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Panorama Die dunkle Seite des Lichts
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06:15 13.08.2012
Von Dirk Schmaler
Foto: Die Energiesparlampe ist unbeliebt aber vorgeschrieben. Die Glühbirne gibt es weiterhin als – teure – Speziallampe.
Die Energiesparlampe ist unbeliebt aber vorgeschrieben. Die Glühbirne gibt es weiterhin als – teure – Speziallampe. Quelle: dpa
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Nur fünf Prozent der Energie, die sie verbrauchen, wandeln sie in Licht um, der Rest geht als Wärme verloren. In den vergangenen Jahren hat die EU deshalb schon zunächst die 100-Watt-, dann die 80-Watt-Exemplare und im vergangenen Jahr auch die 60-Watt-Versionen der alten Glühdrahtlampen vom Markt genommen. Nun, am 1. September dieses Jahres, müssen die Europäer auch von den leuchtärmsten der Glühbirnen Abschied nehmen: 25 und 40 Watt-Birnen dürfen dann nicht mehr für den europäischen Markt gekauft werden. Dann ist Europa flächendeckend Energiesparlampenzone. Zumindest theoretisch.

Doch der Widerstand gegen das Brüsseler Lampenverbot ist nach wie vor groß. Die Fans des Klassikers – vor allem Deutsche – wollen sich partout nicht von irgendwelchen EU-Bürokraten vorschreiben lassen, wie sie ihr Wohnzimmer beleuchten. Die Strategie der Kritiker: mosern, was das Zeug hält. Das Licht sei zu kalt, heißt es immer wieder über die Energiesparlampen. Außerdem können die effizienten Lampen nur ein oder aus – dimmen ist technisch nicht möglich. Das wichtigste Argument der Energiesparlampengegner allerdings geht längst übers Gefühlige hinaus: Die Lampen seien nicht nur unpraktisch, sondern gefährdeten auch noch die Gesundheit der Beleuchteten.
In der Tat sind die Energiesparlampen nicht ungefährlich. Sie enthalten das Nervengift Quecksilber. Das Umweltbundesamt hat zwar grundsätzlich erklärt, die Mengen seien sehr gering, gesundheitliche Beeinträchtigungen deshalb zumindest unwahrscheinlich.

So ganz traut die Behörde ihren eigenen Testergebnissen allerdings augenscheinlich auch nicht.

Auf seiner Internetseite rät das Umweltbundesamt bei einem Lampenbruch zu einer ganzen Reihe von Vorsichtsmaßnahmen, die eher an einen Gefahrguttransport erinnern, als an eine von der EU vorgeschriebenen Lampe: Zuerst müsse man unbedingt sofort alle Fenster zum Lüften öffnen, Menschen und Haustiere für mindestens 15 Minuten aus dem Raum schicken und Heizung und Klimaanlage abschalten. Danach soll man mit einem Gummihandschuh und einem „steifen Karton“ (nicht mit einem Staubsauger oder Besen!) die Glassplitter zusammenkehren. Die Scherben müssen luftdicht verschlossen und anschließend bei einem Wertstoffhof abgegeben werden.

Letzteres geschieht bisher nicht nur im Schadensfall nicht flächendeckend. Wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) berichtet, wurden 2010 nur etwa 37 Prozent der Energiesparlampen getrennt gesammelt. „Durch die nicht ordnungsgemäße Sammlung und Verwertung“ gelangten jährlich mehrere hundert Kilogramm Quecksilber in die Umwelt, erklärt die DUH.

Doch der Quecksilbergehalt ist nur einer von vielen Kritikpunkten – wobei nicht alle ähnlich stichhaltig sind. So hält sich hartnäckig das Gerücht, die Energiesparlampen kosteten beim Einschalten bereits so viel Strom, dass sie sich erst nach einer hohen Brenndauer lohnen würden. Die Stiftung Warentest hat die Lampen getestet, aber keinen erhöhten Stromverbrauch beim Einschalten festgestellt. Auch bei der Energiebilanz samt Herstellung, Betrieb und Entsorgung ist die Energiesparlampe entgegen mancher Darstellung deutlich besser als die herkömmliche Glühlampe.

Weitere Vorwürfe gegen das Licht per EU-Richtlinie transportierte in dieser Woche eine viel beachtete ZDF-Dokumentation über die Gefahren der Energiesparlampen. Dort wurde etwa darauf hingewiesen, dass die neuen Lampen auch im unversehrten Zustand die Gesundheit belasten können. In Betrieb gebe die Energiesparlampe giftige und krebserregende Stoffe wie Phenol ab, behauptete der Film – ein Vorwurf, der bereits im vergangenen Jahr vom NDR erhoben wurde. Schon damals betonten die Lampenhersteller, alle Grenzwerte würden eingehalten. Auch das Umweltbundesamt will die Erkenntnisse aus dem Fernsehen nicht bestätigen.

Das Bundesamt für Strahlenschutz bestätigt zwar, dass Energiesparlampen elektromagnetische Störfelder verursachen können, bescheinigt der Lampe allerdings dennoch gesundheitliche Unbedenklichkeit. „Hinsichtlich UV- und elektromagnetischer Strahlung unterscheiden sich Energiesparlampen und Glühlampen nur graduell“.

Einen letzten Ausweg aus dem Lampendiktat bietet ausgerechnet die „EU-Effizienzrichtlinie für Licht“ selbst. Dort findet sich nämlich ein sehr erhellender Passus über Ausnahmen. „Speziallampen“, etwa für Bauarbeiten oder zur Außenbeleuchtung, sind demnach von dem Glühlampenverbot nicht betroffen.

Das Edel-Retro-Kaufhaus Manufaktum (Werbeslogan: „Es gibt sie noch, die guten Dinge“) hat sich die Regelung zu Eigen gemacht. In dem Online-Programm gibt es die klassische Tropfenglühbirne mit Glühdraht – in der 40-, 60-, und 100-Watt-Version. Und weils so schön ist, auch noch grundsätzlich in matt – was die EU-Kommission wegen der offensichtlichen Energieverschwendung bereits seit 2009 verboten hatte. Sie sehen aus wie immer. Nur, dass sie plötzlich 3,40 Euro kosten. Auf dem Karton ist der Hinweis aufgedruckt, der aus einer verbotenen Glühlampe eine Speziallampe macht: „stoßfest“, steht da.

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