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Panorama Der schwarze Block: So sehen die neuen Küchentrends aus
Nachrichten Panorama Der schwarze Block: So sehen die neuen Küchentrends aus
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11:00 16.02.2019
Ein guter Grund, mal alles schwarzzusehen: Auch Landhausküchen gibt es mittlerweile mit dunklen Fronten. Quelle: Nolte Küchen
Hannover

Egal ob Landhausküche, Studentenküche oder Designerküche: Kunden, die sich für eine weiße Küche entschieden, konnten sich jahrzehntelang auf der sicheren Seite fühlen – sowohl aus modischen als auch praktischen Gesichtspunkten.

Die Farbe gilt als zeitlos, passt zu allem und gilt zudem noch als besonders hygienisch. Schließlich weiß jeder, der einmal eine Küche geputzt hat, dass Flecken auf hellen Oberflächen zwar deutlich zu erkennen sind, Fingerabdrücke wiederum glücklicherweise nicht.

Nun aber vollzieht sich in der Küchenwelt eine Zeitenwende. Die Farbe Schwarz schickt sich an, die bisherige Farbenlehre über den Haufen zu werfen. Nicht nur in zahlreichen Einträgen von Einrichtungsbloggern sind die schwarzen Küchen längst allgegenwärtig.

Schwarz, schlicht, edel: Aufgeräumtes Design von Bulthaup. Quelle: Buthaup

Auch als Europas Küchenbauer zu Beginn des Jahres auf der Living Kitchen in Köln zusammen kamen, hatte jeder Hersteller ein bisschen Schwarz im Gepäck. Für Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) steht bereits fest: „Die schwarze Küche wird sich langfristig durchsetzen.“ Das sei in Küchendingen fast schon eine Revolution.

Ganz unvermittelt kommt die Zeitenwende jedoch nicht. „Schon seit einiger Zeit wird die Küche immer dunkler. Vom Weiß kamen wir zu Beige, von Beige zu Grau, von Grau zur Betonoptik, zu dunklen Hölzern und Marmor“, sagt Geismann. An sattes, tiefes Schwarz aber traute sich bis vor Kurzem kaum jemand heran. Die Farbe wirke kühl, sie mache die Räume klein, jedes Staubkorn und jeder Fettfleck seien darauf zu sehen, hieß es.

Klare Linien und starke Kontraste: Schwarzer Küchenblock mit weißen Schrankfronten von Poggenpohl. Quelle: Poggenpohl

Dass Hersteller wie Kunden inzwischen anderer Meinung sind, liegt in erster Linie an der Erfindung neuer Materialien und Lichtkonzepte. Wer in seiner schwarzen Küche nicht nur eine nackte Glühbirne von der Decke baumeln lässt, sondern an Schränken und Decke mit einer Vielzahl LED-Spots und -Leisten arbeitet, kann den Raum zum Strahlen bringen – und sei er noch so klein.

Ihren Durchbruch aber hat die Farbe Schwarz den modernen Oberflächenmaterialien zu verdanken. Neben speziellen Lacken, Folien und Hölzern sind es vor allem die Anti-Fingerabdruck-Beschichtungen, die die dunkle Farbe in der Küche anwendbar machen.

Dabei handelt es sich um ein dünnes Furnier, das nanotechnisch so strukturiert ist, dass weder klebrige Kinderhände oder fiese Reinigungsmittel noch heiße Töpfe oder kratzende Messer ihm etwas anhaben können.

Schwarz kann – kombiniert mit Holz und Metall – überraschend warm und behaglich wirken. Quelle: Koelnmesse GmbH

Was alle Materialien unterschiedlicher Hersteller eint und mit anderen Materialien für Fronten, Arbeitsflächen oder Tischplatten verbindet, sind die weiche Haptik und ruhige Optik. Hochglanz war gestern, jetzt ist Matt angesagt. Vom Softlack bis zum sägerauen Holzfurnier sind Natürlichkeit, Tiefe und Wärme angesagt. Auf unnötiges Blendwerk und spiegelnde Reflexionen wird immer häufiger verzichtet – vor allem in einer schwarzen Küche.

Diese nämlich, das haben die Hersteller erkannt, strahlt auch bei aller Sanftheit noch etwas Edles und Anmutiges aus, ohne wiederum zu abgehoben zu wirken. „Schwarz ist nicht nur zeitlos-elegant, sondern auch kombinationsstark“, schreibt etwa der ostwestfälische Küchenhersteller Nolte.

Erstaunlich anpassungsfähig: Die dunklen Küchen setzen Akzente, ohne sich aufzudrängen. Quelle: Buthaup

„Schwarz ist mysteriös, bescheiden und arrogant“, heißt es beim Luxusküchenbauer Poggenpohl. „Schwarz steht für Eleganz und Wertigkeit“, hört man aus dem Hause Nobilia. Offenbar sind sich die Produzenten einig, dass man die Küchenzukunft durchaus schwarzsehen kann, ohne allzu düstere Gedanken zu bekommen.

Die Abverkaufszahlen, weiß Ursula Geismann vom VDM, gäben ihnen recht. Die Zielgruppe für schwarze Küchen werde immer größer. Mutige, designverliebte Menschen hätten kein Problem damit, ihre weißen Oberschränke und Fronten auf den Müll zu schmeißen und gegen schwarze Korpusse und Türen zu tauschen, sagt die Möbelexpertin. „Viele sind froh, dass es in Küchenfragen endlich mal etwas Neues gibt.“

Von Sophie Hilgenstock

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