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Panorama Das war 2009 - so wird 2010
Nachrichten Panorama Das war 2009 - so wird 2010
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17:39 30.12.2009
Von Imre Grimm
Was bringt 2010? Die Faktenlage ist dünn, aber wir kennen ein paar Eckdaten.
Was bringt 2010? Die Faktenlage ist dünn, aber wir kennen ein paar Eckdaten. Quelle: ddp
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Verehrte Damen und Herren, es war mir eine Ehre, mit Ihnen die Gegenwart zu teilen. Das Jahr 2009 ist am Ende, und wer jetzt meint, das Ärgste wäre geschafft, der irrt: Glauben wir den Hellsehern, dann steht der Weltuntergang unmittelbar bevor.

Die blinde bulgarische Prophetin Baba Vanga, die 1996 im Alter von 85 Jahren (selbst für sie überraschend) starb, hat für 2010 den Beginn des Dritten Weltkriegs vorhergesagt – inklusive Atomwaffen. Er beginnt im November und endet vier Jahre später, worüber die Menschheit sich dann aber auch nicht mehr so richtig freuen kann, weil es sie gar nicht mehr geben wird.

So. Das war schon mal die ganz große Keule. Weltuntergang. Atomwaffen. Dritter Weltkrieg. Apokalypse. Huh.

Krieg und Castingshows

Es geht aber auch eine Nummer kleiner: Das britische Hellseher-Ehepaar Jane und Craig Hamilton-Parker aus dem beschaulichen südenglischen Eastleigh wagt die muntere Prognose, dass a) im kommenden Jahr eine Gruppe von süßen Chorknaben die britische Castingshow „The X Factor“ gewinnt und b) ein Kandidat in der neuen Staffel von „Big Brother“ ernsthaft verletzt wird (und das meint nicht die Menschenwürde).

Das zeigt die ganze Bandbreite der Themen, die die Menschheit in der Morgendämmerung eines noch unbenutzten Jahres so beschäftigt: Krieg und Castingshows. Das dazwischen nennt man Leben.

Niemand weiß irgendwas

Das Beste am neuen Jahr ist erst mal, dass es neu ist. Ansonsten gilt: Niemand weiß irgendwas. Wir schwanken zwischen Furcht und Vorfreude. Nackt und bloß liegt das Jahr 2010 vor uns, noch unbefleckt von Schmiergeldaffären, Fleischskandalen, singenden Krokodilen, zickigen Nachwuchsmodels, Sommerlochtieren, Promischeidungen, Koalitionskrächen, Kleinkriegen, Großkriegen, Kinderkriegen.

Jungfräulich leuchtet es herüber wie eine Verheißung, ein Versprechen auf ein besseres Leben. Noch lieben wir dieses Jahr 2010, denn es hat uns noch nicht enttäuscht. Es ist noch nicht zusammengebrochen unter der Last unserer Hoffnungen und Sehnsüchte und unserer Wünsche nach Frieden, Ruhe, Festanstellung und Zuckerkuchen.

Aber was wissen wir wirklich über die 365 Tage oder 8760 Stunden oder 525 600 Minuten oder 31.536.000 Sekunden, die vor uns liegen? Die Faktenlage ist dünn, aber wir kennen ein paar Eckdaten: Das Jahr 2010 ist – Ta-Dah! – das Internationale Jahr der Biodiversität, das Europäische Jahr der Indigenen Völker sowie das Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und Ausgrenzung.

Manches wird uns bekannt vorkommen

Es ist außerdem Elvis-Presley-Jahr (75. Geburtstag), Frédéric-Chopin-Jahr (200. Geburtstag), Robert-Koch-Jahr (100. Todestag), Arthur-Schopenhauer-Jahr (150. Todestag), Florence-Nightingale-Jahr (100. Todestag) und Mutter-Teresa-Jahr (100. Geburtstag). Mit anderen Worten: Das Jahr 2010 hat sich ziemlich viel vorgenommen.

Manches wird uns bekannt vorkommen. Denn die Zukunft, heißt es, ist nichts anderes als die Vergangenheit, die durch eine andere Tür wieder hereinkommt. Es erwarten uns: die Olympischen Winterspiele in Vancouver vom 12. bis 28. Februar (bei denen Mr. und Mrs. Hamilton-Parker zufolge übrigens eine noch ziemlich minderjährige Sportlerin eine Goldmedaille erkämpfen wird), die Eishockey-Weltmeisterschaft in Deutschland (7. bis 23. Mai), die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli), die offizielle Schnupftabak-WM im bayerischen Oberlauterbach (17. August) und die feierliche Hochzeit von Lisa Simpson – jedenfalls, wenn man der „Simpsons“-Folge „Lisas Hochzeit“ von 1995 Glauben schenkt.

Das kann Jahr heiter werden

Dazu kommen das zehnjährige Expo-Jubiläum in Hannover, 20 Jahre Deutsche Einheit, die Expo in Schanghai (1. Mai bis 31. Oktober), eine totale Mondfinsternis am 21. Dezember und – dem Computerspiel „SimCity“ zufolge – die totale Zerstörung von Boston (Massachusetts) durch einen fiesen, atomaren Zwischenfall. Bisschen Schwund ist halt immer.

Das dürfte dann wieder wettgemacht werden durch die zweifellos zauberhafte Hochzeit der schwedischen Kronprinzessin Victoria mit ihrem Daniel am 19. April. Das neue Jahr beschert uns außerdem neue Alben von Amy Winehouse, No Doubt, den Red Hot Chili Peppers, Amy Macdonald, Aerosmith, Britney Spears, Linkin Park, Kraftwerk und – Achtung! – den Scorpions. Dritter Weltkrieg, Schnupftabak-WM und ein neues Scorpions-Album – das kann Jahr heiter werden.

Stochern im Zukunftsnebel

So weit die Fakten. Jetzt die Prognosen. Professionelle Propheten haben ja von Berufs wegen keine Skrupel, selbst aus dürrstem Material noch Honig zu saugen. Das fing schon an mit den Herren Jesaja, Jeremia, Hosea, Amos, Habakuk und Ezechiel – ein Viertel des Alten Testaments besteht aus Stochern im Zukunftsnebel –, ging dann weiter mit Nostradamus, Kassandra, den römischen Auguren und dem Orakel von Delphi und führte bis hin zum Ehepaar Craig und Jane Hamilton-Parker.

Die unerschütterlichen Vollzeit-Vorhersager kündigen für 2010 noch folgende Ereignisse an: Osama bin Laden stirbt, Quantenphysiker gewinnen Elektrizität aus Wasser, und der Premierminister von Großbritannien wird bei einem „unfeinen Akt“ auf einer öffentlichen Toilette überrascht wie weiland George Michael.

Als sicher gilt außerdem: Karl-Theodor zu Guttenberg wird neuer James-Bond-Darsteller, Angela Merkel und Guido Westerwelle bekommen den Bambi 2010 als „Ehepaar des Jahres“, und Kristina Köhler macht endlich ihr Seepferdchen. Weitere Höhepunkte: Sigmar Gabriel und Andrea Nahles lassen sich scheiden, Roland Koch wird neuer ZDF-Chefredakteur, und im Sommer rettet die Bundesregierung wieder einmal die Weltwirtschaft und überweist 100 Trillionen Euro an die Sparkasse Bummfiedelhausen.

In der Welt des Fernsehens wird Johannes B. Kerner neues Aushängeschild beim Offenen Kanal Magdeburg, und Harald Schmidt geht mit einer Bühnenshow auf Tour: Er tanzt mit der Frisur von Herta Müller zu Texten von Herbert Achternbusch (Regie: Claus Peymann).

„Das Merkwürdigste an der Zukunft“, hat John Steinbeck mal geschrieben, „ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute, alte Zeit nennen wird.“

Frohes, neues Jahr!

30.12.2009