Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Namenswahl: Auf den Klang kommt es an
Nachrichten Panorama Namenswahl: Auf den Klang kommt es an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:14 24.02.2014
Glaubt man einer kürzlichen Umfrage, entscheidet der Klang über die Wahl des Vornamens für den Nachwuchs. Quelle: dpa (Symbolfoto)
Anzeige
Wiesbaden

Auf den Klang kommt es an, wenn moderne Eltern die Vornamen ihrer Kinder wählen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine Umfrage im Auftrag der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). „Die Vornamen müssen sich in erster Linie schön anhören“, sagt Andrea-Eva Ewels, Geschäftsführerin der GfdS.

Befragt wurden 1000 Eltern in Deutschland, ein Viertel davon mit noch minderjährigen Kindern. Für drei Viertel dieser jungen Eltern gibt der Wohlklang den Ausschlag - in früheren Jahrzehnten war dagegen anderes wichtiger: Ein Name sollte Tradition haben und schon mal in der Familie vorgekommen sein. Auf den guten Klang achteten eher die Bildungsbürger. Für Eltern mit einfacher Bildung ist heute wichtiger, dass ihre Kinder mit dem Namen nicht diskriminiert werden - über Kevin und Chantal ist zu lange gelacht worden.

Anzeige

Ein überraschender Befund der Studie, die am Dienstag in Wiesbaden vorgestellt werden soll: Bei Mädchen ist den jungen Eltern der ästhetische Klang des Namens wichtiger (79 Prozent) als bei Jungen (65 Prozent). Das mag daran liegen, dass viele Männernamen vor allem für Stärke und Würde stehen - bei den altdeutschen Namen Horst und Gerhard wie bei den modischen antiken Namen Alexander und Maximilian.

Trend zu androgynen Namen

Dass Frauennamen häufig auf einem Vokal enden, führt Frauke Rüdebusch, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der GfdS, darauf zurück, dass sie dadurch einen weichen Klang erhalten. So bringen Namen wie Maria oder Mia „sofort Weiblichkeit zum Ausdruck“. Dieser Trend sei indes auch bei Jungennamen wie Noah oder Luca zu erkennen - die Namen würden androgyner, sagt Rüdebusch.

Eine Zufallsumfrage auf der Straße erbringt ähnliche Ergebnisse. Da ist zum Beispiel die Mutter der 12-jährigen Bianca. Sie entschied sich für den Namen, weil „er sich besonders schön anhört“. Auch für die Mama von Nicolas spielte das die ausschlaggebende Rolle. Zudem sollte der Name modern, aber nicht zu beliebt sein. Und er sollte zum Nachnamen passen.

Anregungen zur Namensgebung holen sich werdende Eltern meist bei Verwandten und Freunden (31 Prozent), eher selten in Literatur oder Film (8 Prozent), wie das Umfrageinstitut Allensbach ermittelte.

Aber ob es den Eltern wirklich so leicht fiel, einen geeigneten Namen für ihr Kind zu finden? Einem Drittel will es sehr leicht gefallen sein, rund der Hälfte eher leicht. Diesen Befund nehmen die Forscher nicht ganz ernst: Vermutlich hätten viele Befragte die langen Diskussionen verdrängt. Die Eltern von Nicolas beispielsweise überlegten etliche Monate, bis sie sich auf einen Namen einigen konnten. Biancas Mutter überließ die Entscheidung ihrem Mann.

Der Trend zu zwei oder mehr Vornamen

Doppelnamen, vor 20 oder 30 Jahren ziemlich out, sind wieder schwer im Kommen. Mittlerweile bekommt mehr als jedes dritte Kind zwei oder mehr Namen. Da könne es schon einmal vorkommen, dass es zwei Carl-Gustavs in einem Kindergarten gebe, erzählt Ewels.

Nach ihrer Einschätzung hat sich die Beliebtheitsskala der Kindernamen in Deutschland in den letzten Jahrzehnten nicht so verändert wie man denken könnte. „Eigentlich würde ich mehr Kreativität und Innovation bei der Namensgebung erwarten“, sagt sie.

Jedes Jahr sammelt die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) bei den Standesämtern die am häufigsten vergebenen Vornamen in Deutschland.
Maximilian und Alexander, Sophie und Marie gehören seit Jahren zu den Top-Ten.

Auch der renommierte Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld nimmt an, dass ein guter Klang besonders wichtig für Eltern ist. Daneben zählen andere Gründe: „Viele Eltern suchen nach einem möglichst einzigartigen Vornamen, andere suchen bewusst einen Namen aus, der gerade verbreitet ist.“ Bielefeld veröffentlich unabhängig von der GfdS jedes Jahr eine eigene Liste mit den beliebtesten Vornamen in Deutschland. Er kommt dabei häufig auf andere Ergebnisse als die Gesellschaft. 2013 lagen für ihn Mia und Emma, Ben und Luca auf den vordersten Plätzen.

dpa

Mehr zum Thema
Aus der Stadt Beliebteste Vornamen in Hannover - Sophie und Elias
 sind die Spitzenreiter

Hannovers Eltern haben ihren eigenen Kopf – ihren Kindern geben sie überwiegend andere Namen, als im Bundesdurchschnitt üblich. Bei den Mädchennamen war 2013 Sophie der Renner – wie schon in den beiden Vorjahren. 157 hannoversche Neugeborene werden damit durchs Leben gehen.

Bärbel Hilbig 02.01.2014

Die Deutschen bleiben sich beim Namensgeschmack für neue Erdenbürger treu. Klassiker wie Marie und Maximilian führen ein Ranking der Uni Leipzig an. Aber weil die Vielfalt stetig steigt, haben auch Dexter und Melody durchaus Fans.

Deutsche Presse-Agentur dpa 12.03.2013

Klassiker wie Marie und Maximilian zählen zu den beliebtesten Baby-Vornamen. Standesbeamte und Experten beobachten aber auch: Der Trend zu ungewöhnlichen Namen nimmt zu.

Deutsche Presse-Agentur dpa 12.03.2013
Panorama Schumacher im Aufwachprozess - Entgegen aller Gerüchte
24.02.2014
Panorama Interview zum Pistoruis-Prozess - Ein sensibler Fall
24.02.2014
Panorama Aufstand im Gefängnis - Häftling bei Schießerei getötet
23.02.2014