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Panorama Die Deutschen entdecken die Familie wieder
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22:30 13.09.2011
Sicherer Hafen in unsicheren Zeiten? Eheschließung vor dem Altar. Quelle: dpa
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Die Ehen halten immer länger. Die durchschnittliche Ehe dauerte 14 Jahre und zwei Monate. Zum Vergleich: 1992 betrug die Dauer noch elf Jahre und sechs Monate.

Die Sache hat nur einen Haken. Zwar halten es die Eheleute heute deutlich länger gemeinsam aus als noch vor 20 Jahren. Nur ist das Risiko, dass das Bündnis dann doch in die Brüche geht deshalb nicht kleiner geworden. Das sogenannte Scheidungsrisiko, das angibt, wie viele Ehen innerhalb von 25 Jahren nach der Trauung wieder geschieden werden, lag 2010 bei 39 Prozent. Dieser Wert ist seit zehn Jahren mehr oder weniger stabil.

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Für Soziologen gibt es gleich mehrere Erklärungsversuche für die gegenläufigen Entwicklungen – sie haben allerdings eher mit Geld als mit Liebe zu tun. „In unsicheren Zeiten wie diesen scheuen mehr Paare die Scheidung und sehen die Ehe als – vor allem ökonomisch – sicheren Hafen“, sagt der Oldenburger Familiensoziologe Wolf-Dieter Scholz. Die Finanzkrise sowie unsichere Beschäftigungsverhältnisse ließen Ehepartner zusammenrücken – „auch wenn die Partnerschaft längst am Ende ist“. Eine Scheidung verhindere das letztlich meist nicht, wohl aber gibt es ein paar Jahre Aufschub.

Außerdem haften Eltern heute länger für ihre Kinder als früher. „Wenn ein größerer Anteil der Kinder studiert, dauert die Ausbildung der Kinder heute länger, und die Ehepartner tragen länger auch finanziell eine gemeinsame Verantwortung“, sagt Experte Scholz. Sind die Kinder dann aus dem Haus und fertig ausgebildet, beginnt auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt – und eine Scheidung fällt im Falle einer ohnehin zerrütteten Ehe leichter. Die Studie zeigt auch, dass es meist die Frauen sind, die die Scheidung beantragen – 2010 in 52,9 Prozent der Fälle. Die Männer reichten hingegen nur 38,9 Prozent der Anträge ein. In den übrigen Fällen beantragten die Paare die Scheidung gemeinsam.

Beim offiziellen Ende ihrer Ehe waren die Männer 2010 im Durchschnitt fast 45 Jahre und ihre Frauen 42 Jahre alt – so alt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Neben den längeren Ehen liegt der Grund dafür darin, dass die Deutschen auch immer später heiraten. Auch das könnte sich nach Meinung von Scholz positiv auf die Ehedauer auswirken: Viele prüfen heute genauer als früher, ehe sich ewig binden.

Dirk Schmaler