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Panorama Deutschland droht Glatteis, Osteuropa zittert weiter
Nachrichten Panorama Deutschland droht Glatteis, Osteuropa zittert weiter
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20:15 13.02.2012
Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt müssen die Autofahrer im Norden weiterhin mit Glätte auf den Straßen rechnen. Quelle: dpa
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Berlin/Moskau

In Deutschland warnen die Meteorologen vor Glatteisgefahr. Nach zwei Wochen Dauerfrost und vielerorts zweistelligen Minusgraden werde es wieder wärmer. Kältehoch „Dieter“ sei Richtung Asien gezogen. Das bedeutet aber auch, dass sich die Straßen in Rutschbahnen verwandeln könnten – denn der tief gefrorene Boden erwärmt sich nicht so schnell, so dass Regentropfen sofort zu Eis gefrieren. Und Regen sei zu erwarten, sagen die Meteorologen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach voraus.

Reichlich Schnee packte Nordrhein-Westfalen am Montagmorgen weiß ein - das befürchtete Chaos auf den Straßen blieb aber aus. Allerdings gab es nach Polizeiangaben einige sehr lange Staus auf den Autobahnen. Am Düsseldorfer Flughafen ging am Montagmorgen zeitweilig nichts mehr, bis die Räummannschaften die Bahnen freihatten. Auch auf Brandenburger Autobahnen führten Glätteunfälle mit Lastwagen zu kilometerlangen Staus.

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Eis behindert Schifffahrt

Das Eis auf deutschen Flüssen behindert weiterhin die Schifffahrt. Auf dem Neckar geht nichts voran: Dickes Eis hindert die Frachter am Weiterkommen. „Derzeit haben wir 55 Schiffe, die die Fahrt einstellen mussten“, sagte Jörg Huber vom Wasser- und Schifffahrtsamt Heidelberg am Montag. Hier und an zahlreichen anderen deutschen Flüssen sind Eisbrecher im Einsatz.

Auch auf dem Main bremste das Eis die Schiffe. Auf 15 bis 20 Zentimeter schätzte der Schiffsführer Volker Brand auf dem Eisbrecher „von Pechmann“ die dicksten Stellen. Erst bei einer 80 bis 90 Zentimeter dicken Eisdecke komme auch er nicht mehr durch. Auf der Mosel ist das Eis derzeit bis zu zwölf Zentimeter dick. Zwei Eisbrecher bahtnen sich seit Montagmorgen den Weg durch den Fluss. Komplett für die Schifffahrt gesperrt war nach wie vor die Lahn.

Auf dem Rhein herrschte am Montag hingegen weiter relativ freie Fahrt. „Die Schiffe können wasserstandsbedingt natürlich nicht ihre volle Fracht aufnehmen“, sagte Hans Lösch vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Karlsruhe. In der Nähe von Emmerich kollidierten im Nebel zwei Frachtschiffe. Es entstanden nur ein paar Rumpfschäden.

Dramatische Situation in Russland

Dramatisch ist der Extremfrost hingegen in Russland und weiteren Ländern Osteuropas, wo die Zahl der Kältetoten steitg steigt. Allein Russland registrierte bis Montag 215 Menschen, die durch die Kälte gestorben sind. Zudem wurden mehr als 5500 Patienten wegen Erfrierungen und Unterkühlungen ärztlich behandelt, wie das Gesundheitsministerium nach Angaben der Agentur Interfax am Montag mitteilte. Auch die Ukraine, Polen, Tschechien, Rumänien und Serbien haben bereits zahlreiche Kältetote gemeldet. In Polen sind allein in der vergangenen Nacht fünf Menschen erfroren.

Russische Meteorologen sprechen vom härtesten Februar in 60 Regionen seit mehreren Jahrzehnten. Besonders betroffen war demnach der Süden des Landes, wo auch das völlig verarmte Konfliktgebiet Nordkaukasus liegt.

In Rumänien hat der eisige Winter innerhalb von 24 Stunden zu 6 weiteren Kältetoten geführt. Die Gesamtzahl stieg damit nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Bukarest am Montag auf 74. Der Süden des Landes wird nach Behördenabgaben von weiteren Schneestürmen heimgesucht. Der Schnee liegt stellenweise meterhoch, viele Dörfer sind weiterhin isoliert.

Die Zahl der Kältetoten in Tschechien ist seit Beginn der Frostperiode auf mindestens 28 gestiegen. Bergsteiger fanden bei der Stadt Bilina im Nordwesten Tschechiens am Montag in einer Felskluft die Leiche eines Mannes. Vermutlich handelt es sich um die sterblichen Überreste eines seit voriger Woche vermissten 41 Jahre alten Wanderers, der bei Temperaturen unter minus 20 Grad kaum eine Überlebenschance hatte. Am Sonntag starben ein 45 und ein 64 Jahre alter Mann jeweils vor ihrer Haustür an Erfrierungen, nachdem sie gestürzt waren.

Bulgarien rief nach einem neuen Schneeeinbruch die zweithöchste Alarmstufe orange aus. Vier Stauseen liefen über die Ufer. Eine Lawine stürzte auf die internationale Fernstraße von der Hauptstadt Sofia nach Mazedonien. Die Schneemassen sperrten die Fahrbahnen, doch dabei wurde niemand verletzt, wie das Staatsradio in Sofia berichtete. An 110 Schulen landesweit wurden die Kälteferien verlängert.

dpa/frs

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