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Panorama Deutschlands Kinder sind zufrieden
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11:31 26.11.2011
Von Reinhard Urschel
Kinder in Deutschland sind zufrieden - das ist das 
Ergebnis einer neuen Studie. Quelle: HAZ (Symbolbild)
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Berlin

Eine Kindheit in Deutschland darf man sich durchaus als glücklich vorstellen. Nun gut, Papa sollte weniger arbeiten und mehr Sport treiben mit dem Nachwuchs. Die Schule nervt, ist aber immerhin und erstaunlicherweise doch so beliebt wie das Daddeln am Computer. Auf einer Barometerskala von eins (schweres Gewitter) bis sieben (strahlender Sonnenschein) kreuzen die Jugendlichen zwischen neun und 14 Jahren im Schnitt den Wert von 5,5 an, kindgerecht ausgedrückt liegt ihr Lebensgefühl also bei heiter bis wolkig – so wie eine Kindheit nun mal ist. Wirklich durchweg traurige Stimmung haben sieben Prozent der Kinder im Land, ein Wert übrigens, der sich seit Jahren nicht verändert.

Weil es eine Bausparkasse bezahlt, kann ein Forschungsinstitut (Prosoz) seit mehr als zehn Jahren regelmäßig zehntausend Kinder in Deutschland nach ihrer Sicht auf die Welt befragen. Heraus kommt dabei das LBS-Kinderbarometer, das unter Pädagogen und Sozialforschern durchaus Beachtung findet. Dass man damit, wie der Studienleiter und Erziehungswissenschaftler Wassilios E. Fthenakis am Freitag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin behauptete, Einfluss auf die Bildungspolitik in Deutschland genommen habe, wirkte ein wenig übertrieben.

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Aber die Kernsätze der Studie rühren tatsächlich an die gerade gängigen Themen der Elternabende, Fernsehtalkshows und Bildungsgipfel: Stimmen die gängigen Vorstellungen davon, dass die Jugend von heute sportlich verkümmert, auf keinen Baum mehr klettern kann, weil sie beim Computerspiel nur die Daumen trainiert? Reden die Eltern zu wenig mit ihren Kindern? Und spielen sie selten mit ihnen? „Wir fragen die Betroffenen einfach selbst, was sie dazu sagen“, hält der Studienleiter stolz fest. Kinder nennt er übrigens „Kokonstrukteure unserer Zukunft“.

Nach den Antworten beim Kinderbarometer darf Entwarnung gegeben werden. Anja Beisenkamp, Leiterin des Prosoz-Instituts für Sozialforschung, hat es sehr hübsch ausgedrückt: „Schule und Computerspiele sind gleich beliebt als Freizeitevent.“ Gleich beliebt bedeutet in diesem Fall mäßig beliebt. Bei den Jungs liegt Sport treiben weit vorne als Lieblingsbeschäftigung.

Die Mädchen pflegen stattdessen Kontakte im Freundeskreis, aber daneben treiben auch sie sich gerne auf dem Sportplatz herum. Kinder aus Migrantenfamilien haben im erstrebenswerten Freizeitverhalten übrigens eine besondere Vorliebe. Sie nennen „Aktivitäten im Kreis der Familie“ weit häufiger als geliebte Freizeitgestaltung als urdeutsche Kinder. Einfach nur Abhängen in der Freizeit, umgangssprachlich: chillen, gilt im Gegensatz zur landläufigen Meinung etlicher Erwachsener über die verweichlichte Jugend als wenig erstrebenswert.

Auffällig ist, dass seit der letzten Studie vor zwei Jahren die Zahl der Kinder kräftig angestiegen ist, die über einen eigenen Internetzugang verfügt. Und die, die einen eigenen Computer haben, fühlen sich wohler in der Schule.

Der Kinderschutzbund, der gerne als „Wahrer der Kinderrechte“ gesehen wird, hat die Studie begleitet. Das Grundbedürfnis der Kinder nach Bindung und Nähe, aber auch nach Lust und Spaß werde in Deutschland im Großen und Ganzen befriedigt, lautete das Fazit der Bundesgeschäftsführerin Paula Honkanen-Schoberth. So wie sie es darstellte, wissen die Deutschen – natürlich dank solcher Studien – ganz gut Bescheid darüber, wie der Nachwuchs so tickt.

Es hapere aber an klugen Konzepten zur Erfüllung der Kinderwünsche: Wie können Politik und Wirtschaft dafür sorgen, dass Papa und Mama trotz Berufstätigkeit mehr Zeit zum Sporttreiben mit den Kleinen haben, mehr Zeit zum Reden und zum Essen (!) mit ihren Kindern aufbringen können? Antworten hat die Kinderschützerin auch nicht, aber appellieren kann sie, was sie auch tut.

Auch zu einem Gedankensprung sollte sich die deutsche Gesellschaft nach Ansicht der Studienersteller noch ertüchtigen: Die viel gepriesenen Ganztagsschulen sollten sich allmählich zu einem Lebensort für Kinder entwickeln und nicht nur zu einem Lernort. Das heißt, wenn die Kinder mehr Stunden an einer Bildungseinrichtung verbringen, dann sollten das nicht nur Pauk-, sondern auch Spiel- und Mußestunden sein.

Vom Wohnort ist es übrigens nicht so sehr abhängig, wie glücklich ein Kind sich fühlt, wie man gemeinhin annehmen möchte. Die Kinder durften selbst sagen, wie sie ihr Umfeld einschätzen, ob eher ländlich, oder eher großstädtisch. Auffällige Unterschiede im Glücklichsein gibt es aber weder zwischen Stadt und Land, noch zwischen Nord und Süd.

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