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Panorama Deutsche Hilfe für Haiti angelaufen
Nachrichten Panorama Deutsche Hilfe für Haiti angelaufen
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16:11 15.01.2010
Einsatzkräfte des Roten Kreuzes helfen den Überlebenden. Quelle: ap
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Nach dem schweren Erdbeben in Haiti kommt auch die Hilfe aus Deutschland in Gang. So kauft die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) gemeinsam mit örtlichen Helfern Nahrungsmittel in dem bitterarmen Land. Entwicklungsminister Dirk Niebel sagte am Freitag in Berlin: „Ich bin sehr zufrieden damit, dass die deutschen Hilfsmaßnahmen unverzüglich angelaufen sind.“ Vor Ort haben die Helfer mit der zerstörten Infrastruktur zu kämpfen.

Die GTZ ist in der Hauptstadt Port-au-Prince aktiv. Über weitere Maßnahmen will die Bundesregierung in Kürze entscheiden. Als ersten Schritt stellte die Bundesrepublik 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Damit sollen 830.000 Einzelrationen Nahrungsmittel gekauft werden. Die Hilfsbereitschaft ist laut Niebel offenbar größer, als die Menge der Güter, die die Bevölkerung wirklich erreichen können.

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Die Unterstützung kommt nach Einschätzung von Hilfsorganisationen nur schleppend voran. Es seien bislang vor allem Spähtrupps im Land, die die Lage überprüften, sagte World-Vision-Mitarbeiter Urs Bernhard im ZDF. Die Organisation sei eine große Herausforderung. „Die Versorgung wird sich in den nächsten Stunden verschlechtern.“ Gebraucht würden Wasser, Nahrung und medizinische Versorgung.

100 Millionen Dollar aus Nothilfefonds

Weltbankpräsident Robert Zoellick sagte nach einem Gespräch mit Niebel, aus dem Nothilfefonds IDA seien Haiti 100 Millionen US-Dollar als Zuschuss zugesagt worden. Darüber hinaus solle ein Wiederaufbaufonds für das Land eingerichtet worden.

Niebel unterstützt nach eigenen Worten den Vorstoß des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der eine internationale Konferenz zur Unterstützung der Erdbebenopfer in Haiti fordert. Es müsse verhindert werden, dass die Hilfe wie nach dem Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 verpuffe. „Das wollen wir nicht“, sagte der Minister.

Die EU will sich am Montag treffen, um über Hilfe zu beraten. Am Dienstag soll in Berlin ein Spitzentreffen der Hilfsorganisationen zur Koordinierung der deutschen Beteiligungen an den Hilfsmaßnahmen stattfinden.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) will schon am (morgigen) Samstag eine mobile Klinik und medizinisches Personal in den verwüsteten Karibikstaat schicken. Dazu wurden Hilfsgüter in eine Frachtmaschine in Berlin verladen. In der Klinik können täglich etwa 200 Patienten behandelt werden. Das DRK schätzt die Zahl der Hilfsbedürftigen aber auf zwei bis drei Millionen Menschen. Die Hilfe sei nur ein Tropfen auf den heißen Stein, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters im ZDF.

Schon vor dem Beben zählte Haiti zu den ärmsten Ländern der Erde mit einer sehr hohen Kindersterblichkeit und einer Lebenserwartung zwischen 59 und 62 Jahren. Infektionskrankheiten wie Malaria, Typhus und Denguefieber sind verbreitet. Hilfsorganisationen sehen auch jetzt eine große Gefahr durch verunreinigtes Wasser.

Zahl deutscher Opfer unklar

Unterdessen ist weder die genaue Zahl der deutschen Staatsbürger vor Ort noch ihr Schicksal bekannt. Die deutsche Botschaft versuchte auch am Freitag, sich einen Überblick zu verschaffen. Auch über verletzte Deutsche oder Todesopfer sei dem Auswärtigen Amt nichts bekannt, sagte Sprecher Stefan Bredohl. Die Zahl der Deutschen in dem Karibikstaat, für den schon vor dem Erdbeben eine Reisewarnung bestand, sei überschaubar. Eine zweistellige Zahl Deutscher habe sich bei der dortigen Botschaft registriert, es bestehe aber keine Registrierungspflicht.

ap

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