010
Quelle: Tim Schaarschmidt (Symbolbild)
Anzeige

Immer wieder bekommt ein junger Mann schwere Tritte gegen den Kopf. Er wälzt sich zur Seite, drückt sein blutiges Gesicht in das Bettzeug. Über ihm auf der roten Schlafcouch steht ein 21-Jähriger, schimpft, gestikuliert, hört einfach nicht auf, mit klobigen Turnschuhen auf sein Opfer einzutreten. Zehn Minuten dauert das brutale Handyvideo, das der Polizei in Wolfenbüttel zugespielt wurde.

Tatort ist eine Wohnung im Stadtzentrum. Der Täter, ein 21-Jähriger aus einem Dorf zwischen Schladen und Wolfenbüttel, ist der Polizei als Gewalttäter bekannt; er steht unter Bewährung. Sein Opfer ist ein Mittdreißiger aus Wolfenbüttel. Worum es in der Auseinandersetzung ging, sei noch unklar, teilt die Staatsanwaltschaft Braunschweig mit. Der Geschädigte könne sich wegen der gezielt heftigen Tritte an den Kopf nicht erinnern, auch nicht daran, warum er sich in der Wohnung aufhielt, sagt Staatsanwältin Birgit Seel. Sie hat sich Ausschnitte aus dem Video angeschaut: „Ein schockierendes Dokument.“ Teilnahmslos schauen ein vermutlich 17-jähriges Mädchen und ein weiterer Bekannter der Tat zu. Ein Dritter filmt den Angriff mit seinem Handy – keiner der Anwesenden rührt auch nur einen Finger, als der 34-Jährige sich das Blut aus dem Gesicht wischt und apathisch die Tritte hinnimmt. Wie der Mann die Wohnung nach der Attacke verlassen hat, ist bisher unbekannt. Der 34-Jährige schleppte sich in der Nacht zur Polizei und wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Gesichtsverletzungen, Schwellungen und Schürfwunden, lautete die Diagnose der Ärzte.

Anzeige

Einzig die Exfreundin des Opfers nahm sich jetzt ein Herz. Als der „Filmer“ das Gewaltvideo im Freundeskreis des Täters und des Opfers zeigte, zog sie sich eine Kopie davon auf ihren Computer und brachte das Video zur Polizei, erklärt Seel. Auch der Geschädigte erstattete daraufhin Anzeige. Passiert ist die Tat bereits am 31. Januar, der Täter sitzt nun in Untersuchungshaft, Haftgrund: „Wiederholungsgefahr, weil er schon öfter als Gewalttäter in Erscheinung getreten ist.“

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig wirft dem 21-Jährigen gefährliche Körperverletzung vor. Ihm blüht eine Mindeststrafe von sechs Monaten, es könnten aber auch zehn Jahre daraus werden, sagt die Staatsanwältin. In Anbetracht der Bilder spricht sie von einer „eindeutig drastischen Straftat“; das gesamte Filmmaterial kennt bisher allerdings nur die Polizei, auch bei der Haftvorführung wurde es gezeigt.

Die Staatsanwaltschaft muss aber noch viele offene Frage klären: Das Tatmotiv ist bisher unbekannt. Auch das Video gibt darüber keinen Aufschluss, die Tonqualität sei zu schlecht. Sollte es sich bei der Tat um einen Raub handeln, dann hätte das drastische Auswirkungen auf das Strafmaß. Auch die Anwesenden in der Wohnung müssten mit Konsequenzen rechnen: Bei dem Filmer müsse noch geklärt werden, ob es sich um Beihilfe zu schwerer Körperverletzung handelt.

Tomas Krause