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Panorama Die eigenen vier Kinder verschleppt: Vater vor Gericht
Nachrichten Panorama Die eigenen vier Kinder verschleppt: Vater vor Gericht
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14:21 22.01.2012
Der Mann, der seine vier Kinder monatelang verschleppt hat, steht vor Gericht. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Lüneburg

Nach viereinhalb Monaten Suche wurde sie schließlich in Kairo entdeckt: Ob ein Vater von vier aus Niedersachsen nach Ägypten verschleppten Kinder die nächsten Jahre im Gefängnis verbringen muss, wird sich von Dienstag kommender Woche (24.) an in Lüneburg entscheiden. Dort wird sich der 37-Jährige vor dem Landgericht verantworten müssen. Er gilt als christlicher Fundamentalist.

Monatelang hatte das Verschwinden der vier kleinen Geschwister am Ostermontag vergangenen Jahres für Schlagzeilen gesorgt, bis die Kinder und ihr Vater schließlich Anfang September wohlbehalten in Kairo gefunden wurden. An der aufwendigen Suche waren auch das Auswärtiges Amt und Interpol beteiligt.

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Der arbeitslose Krankenpfleger hat die Vorwürfe laut Staatsanwaltschaft eingeräumt. Er sah sich an der Ausübung seiner religiösen Erziehungspflicht gehindert, nachdem seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau kurz zuvor das alleinige Sorgerecht zugesprochen worden war. Er habe die Entscheidung des Gerichtes nicht akzeptiert und glaubte sich laut Anklage nach dem für ihn höherrangigen Gesetz Gottes selbst zur Kindeserziehung verpflichtet.

„Da er die Erziehungsmethoden und den Lebensstil seiner Ehefrau abgelehnt habe, sei er zu dem Entschluss gekommen, mit seinen Kindern dauerhaft ins Ausland zu reisen, um sie so dem Einfluss seiner Ehefrau zu entziehen“, erklärte ein Sprecher des Landgerichts zu den Motiven des Angeklagten.

Die damals vier bis acht Jahre alten Geschwister soll er in Hermannsburg bei Celle unter dem Vorwand einer gemeinsamen Fahrradtour abgeholt haben. Stattdessen flog er aber noch am selben Tag mit den Kindern nach Ägypten. Die Bundesregierung bemühte sich intensiv um Aufklärung. Ein Fahndungsaufruf in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ brachte zunächst keine weitere Spur. Am 7. September wurde der Mann dann in einem Kairoer Internet-Café festgenommen. Nur einen Tag später sind die vier Kinder nach viereinhalb Monaten wieder bei ihrer Mutter in Deutschland, der Vater kommt in Untersuchungshaft.

„Ich bin nicht in die Kinderzimmer gegangen und habe die Türen zugelassen. Die leeren Betten der Kinder mit ihren Lieblingsstofftieren, die sie nicht bei sich hatten, das Spielzeug, die Fußballfotos, die selbst gemalten Bilder, der Kickertisch, die Schulsachen, die Bücher - das zerriss mir das Herz“, schilderte die Mutter kurz nach der Rückkehr der Kinder die schmerzlichen Wochen.

In Lüneburg wird der 37-Jährige der Entziehung Minderjähriger beschuldigt, das ist der juristische Fachbegriff für Kindesentführung. Dem Angeklagten droht dabei eine mehrjährige Haftstrafe. Nach Paragraf 235 des Strafgesetzbuches macht sich schuldig, wer Kinder und Jugendliche einem sorgeberechtigten Elternteil ohne dessen Einwilligung entzieht oder vorenthält. Werden die Opfer gar „in die Gefahr des Todes“ gebracht oder schwere psychische und gesundheitliche Schäden riskiert, so können die Richter bis zu zehn Jahre Gefängnis verhängen.

Außer Kindesentführung wirft ihm die Anklage auch Wohnungseinbruchsdiebstahl vor: Vier Tage vor der Flucht soll er mit einem unberechtigt erlangten Nachschlüssel Pässe und Sparbücher der Kinder aus der Wohnung seiner Ehefrau geholt haben. Bis zum 16. Februar hat das Gericht insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt.

dpa

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