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Panorama Der Held von der Straße: Karl Malden ist gestorben
Nachrichten Panorama Der Held von der Straße: Karl Malden ist gestorben
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20:48 02.07.2009
Von Stefan Stosch
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Natürlich hat Karl Malden auch einen Stern auf dem Walk of Fame. Quelle: Frazer Harrison/afp
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Er gewann einen Oscar – als Rivale von Marlon Brando in „Endstation Sehnsucht“ (1951). Wenig später war er schon wieder für den Oscar nominiert – für seine Rolle als Priester in dem Gewerkschaftsdrama „Die Faust im Nacken“ (1954), ebenfalls mit Superstar Brando und ebenfalls inszeniert von seinem Mentor Elia Kazan. Karl Malden war in Hollywood ein Begriff für Qualität, galt als hart arbeitender Schauspieler. Er spielte in 70 Kinofilmen – oft sogenannte einfache Menschen, Arbeiter oder Soldaten. Und doch wird Karl Malden außerhalb Amerikas in Erinnerung bleiben als Fernsehheld mit Hut und Knollennase: In den Siebzigern tat er Dienst als Polizist in den „Straßen von San Francisco“. Im Alter von 97 Jahren ist der Schauspieler jetzt in Los Angeles gestorben.

Maldens Detective Lt. Mike Stone lieferte sich rasante Verfolgungsjagden in der hügeligen Westküstenstadt, blieb aber stets die Ruhe selbst. Den Überschwang seines jungen Kollegen Steve Keller – gespielt von einem noch unbekannten ­Michael Douglas – bremste er mit väterlicher Bestimmtheit. Manchmal hatte man das Gefühl, dass das Verhältnis zwischen dem damals 60-Jährigen und seinem knapp halb so alten Begleiter im wirklichen Leben nicht so viel anders war: „Er war phantastisch. Er hatte eine enorme Disziplin“, hat Douglas über Malden gesagt, bevor er ihm 2004 einen Oscar fürs Lebenswerk überreichte.

119 Episoden der Krimiserie wurden gedreht und waren von 1974 an auch in Deutschland ein Erfolg. 1992 schlüpfte Malden in dem Spielfilm „Zurück auf die Straßen von San Francisco“ noch einmal in die Rolle als Lt. Stone – ohne Douglas an seiner Seite.

Malden wurde 1912 geboren als Mladen George Sekulovich, Sohn einer tschechischen Mutter und eines serbischen Vaters. Nach dem vorzeitigen Abgang von der Universität arbeitete er als Stahlarbeiter. 1933 entschloss er sich – gegen den Rat der Familie –, eine Schauspielausbildung zu beginnen. Er ging an den New Yorker Broadway, wo er für Kazan in „Endstation Sehnsucht“ spielte. In den Sechzigern war Malden ein gefragter Charakterdarsteller in Kriegs-, Gangster- und Westernfilmen – oftmals in Nebenrollen.

Dass seine Arbeit schließlich stärker mit dem Fernsehen als mit dem Kino verbunden war (seinen letzten Auftritt hatte er 2000 in der Serie „The West Wing“), hat ihn nie gestört: „Ich liebe jeden Film, in dem ich mitgespielt habe, auch die schlechten, jede TV-Serie, jedes Stück“, hat er gesagt. Es waren eindeutig aber mehr gute als schlechte Filme darunter.