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Panorama Deutsche Bahn drosselt Tempo wegen Winterwetter
Nachrichten Panorama Deutsche Bahn drosselt Tempo wegen Winterwetter
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19:40 09.12.2012
Ein Intercity der Deutschen Bahn im Hamburger Hauptbahnhof.
Ein Intercity der Deutschen Bahn im Hamburger Hauptbahnhof. Quelle: dpa (Archiv)
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Berlin

Nach eisigen Wintertemperaturen und teils starkem Schneefall hat die Deutsche Bahn am Sonntag die Geschwindigkeit für den bundesweiten Fernverkehr auf 200 Stundenkilometer gedrosselt. Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme, um Betriebsschäden zu verhindern, sagte eine Unternehmenssprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Reisende müssten dadurch derzeit im Fernverkehr mit Verspätungen von bis zu 30 Minuten rechnen. Zugausfälle habe es aber bislang aufgrund der Kälte noch nicht gegeben, sagte die Bahn-Sprecherin. Auch der Flugverkehr war wegen des Wetters stark beeinträchtigt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) sagte für die kommende Woche erneut winterliches Wetter voraus.

Nahe Gießen kamen bei einem Verkehrsunfall auf der Autobahn 480 zwei Menschen ums Leben, wie eine Polizeisprecherin sagte. Sieben weitere Menschen wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Kurz vor dem Reiskirchener Dreieck hatte die tief stehende Sonne am Samstag mehrere Verkehrsteilnehmer so stark geblendet, dass sie auf dem vereisten Standstreifen anhielten. Dabei kam es zu dem folgenschweren Auffahrunfall mit mehreren Fahrzeugen.  

Spiegelglatte Straßen  

Hunderte Male krachte es auch am Sonntag bundesweit auf spiegelglatten Straßen. In vielen Fällen blieb es bei Blechschäden - dennoch gab es auch zahlreiche Verletzte. Allein in Nordrhein-Westfalen zählte die Polizei zwischen Samstagmorgen und Sonntagmittag 480 Unfälle. Dabei wurden 54 Personen verletzt, sechs von ihnen schwer. Der Gesamtschaden wird auf mehr als 1,5 Millionen Euro geschätzt.  Auf den Autobahnen 1 beim Bremer Kreuz und auf der A 7 bei Soltau gab es Behinderungen wegen Unfällen mit Lastwagen. Bei einem riss der Dieseltank auf, 200 Liter Treibstoff liefen auf die A 7 aus.

Am Frankfurter Flughafen mussten am Sonntag laut einer Sprecherin aufgrund von Schnee und Eis bis zum Nachmittag 270 Flüge annulliert werden. Zudem habe sich ein Flugzeugstau auf den Startbahnen gebildet, weil sich durch den Schneefall zahlreiche Abflüge verzögert hatten. Zeitweise sei der Flughafen auch für ankommende Flugzeuge gesperrt gewesen.

In Sachsen-Anhalt wurde die Leiche einer Frau im Schnee entdeckt. Nach bisherigen Erkenntnissen spreche vieles dafür, dass sie erfroren ist, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Die Identität des Opfers, die in Dessau gefunden worden war, war zunächst unklar. Dagegen konnte ein Mann in Mecklenburg-Vorpommern in der Nacht zu Sonntag glücklicherweise noch vor dem Kältetod gerettet werden. Der 32-Jährige hat nach Polizeiangaben unterkühlt und zeitweise bewusstlos auf einem Fahrradweg in einem Waldgebiet gelegen. Er wurde mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht.

In Schleswig-Holstein fror ein Reh auf dem Eis eines Sees bei Eutin fest. Eine Hubschrauberbesatzung der Bundespolizei konnte das Tier retten.  

Eisweinernte bei Minusgraden  

Der strenge Frost bedeutete für viele Eisweinleser hingegen ein ertragreiches Wochenende. Bei strengen Minusgraden fuhren die Winzer in Unterfranken am Sonntag zur Lese in die Weinberge, bereits einen Tag zuvor pflückten die Winzer in der mitteldeutschen Saale-Unstrut-Region die gefrorenen Trauben. Auch in Hessen wurde mit der Eisweinlese begonnen.

Bei Schnee und Sonne nahmen am Wochenende auch zahlreiche Skilifte - selbst in niederen Lagen - erstmals in dieser Saison den Betrieb auf. Zum Start der Skisaison im Sauerland in NRW waren am Samstag fast 40 Lifte geöffnet, wie eine Sprecherin sagte. Auch der bundesweit nördlichste Skilift am Bungsberg in Schleswig-Holstein mit gerade einmal 168 Metern Höhe wurde nach Angaben des Betreibers wieder für Skifahrer freigegeben.  

Der DWD geht in den nächsten Tagen weiter von winterlichem Wetter aus. „Schnee, Eis und Frost werden uns auch im Laufe der Woche begleiten“, sagte Meteorologe Helmut Malewski. Am Montag gebe es weitere Niederschläge, die im Westen und Nordwesten meist als Regen und im Süden und Osten als Schneeregen oder Schnee fallen. Im Bergland könne es wegen stürmischen Windes Schneeverwehungen geben. Die Höchsttemperaturen schwanken zwischen minus drei Grad im ostbayerischen Bergland und fünf Grad auf den Nordseeinseln. In der Nacht zu Dienstag soll dann wieder durchweg Schnee fallen.

dpa/dapd/frs

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