Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Deutsche Bergsteiger stürzten 400 Meter in die Tiefe
Nachrichten Panorama Deutsche Bergsteiger stürzten 400 Meter in die Tiefe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 04.07.2012
Fünf deutsche Bergsteiger sind in der Nähe der Ortschaft Saas-Grund in den Walliser Alpen am Dienstag in den Tod gestürzt. Quelle: dpa
Anzeige
Saas-Fee

Fünf deutsche Bergsteiger sind in den Schweizer Alpen auf dem Rückweg vom Gipfel eines Viertausenders in den Tod gestürzt. Unter den Opfern sind mehrere Jugendliche. Nur ein Mann aus Berlin überlebte die Tragödie an einer Steilwand am Lagginhorn. Seine 14-jährige Tochter und sein 19-jähriger Sohn starben. Trotz chneller Rettungsaktion kam nach dem Unfall jede Hilfe zu spät, wie Polizei und Bergwacht am Mittwoch erläuterten.

Der 19-Jährige verunglückte genau einen Tag vor seinem 20. Geburtstag. Sein Vater hatte die Sechser-Gruppe, die am Dienstagmorgen von einer Berghütte im Saastal aufgebrochen war, kurz vor dem Gipfel wegen eines Schwächeanfalls verlassen. Der Unfall war der schlimmste, den es seit Jahren bei Bergtouren in den Alpen gab.

Anzeige

Bei dem Unglück starben auch ein 43-Jähriger und dessen Sohn (16) sowie ein 20-jähriger Mann, sagte Polizeisprecher Renato Kalbermatten. Vater und Sohn kommen aus Waldlaubersheim im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz, der 20-Jährige aus Bielefeld in Nordrhein-Westfalen.

Am Abend trafen einige Angehörige der Toten im Kanton Wallis ein. Es sei dort aber keine Trauerfeier oder Ähnliches geplant, sagte der Walliser Polizeisprecher Renato Kalbermatten. „Die Angehörigen klären die Rückführung der sterblichen Überreste mit Unterstützung der deutschen Botschaft und der hiesigen Behörden.“

Die Hobby-Alpinisten waren in der Frühe von der Weissmieshütte im Saastal aufgebrochen. Sie erklommen das 4010 Meter hohe Lagginhorn und waren auf dem Rückweg, als sie kurz vor 13 Uhr unweit des Gipfels abstürzten. Die Bergsteiger seien etwa „400 Meter in die Tiefe gestürzt, eine steile Felsflanke hinunter“, sagte der Chef der Bergrettung Saas-Fee, Bergführer Rolf Trachsel.

Der zurückgebliebene Vater aus Berlin rief die Berghütte an, als er den Absturz bemerkte, berichtete der dort tätige Mitarbeiter Norbert Burgener. „Ich habe dann sofort den Rettungsdienst alarmiert.“ Die Bergretter seien mit Hubschraubern zur Unglücksstelle geflogen, wo sie aber nur noch die Leichen gefunden hätten. Sie wurden ins Tal gebracht.

Über die Ursache der Tragödie gab es Spekulationen. Nachdem es zunächst hieß, ein Mitglied der Gruppe sei möglicherweise ausgerutscht und habe die anderen an Seilen mit nach unten gezogen, erklärte Polizeisprecher Kalbermatten: „Gemäß ersten Erkenntnissen waren die Bergsteiger zum Unfallzeitpunkt nicht angeseilt.“ Die Polizei blieb auch am Abend bei dieser Darstellung.

Hingegen sagten Bergretter, die anonym bleiben wollten, dass die Gruppe sehr wahrscheinlich an einem Seil ging. Trachsel vermutete, dass sich auch Schneemassen gelöst haben könnten. Möglich sei auch ein plötzliches Überfrieren von Bergvorsprüngen, so dass die Gruppe auf Glatteis ausgerutscht sein könnte.

Andere Bergsteiger in der Lagginhorn-Region hatten Schweizer Medien gesagt, sie seien wegen Nebels sicherheitshalber umgekehrt. Es habe zudem in diesem Teil der Walliser Alpen Neuschnee gegeben. Als die Gruppe am Morgen aufgebrochen sei, habe jedoch im Gebiet der 2700 Meter hoch gelegenen Weissmieshütte bestes Wetter geherrscht, sagte eine Hütten-Mitarbeiterin. „Der Morgen war fantastisch.“ Erst im Laufe des Tages sei leichter Nebel um die Berggipfel aufgezogen.

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis leiteten Ermittlungen ein. Zur Ursache des Absturzes gebe es bislang zwar einige, aber noch keine hinreichenden Erkenntnisse, hieß es dort.

2011 kamen in der Schweiz beim Bergsteigen oder Bergwandern 151 Menschen bei 135 Unfällen ums Leben. 29 von ihnen waren ausländische Staatsangehörige. Laut der Zeitung „Blick“ war zuletzt im August 2011 ein Deutscher an dem Berg in den Schweizer Alpen zu Tode gestürzt. Und davor sei dort schon ein 28-jähriger deutscher Bergsteiger umgekommen.

Das Lagginhorn liegt etwa zehn Kilometer von der italienischen Grenze entfernt. Es gilt als „Seilbahn-Viertausender“ - der Name kommt daher, dass man mit der Bergbahn relativ weit nach oben gelangt. Der Normalweg, den auch die später verunglückten Bergsteiger wählten, wurde als „wenig schwierig“ eingestuft. Gerade wegen der Bergbahn ist der Gipfel sehr beliebt und wird oft begangen.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.


 

04.07.2012
04.07.2012
04.07.2012